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Coronavirus: Was ist eigentlich ein Superspreader?

Coronavirus: Das macht Superspreader so gefährlich

In der Epidemiologie bezeichnet der Ausdruck „Superspreader“ Menschen, die infiziert sind und besonders viele Menschen anstecken. Aber wie werden wir zu Superspreadern?

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Berlin.  Wen bezeichnet man als Superspreader? Was sind Superspreader-Events? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

In Garmisch-Partenkirchen hat eine 26-jährige Frau die Zahl der dortigen Coronafälle in die Höhe getrieben. Trotz Corona-Symptomen und verordneter Quarantäne soll sie durch verschiedene Bars gezogen sein – und dabei zahlreiche Personen angesteckt haben. Die junge Frau war eine „Superspreaderin“. Was ist ein Superspreader? Welche Konsequenzen können drohen? Fragen und Antworten im Überblick.

Corona: Was ist ein Superspreader?

Als Superspreader werden infizierte Menschen bezeichnet, die besonders viele andere Personen anstecken. Besonders häufig passiert das in Situationen, in denen viele Menschen zusammenkommen. Ein infizierter Mensch, der viel Kontakt zu anderen hatte, kann zum Superspreader werden.

Der Reproduktionswert (R-Wert) zeigt, wie viele andere Menschen ein mit ein Infizierter ansteckt. Am 14. September lag der R-Wert in Deutschland laut Robert-Koch-Institut bei 1,18. Das heißt: Jeder Infizierte steckt aktuell etwas mehr als einen weiteren Menschen an. Superspreader sprengen diesen Rahmen. Sie stecken also deutlich mehr Menschen an, als vom R-Wert zu erwarten.

Was bezeichnet man als Superspreading-Event?

Ein Superspreading-Event ist eine Zusammenkunft von Menschen, bei denen wenige Infizierte zahlreiche andere Menschen anstecken. Während der Corona-Pandemie gab es einige Fälle, die besonders für Aufsehen sorgten.

  • In der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) nahmen am 15. Februar 2020 rund 300 Menschen an einer Karnevalssitzung teil. Zahlreiche Menschen infizierten sich dabei mit dem Coronavirus.
  • Die Passagiere und die Besatzung auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wurden am 5. Februar 2020 im Hafen von Yokohama (Japan) bis zum 19. Februar unter Quarantäne gestellt. Zwei Infizierte haben zahlreiche Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Lesen Sie auch: Coronavirus auf Kreuzfahrtschiff: Ein Deutscher berichtet
  • Bei einem Motorrad-Treffen in Sturgis (USA) kamen vom 7. bis zum 16. August 2020 rund 460.000 Biker zusammen. Laut einer Studie ist dieses Treffen für rund 260.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verantwortlich. Hintergrund: Biker-Festival in den USA wurde zum Superspreader-Event

Können Superspreader rechtlich belangt werden?

Der Fall Garmisch-Partenkirchen wirft die Frage auf, ob wissentlich Infizierte oder Corona-Verdachtsfälle rechtlich belangt werden können, wenn sie die Auflagen missachten. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung in dem Fall. Die 26-jährige US-Amerikanerin, die in Garmisch-Partenkirchen lebt, soll trotz Krankheitsanzeichen durch Kneipen gezogen sein und soll dabei mehrere Menschen angesteckt haben.

Corona: Biker-Festival in USA wird zum Superspreader-Event
Corona- Biker-Festival in USA wird zum Superspreader-Event

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte Konsequenzen für sie. „Garmisch-Partenkirchen ist ein Musterfall für Unvernunft“, sagte Söder in München. Der Fall sei Beispiel dafür, wie schnell sich Infektionen verbreiten könnten. „Dieser Leichtsinn muss auch Konsequenzen haben.“ Es sei deshalb sinnvoll, mit „hohen Bußgeldern“ zu agieren. In Bayern kann bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein Bußgeld von 2000 Euro verhängt werden. In diesem Fall wäre es eine Ordnungswidrigkeit.

Welche Folgen drohen der Frau im Fall Garmisch-Partenkirchen?

Belangt werden kann die 26-Jährige nur, wenn sie die Quarantäne-Auflagen bewusst ignoriert hat. Das gilt es nun zu überprüfen. Laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) kommt es unter anderem auf den genauen Wortlaut an, wie die Frau aus der Teststation entlassen wurde. „Begeben Sie sich in häusliche Absonderung“ wäre in diesem Fall die eindeutigste Aussage. Aktuelle Nachrichten zum Coronavirus im News-Ticker

Der Unterschied liegt allerdings im Detail. Es muss geklärt werden, ob ihr eine Quarantäne angeordnet oder empfohlen wurde. „Wenn ein Arzt der Frau mitgeteilt hat, es sei unwahrscheinlich oder man wisse überhaupt noch nicht, dass sie angesteckt ist, dann könnte sie sagen: Ich habe darauf vertraut, nicht infiziert zu sein“, erklärt Andreas Spickhoff, Professor für Medizinrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Gespräch mit dem BR. Das sei eine sehr einzelfallbezogene Feststellung.

Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, droht der 26-Jährigen ein Verfahren wegen Körperverletzung. Auch Schadensersatzansprüche sind nicht auszuschließen.

Gilt für US-Bürger das deutsche Recht?

Laut Staatsanwaltschaft sind Ermittlungen gegen die US-Bürgerin zulässig. Der Nato-Truppenstatus erlaubt eine Anklage. Für fahrlässige Körperverletzungen drohen Geldstrafen bis hin zu mehrjährigen Haftstrafen. (dpa/dmt).

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