ZDF-Krimi

„München Mord“: Ein Krimi, der nicht klassisch spannend ist

Polizistin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) ermittelt undercover als Showgirl in einem mysteriösen Herrenklub – hier mit Stefan Merki als Philip Wimmer und Joachim Nimtz als Rainer Sennhofer.

Polizistin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) ermittelt undercover als Showgirl in einem mysteriösen Herrenklub – hier mit Stefan Merki als Philip Wimmer und Joachim Nimtz als Rainer Sennhofer.

Foto: Jürgen Olczyk / dpa

Essen.  Im ZDF ermittelt wieder das unkonventionelle Trio von „München Mord“. Doch der Film hat nicht nur Humor, sondern ist auch fesselnd.

Der Gedanke ans Älterwerden löst bei Kommissarin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) Beklemmungen aus. München, die Stadt der Reichen und Schönen, wird immer größer und immer teurer. „Wie soll man da einfach so überleben?“

Hanno Berthold muss sich solche Sorgen nicht mehr machen. „Mein Gott, wenigstens begraben hätten sie ihn ja können“, gibt eine Friedhofsgängerin ihrer Fassungslosigkeit Ausdruck, als sie die Leiche des Sterne-Kochs in einem Abfall-Container entdeckt. Und Kommissar Ludwig Schaller (Alexander Held), der alsbald in den Container abtaucht und bis auf den zerschnittenen Ausweis des Ermordeten nichts Bemerkenswertes findet, kommentiert die ergebnislose Suche mit einem lakonischen Knittelvers: „Unwetter und Dreck macht alle Spuren weg.“

„München Mord“: Zum neunten Mal an der Ermittlungsfront

Es ist dieser beiläufige Erzählton, dieser manchmal geradezu staubtrockene Humor, der den besonderen Charme der Reihe „München Mord“ ausmacht und den Zuschauer immer wieder fast vergessen lässt, dass es sich um einen veritablen Krimi handelt. In „Die Unterirdischen“ (Regie: Jan Fehse) schickt das ZDF Schaller, Flierl und ihren Kollegen Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) zum neunten Mal an die Ermittlungsfront.

Diesmal wird das unkonventionelle Trio besonders stark von Kriminaloberrat Zangel (Christoph Süß) kontrolliert und schikaniert. Den selbstgefälligen Chef, der ohnehin mehr Möchtegern-Politiker ist als Polizeibeamter, hat seine Affinität zu den Reichen und Einflussreichen in die Bredouille gebracht. Endlich hat er, als Gast eines hofierten Staatssekretärs, Eingang in einen so ominösen wie elitären Männer-Club gefunden, da ermitteln seine Leute ausgerechnet gegen die „Unterirdischen“.

Von Anfang an hat Schaller, der natürlich wieder von seinen Ahnungen und Visionen befallen wird, ein Verbrechen im organisierten Untergrund vermutet. Die Vermutung erhärtet sich, als Tine (Liliane Zillner), die Nichte des Toten, einen geheimen Treffpunkt erwähnt. Alle im Umfeld des Ermordeten, ältere Männer wie junge Frauen, scheinen mit diesem Club zu tun zu haben, doch angeblich weiß niemand, wo sich der befindet.

Gespenstisch glamouröses High-Society-Konzept

Erst als eine Journalistin verschwindet, die einen Enthüllungsbericht über das gespenstisch glamouröse High-Society-Konzept geschrieben hat, wird Tine konkreter. Die Ermittler schlagen eine offensivere Gangart ein. Um endlich Licht ins Dunkel zu bringen, müssen sie selbst in den offenbar nicht ganz astreinen Untergrund.

Gegen alle Dienstvorschriften beschafft sich Neuhauser 10.000 Euro für den Erwerb der Clubmitgliedschaft. Klar, dass das Trio in den grauslichen Gesellschafts-Katakomben prompt dem Kriminaloberrat begegnet. Doch auch der Erkenntnisgewinn ist nicht unerheblich, wenngleich es bis zur endgültigen Aufklärung noch etwas dauert. Mit einem permanenten Schmunzeln verfolgt der Zuschauer das amüsante, nur leicht überdrehte Geschehen, das 90 Minuten lang fesselt, obwohl oder gerade weil es nicht im traditionellen Sinne spannend ist.

• Samstag, 21. September, um 20,15 Uhr, im ZDF

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