Karneval

Kölner Karnevalspräsident weist Sauf-Vorwurf zurück

Müll liegt in Düsseldorf auf der Straße.

Müll liegt in Düsseldorf auf der Straße.

Foto: dpa

Köln.  Kritik über Exzesse im Karneval hat den Kölner Karnevalspräsidenten Kuckelkorn verärgert. Es sei billig, so zu tun, als wäre Karneval schlecht.

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Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, hat den Vorwurf zurückgewiesen, dass sich der Karneval in letzter Zeit zum Negativen verändert habe. Diese Kritik habe ihn "extrem geärgert", sagte Kuckelkorn am Donnerstag in Köln zum Auftakt des Straßenkarnevals. "Es ist geradezu billig, ständig so zu tun, als wäre der Karneval schlecht", sagte der Ober-Jeck. Karneval stehe auch für soziales Engagement, für Integration, für kleine Feiern in Pfarreien und Schulen, für strahlende Kinderaugen. "Der Karneval ist gut für Köln und die Menschen", betonte Kuckelkorn.

Kölns OB Reker: Karneval ist ein allgemeines Besäufnis geworden

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte zuvor gesagt: "Der Karneval ist in den letzten Jahren - oder eher Jahrzehnten - zu etwas geworden, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht, als dem, was unsere Karnevalskultur ausmacht." Sie bezog sich dabei auch auf die Exzesse, die es am 11. November 2017 - dem traditionellen Karnevalsauftakt - in ihrer Stadt gegeben hatte. "Ich will den Kölnern natürlich nicht sagen, wie sie Karneval feiern sollen", sagte Reker. "Aber das hatte nichts mehr mit Karneval zu tun."

Nach dem Auftakt der Karnevals-Session hatte es Köln massive Diskussionen um die Auswüchse des Festes gegeben: Dreck, Streit, Schnapsleichen und Urin. Daraufhin war ein Runder Tisch initiiert worden, um die Situation zu verbessern. Nun soll es unter anderem viel mehr Toiletten, mehr Absperrungen und Maßnahmen gegen Müll geben.

Navid Kermani: Saufexzesse ein "Wohlstandsphänomen"

Auch der Schriftsteller Navid Kermani (50, "Entlang den Gräben") hatte sich zu dem Thema geäußert: Er hält die Exzesse im Kölner Karneval für ein Wohlstandsphänomen. "Ich glaube, jeder ältere Kölner wird bestätigen können, dass der Karneval kurz nach dem Krieg eine ganz andere Bedeutung hatte als jetzt, auch wenn damals viel weniger Alkohol getrunken und viel weniger Aufwand getrieben wurde", sagte der vielfach ausgezeichnete Autor der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es hatte eben eine Bedeutung, dass man drei, vier Tage im Jahr feiern und die Sorgen vergessen konnte."

In ärmeren Ländern könne man diese Art des Feierns heute noch erleben. "Aber wenn es jetzt auch noch Sommerkarneval und Kölner Oktoberfest und elften Elften gibt, dann verliert das Feiern seine eigentliche Bedeutung als etwas Besonderes, das vom Alltag befreit. Feiern als Dauerbeschäftigung kommt mir fürchterlich öde vor."

Dieses Phänomen sei im Übrigen keineswegs nur in Köln zu beobachten, sagte Kermani, der seit Jahrzehnten in der Domstadt lebt; aber durch den Dauerkarneval sei es besonders präsent. "Wenn nur noch eine Verballermannisierung stattfindet, wenn die Spaßgesellschaft sozusagen durchdreht und es nur noch darum geht, zu grölen und sich möglichst schnell zu besaufen, laufe ich weg." (dpa)

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