Pandemie

Corona-Mutationen: Diese verschiedenen Varianten gibt es

| Lesedauer: 9 Minuten
Coronavirus: Das passiert bei einer Mutation

Coronavirus: Das passiert bei einer Mutation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die in Indien entdeckte Covid-19-Mutation B.1.617 als "besorgniserregend" ein. Die Auswirkungen einer Mutation variieren stark.

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Berlin.  In Deutschland gehen mehrere gefährliche Mutationen des Coronavirus um. Welche sind es und wie ansteckend sind sie? Eine Übersicht.

  • Mittlerweile gibt es viele verschiedene Varianten des Coronavirus
  • "Besorgniserregende Varianten" und "Varianten von Interesse" stehen bei WHO und RKI unter Beobachtung
  • Von Alpha bis Omikron unterscheiden sich die Varianten teils deutlich

Die Corona-Pandemie bestimmt den Alltag in Deutschland. Die Inzidenz erreicht immer neue Negativrekorde, während die Impfquote nicht so schnell steigt wie notwendig. Neue Virus-Mutationen lassen viele Fragen aufkommen: Schützen die Impfstoffe? Wie schnell können sich einzelne Varianten ausbreiten? Wie verbreitet sind die Varianten? Lesen Sie hier, was zu den bislang bekannten Mutanten bekannt ist.

Wie unterscheiden sich Virusvarianten voneinander?

Grundsätzlich unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwei verschiedene Kategorien von Coronavirus-Mutationen:

  • die besorgniserregenden Varianten (engl.: variants of concern, VOC) und
  • die Varianten unter Beobachtung (engl.: variants of interest, VOI).

Das Robert Koch-Institut folgt dieser Einteilung.

Der Unterschied zwischen besorgniserregenden und Varianten unter Beobachtung ist, dass sich die VOC "relevant von den herkömmlichen Virusvarianten unterscheiden". Messgrößen für diesen relevanten Unterschied sind etwa die Übertragbarkeit, die Virulenz (die Fähigkeit, eine Krankheit auszulösen) oder die Fähigkeit, eine Immunantwort zu umgehen.

Bei Varianten, die unter Beobachtung stehen, handelt es sich um Mutationen, die unter anderem ansteckender sind als vergleichbare Virus-Varianten. Sie könnten sich mittel- oder langfristig gesehen laut WHO zu einem Risiko für die weltweite öffentliche Gesundheit auswachsen. Eine VOI kann sich also zu einer VOC entwickeln, auch wenn dies nicht zwangsläufig geschehen muss und auch keinesfalls global passieren muss.

Welche besorgniserregenden Varianten gibt es?

Die WHO listet derzeit fünf besorgniserregende Varianten auf, die nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt sind: Alpha (B.1.1.7), Delta (B.1.617.2), Beta (B.1.351), Gamma (P.1) und Omikron (B.1.1.529).

Alpha-Variante (B.1.1.7)

Die Alpha-Variante wurde das erste Mal im September 2020 in Großbritannien nachgewiesen und gilt bei der WHO seit dem 18. Dezember als besorgniserregende Variante. Sie ist leichter von Mensch zu Mensch übertragbar.

Laut RKI gibt es zudem Hinweise darauf, dass eine Sonderform der Alpha-Variante unempfindlicher gegenüber gebildeten Antikörpern ist. Diese Sonderform wurde in Großbritannien mehrfach nachgewiesen und kommt vereinzelt auch in Deutschland vor. In Deutschland war Alpha nach dem Jahreswechsel lange die vorherrschende Variante, bis sie von Delta verdrängt wurde.

Nach Angaben der Hersteller Moderna und Biontech/Pfizer wirken deren Impfstoffe auch gegen Alpha. Die mRNA-Technik erlaube auch eine spätere Anpassung an neue Mutationen des Virus. Auch das -Mittel schützt vor der britischen Mutante. In Deutschland macht sie mittlerweile keinen großen Anteil der Infektionsfälle mehr aus.

Beta-Variante (B.1351)

Die Beta-Variante kommt in Deutschland so gut wie nicht vor. Beta wurde bereits im Mai 2020 das erste Mal in Südafrika nachgewiesen, seit dem 18. Dezember 2020 gilt sie als besorgniserregend.

Laut RKI gibt es Hinweise darauf, dass das Immunsystem genesener oder geimpfter Menschen mit Beta schlechter umgehen kann, der Schutz also geringer ausfällt. Gebildete Antikörper sind gegen Beta etwas weniger wirksam. Andererseits ist es möglich, dass Beta leichter übertragbar ist: "Für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert", heißt es beim RKI. Es wird außerdem angenommen, dass Beta etwas weniger ansteckend ist als Alpha.

Gamma-Variante (P.1)

Die Gamma-Variante ist in Deutschland mittlerweile ebenfalls kaum verbreitet. Erstmals nachgewiesen wurde Gamma im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, im November 2020. Dort ist sie die dominierende Variante. Als besorgniserregend gilt P.1 seit dem 11. Januar 2021.

Sie ähnelt in ihren Mutationen stark der Beta-Variante, vorläufige Daten weisen etwa auf einen reduzierten Schutz nach Impfung oder Erkrankung hin. Auch für Gamma wird eine erhöhte Übertragbarkeit angenommen.

Delta-Variante (B.1.617.2) und Delta Plus

Die Delta-Variante ist die vorherrschende Coronavirus-Mutation in Deutschland. Das erste Mal nachgewiesen wurde Delta im Oktober 2020 in Indien. Seit dem 4. April 2021 steht Delta unter besonderer Beobachtung; Eine besorgniserregende Variante ist B.1.617.2 seit dem 11. Mai 2021.

Laut Robert Koch-Institut zeichnet sich Delta durch Mutationen aus, die - im Vergleich zu Alpha - sowohl mit geringerem Impfschutz als auch einer höheren Übertragbarkeit in Verbindung gebracht werden.

Derzeitige Impfungen schützen laut RKI etwas besser vor Alpha als vor Delta, bei vollständiger Impfung, und insbesondere mit einer Booster-Impfung, besteht aber auch vor Delta "ein hoher Schutz gegen Erkrankungen und schwere Verläufe". Bei einfacher Impfung aber "wurde eine deutlich verringerte Wirksamkeit gegen B.1.617.2 nachgewiesen". Lesen Sie dazu: Biontech entwickelt neue Impfstoff-Version gegen Delta

Bei Delta Plus (B.1.617.2.1) handelt es sich um eine kaum erforschte Untervariante von Delta. In Deutschland hat das RKI vereinzelt in Verdachtsproben entdeckt. Delta Plus wurde erstmals Anfang Juli 2021 in Indien nachgewiesen, die WHO verfolgt ihre Entwicklung im Rahmen der Delta-Überwachung.

Omikron (B.1.1.529)

In Deutschland sind aktuell zwei Fälle der Variante aus Südafrika bekannt. In Südafrika ist Omikron bereits für rund 75 Prozent aller Neuinfektionen verantwortlich. B.1.1.529 kann allerdings nur mittels Sequenzierung sicher identifiziert werden. Die Variante Omikron wird international sehr engmaschig beobachtet.

Sorgen bereitet Expertinnen und Experten nicht nur die höhere Ansteckungsgefahr, sondern auch die Möglichkeit, dass Omikron den Impfschutz offenbar womöglich umgehen könnte.

Phylogenetische Untersuchungen zeigen, dass die Omikron-Variante des Coronavirus unabhängig von der derzeit dominierenden Delta-Variante entstanden ist. Sie besitzt eine ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein, außerdem viele Mutationen.

Welche Varianten stehen unter Beobachtung?

Die Weltgesundheitsorganisation hat aktuell zwei Varianten unter Beobachtung gestellt: Lambda (C.37) und Mu (B.1.621).

Lambda-Variante (C.37)

Im Dezember 2020 konnte die Lambda-Variante erstmals in Peru nachgewiesen werden, die WHO beobachtet C.37 seit dem 14. Juni 2021. Auch in Europa findet sich die Variante, allerdings nur vereinzelnt. Lambda wurde Anfang August dennoch besondere mediale Aufmerksamkeit zuteil. Eine japanische Studie, deren Ergebnisse noch keiner wissenschaftlichen Prüfung unterzogen sind, hatte Befürchtungen laut werden lassen, Lambda sei ansteckender als Delta und könne den Impfschutz umgehen.

Außerdem sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, der Deutschen Presse-Agentur, die Daten aus Japan würde überinterpretiert. Sie zeigten, dass Lambda in Labor-Versuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante, die in Deutschland derzeit vorherrschend ist.

Lambda könnte demnach auch dem Immunschutz "etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta". Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht, erklärte Watzl. Der Begriff Immunresistenz im Titel der japanischen Studie sei "bezogen auf die gezeigten Daten schlicht falsch".

Mu-Variante (B.1.621)

Seit Ende August hat die WHO eine neue Coronavirus-Variante als "Variante von Interesse" eingestuft. Es handelt sich um die Variante Mu, die zuerst im Januar in Kolumbien identifiziert worden ist, wie die WHO in einem Bericht schrieb. Es gebe Anzeichen, dass die Antikörper bei Genesenen oder Geimpften möglicherweise gegen die Variante Mu noch weniger wirksam sind als gegen andere Virusvarianten. Dafür seien aber weitere Studien nötig.

Die Mu-Variante sei in einigen Ländern Südamerikas und Europas nachgewiesen worden, schreibt die WHO. Aus 39 Ländern lägen genetische Untersuchungen des Virus vor. Weltweit betrage der Anteil der Variante nach derzeitigen Schätzungen nur 0,1 Prozent, in Kolumbien aber mache der Anteil derzeit 39 Prozent aus.

Coronavirus: Weitere Varianten

Eta-Variante (B.1.525)

Eta wurde im Dezember 2020 in verschiedenen Ländern zum ersten Mal nachgewiesen, darunter die afrikanischen Staaten Uganda und Nigeria. Auch in Großbritannien zeigten sich zu dieser Zeit erste Fälle einer Eta-Infektion.

Sie stand ebenfalls bei der WHO unter Beobachtung, weil sie Mutationen aufweist, mit denen eine höhere Übertragbarkeit und eine veränderte Antwort des Immunsystems verbunden sein könnte. Eta ist in Deutschland erstmals Ende Juni im Kreis Paderborn nachgewiesen worden, bei einer 89-Jährigen.

Iota-Variante (B.1.526)

Die Iota-Variante ist seit November 2020 bekannt, entdeckt wurde sie erstmals in New York City. In den USA bereitet sich Iota derzeit aus, vor allem im Bundesstaat New York. Iota stand ebenfalls bei der WHO zeitweise unter Beobachtung. In Deutschland ist die Variante nicht sonderlich verbreitet.

Die Variante wird mit einer – im Vergleich zu Infektionen mit dem Wildtyp des Coronavirus – reduzierten Immunantwort bei Genesenen oder Geimpften in Verbindung gebracht. Anzeichen für einen schwereren Krankheitsverlauf gibt es bislang nicht.

Kappa-Variante (B.1.617.1)

Die Kappa-Variante ist eine Verwandte von Delta und ist seit Oktober 2020 bekannt. Erstmals nachgewiesen in Indien, stand Kappa ebenfalls zeitweise bei der WHO unter Beobachtung. Sie wird in vereinzelten Fällen auch in Deutschland nachgewiesen.

Kappa ist kaum erforscht, bisherige Daten weisen darauf hin, dass sie übertragbarer sein könnte und Antikörper weniger stark wirken könnten.

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