Computer-Kriminalität

Polizei warnt: „Bitte machen Sie keine Nacktfotos von sich“

Tatort Computer: Die Polizei warnt vor einer neuen Betrugsmasche.

Tatort Computer: Die Polizei warnt vor einer neuen Betrugsmasche.

Foto: Silas Stein/dpa

Düsseldorf.  Dating-Plattformen sind beliebt. Doch was, wenn sich der intime Flirt als kriminelle Masche herausstellt? Diese Fälle häufen sich.

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Es ist eine neuartige Art der Erpressung, vor der die Polizei in Nordrhein-Westfalen eindringlich warnt. Wie zum Beispiel die Polizei Bochum. „Bitte stellen sie sich bei intimen Handlungen nicht vor eine Webcam, bitte machen sie keine Nacktfotos von sich und versenden diese vor allem nicht an andere Personen“, appelliert sie: „Unsere Welt ist schon lange digital und sie verzeiht im Zweifelsfall nicht, wenn man leichtsinnige und unüberlegte Dinge tut - lebenslang!“

Hintergrund sind kriminelle Machenschaften zum Beispiel auf Dating-Plattformen. Dort kommt man sich näher, gewinnt Vertrauen und im Videochat geht es danach heiß her. Doch wenn dann eine Email oder Facebook-Nachricht mit der Forderung einer Geldsumme eintrifft, weicht das erotische Knistern schnell blankem Entsetzen. Die digitale Masche läuft nach dem immer gleichen Prinzip: Die Unbekannten behaupten, die Betroffenen per Videochat nackt - oft bei der Selbstbefriedigung - gefilmt zu haben. Nur die Zahlung von mehreren Hundert oder Tausend Euro könne die Veröffentlichung verhindern.

Pornmail-Masche

Die Masche wird „Sexpressung“ oder „Sextortion“ (von extortion - Erpressung) genannt. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Methoden, die seit vergangenem Jahr kursieren: Bei der „Pornmail“-Masche behaupten die Erpresser, den Computer gehackt, Spionage-Software wie einen Trojaner installiert und den Besitzer beim Konsum von Pornofilmen mit dessen eigener Kamera gefilmt zu haben.

Bislang ist dies reiner Bluff und es existieren gar keine Aufzeichnungen. Dem Landeskriminalamt NRW und auch anderen Polizeibehörden ist zumindest kein Fall bekannt, in dem die Versender dieser Tausenden von Spam-Mails ihre Drohung wahr gemacht hätten. Viele Empfänger zahlen trotzdem, weil sie es nicht darauf ankommen lassen wollen.

Intime Aufnahmen

Anders sieht es bei der Lockvogel-Masche im Videochat aus. In diesen Fällen können die Erpresser tatsächlich mit „Kostproben“ aufwarten. Es sei ein leichtes und koste nur einen Knopfdruck, die intimen Aufnahmen über die Kontaktlisten an den Freundes- und Kollegenkreis des Erpressten zu schicken, heißt es dann. Und vereinzelt sei dies Realität geworden. „Es sind Fälle bekannt, bei denen tatsächlich kompromittierende Aufnahmen gestreut wurden“, warnt das LKA.

„Für die Betroffenen ist das verheerend“, hatte der Kölner Oberstaatsanwalt Markus Hartmann bereits berichtet. In höchster Not habe sich ein älterer Mann bei den Strafverfolgern gemeldet. „Er hatte schon den Familienrat zusammengerufen, um seiner Ehefrau zu beichten, dass demnächst Videos von ihm im Netz kursieren.“

Zahlen zu beiden Phänomenen sind für NRW noch nicht bekannt. In Bayern berichtete die Polizei von 870 Opfern in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres. Die Ermittler gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Opfer aus Scham den Gang zur Polizei scheuen dürften.

Einfacher Kniff

Den Tätern ist nicht so leicht auf die Spur zu kommen: „Sie bedienen sich anonymisierter Transaktionen ins Ausland, etwa via Western Union oder verlangen Kryptowährungen wie Bitcoin. Serverstandorte und Geldforderungen, sofern sie nachvollzogen werden können, deuten auf ein Agieren aus dem Ausland hin“, berichtet ein Sprecher des Landeskriminalamts NRW.

Die Polizei rät, im Ernstfall Beweise wie Chatverläufe zu sichern, oder auch Screenshots anzufertigen und Anzeige zu erstatten. Um sich erst gar nicht in eine solche Situation zu bringen, helfe ein einfacher Kniff: Das Abkleben der Kameralinse von Laptop oder PC - und der Verzicht auf freizügiges Verhalten, auch wenn das Gegenüber im Videochat es noch so verführerisch vormacht. (dpa)

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