Bühnenjubiläum

Peter Maffay: „Ohne die Musik wäre ich nicht mehr da“

Peter Maffay wird am 30. August 70, zeitgleich bringt er sein neues Album heraus.

Peter Maffay wird am 30. August 70, zeitgleich bringt er sein neues Album heraus.

Foto: Reto Klar / Funke Foto Service

Peter Maffay wird 70 Jahre alt. Im Interview spricht er über seinen „Trip des Lebens“ und verrät, warum für ihn jetzt alles neu ist.

Berlin Peter Maffay geht herum, holt sich Kaffee, schenkt Getränke aus, begrüßt alle per Handschlag. In den Berliner Hansa-Studios gibt er Interviews. Er ist der Maffay, nach wie vor, drahtig, verschmitzt, tätowiert. Seit 50 Jahren prägt der Sänger die deutschsprachige Musikszene. Zu seinem Bühnenjubiläum bringt er ein neues Album heraus, „Jetzt“ heißt es und wird an seinem 70. Geburtstag, dem 30. August veröffentlicht. 14 neue Songs, die alle die Gegenwart feiern. Die Vergangenheit, dass er zwei Flaschen Whiskey am Tag trank und 80 Zigaretten dazu rauchte, dass er Krebs hatte, das alles, sagt er, sei auserzählt. Er will über die guten Dinge im Leben sprechen, seine Musik, seine neun Monate alte Tochter und seine aktuelle Liebe.

Vor 50 Jahren begann Ihre Musikkarriere. Wie erinnern Sie sich an das Jahr 1969?

Peter Maffay: 1969 war ein spannendes Jahr. Ich habe die Schule ohne Abschluss abgebrochen. Ich habe eine Lehre angefangen, die mir nicht viel gegeben hat. Im Grunde waren meine Aussichten ziemlich schlecht.

Aber 1969 war doch bunt, laut und anders, oder?

Maffay: Klar, es herrschte Aufbruch. Amerikanische Songwriter wie Joan Baez oder Bob Dylan haben die politische wie künstlerische Kultur geprägt. Unsere ganze Generation hat Konventionen abgelehnt, das brachte natürlich Konflikte. Ob Sie es glauben oder nicht: Lange Haare, ja oder nein. Das war wirklich ein Thema.

Sie hatten ja lange Haare.

Maffay: Natürlich. Ich habe später noch einmal versucht, sie so lang wachsen zu lassen. Das hat leider nicht mehr geklappt.

Wer waren Ihre musikalischen Vorbilder?

Maffay: Wir guckten ja alle Sendungen wie „Beat Club“ und „Musikladen“ mit Mike Leckebusch. Dort sind die großen Bands aufgetreten. Für mich war es überwältigend. Denn ich bin erst als 14-Jähriger aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Und dann sehe ich einen Typen im Fernsehen, der ein Wahnsinns-Riff spielt. Später habe ich erfahren, dass es Keith Richards von den Rolling Stones mit „Satisfaction“ war. So wollten wir werden, da wollte ich hin.

Wie haben Sie angefangen?

Maffay: Zusammen mit meiner Klassenkameradin Margit Krauss gründeten wir das Duo Margit&Peter. Wir sind zusammen in unterschiedlichen Münchner Klubs aufgetreten. Unter anderem im „Song Parnass“, das war für viele Musiker eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Pune, dem Hippie-Ort in Indien.

Waren Sie schon mal dort?

Maffay: In Pune? Nie. Aber in dem Club habe ich Michael und Roswitha Kunze kennen, über die beiden kam ich zu meinem ersten Schallplatten-Vertrag und der ersten Single „Du“. Das wollte am Anfang niemand hören, wurde dann aber ein großer Hit. Das war 1970.

Machen wir jetzt einen Zeitsprung: Wie erleben Sie 2019?

Maffay: Faltiger. Im Ernst. Aus meinem Käfer ist ein schnelleres Auto geworden. Aus dem Schlafsack ein Hotelzimmer, aber im Prinzip, sitze ich immer noch in Studios und mache Musik. Die Zeit ist schnell vergangen und trotzdem war es ein langer Trip.

In Ihrem neuen Album „Jetzt“ sprechen Sie viel über Zeit. In einigen Liedern kommt das Wort vor. Wie haben Sie die Zeit wahrgenommen?

Maffay: Wie in einem D-Zug. Mit einigen Kurven, die ich hätte auch auslassen können. Aber eines ist für mich klar: Ich habe riesiges Glück gehabt und mich für den richtigen Weg entschieden. Die Musik.

Manches Mal sah es in Ihrem Leben ja nicht so gut aus. Sie hatten gesundheitliche Probleme…

Maffay: Die Musik hat mich immer gerettet. Musik war meine Medizin, meine Hoffnung. Ohne Musik wäre ich vielleicht gar nicht mehr da. Durch die Musik bin ich auch mit vielen jungen Leuten in Kontakt, das beflügelt mich. Und ich habe mit 70 eine kleine Tochter, neun Monate alt. Jetzt geht es erst los.

Ihr Album heißt auch „Jetzt“. Was bedeutet das für Sie?

Maffay: Wir wollten uns mit der Vergangenheit nicht aufhalten. Die ist abgehandelt. Ich wollte etwas Neues. Energie, wollte zeigen, wo wir stehen.

Man hört es und sieht es in Ihren neuen Musikvideos. Sie zeigen politische Bilder von Demonstrationen und der Klang ist energiegeladen, laut, rockig. Wie die Jugend. Was halten Sie von der „Fridays-for-Future“-Bewegung?

Maffay: Die „Fridays-For-Future“-Bewegung zeigt , wie engagiert unsere Jugendlichen zum Teil sind. In dem Video zu dem Lied „Morgen“ sehen Sie eine brutale Szene aus dem Hambacher Forst. Jemand greift einer Demonstrantin brutal ins Gesicht. Völlig entwürdigend ist das. Kinder sollen ökologisch denken und handeln dürfen, sie dafür zu bestrafen, wenn sie ihre Rechte einfordern, ist widersinnig. Ich mache mir wie alle Eltern Gedanken, was auf meine Kinder zukommt, auf meine Tochter und meinen 15-jährigen Sohn. Und ich frage in dem Lied: Wollen wir warten bis der „Morgen“ kommt? Wollen wir wieder wegsehen, wenn jemand Hakenkreuze irgendwo hinschmiert? Wollen wir unsere Chance verpassen, den Klimawandel aufzuhalten?

Peter Maffay – Morgen

Ein anderes Lied heißt „Für immer jung“. Das ist ein Bekenntnis, oder?

Maffay: Johannes Oerding hat den Text geschrieben, übrigens auch den von „Morgen“ und „Jetzt“. Er ist ein toller Künstler und ich bin ihm sehr dankbar dafür. „Für immer jung“ ist der Versuch zu erklären, was mich mit dem Publikum verbindet. Viele meiner Fans sind seit der ersten Stunde dabei. Auch wenn die 70 Jahre äußerlich erkennbar sind, dann ist die Haltung trotzdem jung. Deswegen ist das nicht nur mein Jubiläum, sondern auch das meiner Fans.

Und Sie selbst?

Maffay: Im Moment ist alles gut. Ich kann mich gesundheitlich nicht beklagen. Aber mir ist klar, dass mit 70 schnell eine Veränderung eintreten kann.

Was hat sie in Ihren 70 Jahren am meisten geprägt?

Maffay: Mein Vater, er ist jetzt 93 und ein unverbogener Mann.

Und aus welchem Holz ist Peter Maffay geschnitzt?

Maffay: Ich hoffe, dass ich das, was mein Vater mir vorgelebt hat, auch umsetzen kann und konnte. Das will ich an meine Kleinen auch weitergeben. Meine Eltern haben viel auf sich genommen, damit wir Rumänien verlassen konnten.

Ein anderes Lied heißt „Luft und Liebe“, das ist auch Ihr Lebensmotto, oder?

Maffay: Das ist ein bisschen ironisch gemeint.

Man hat von außen schon den Eindruck, dass es bei Ihnen manchmal wie in der Liedzeile „Der Kopf geht aus, das Herz geht an“ zugegangen ist.

Maffay: Da gibt es ganz andere Männer, die Maßstäbe setzen. Aber manchmal ist es ganz gut, den Kopf auszuschalten.

Das ist jetzt Ihre fünfte Ehe?

Maffay: Hendrikje und ich sind nicht verheiratet. Aber geistig schon lange und vom Herzen her auch.

Bei „Größer als wir“ singen Sie von Gott? Warum war Ihnen das wichtig?

Maffay: Einerseits, weil ich an Gott glaube. Aber auch, weil ich mich wundere, dass wir uns immer noch darüber streiten, welcher Gott der richtige ist. Hätten wir diesen Streit nicht, wäre die Welt friedlicher. Deswegen dieses Lied. Ich kann mit meiner Musik und mit meiner Stiftung ein wenig zurückgeben, was ich in diesem Leben bekommen habe. Darum geht es mir.

• Konzert und Live-Schaltung im TV und in Kinos: Am 28. und 29. August spielt Maffay zwei Konzerte in Berlin, in der Columbiahalle. Fans können das Konzert auch online im Kino verfolgen .

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