Gewitter

Tatra-Gebirge: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfällen

In Polen und der Slowakei sind mehrere Touristen bei einem Gewitter gestorben. Rettungsdienstmitarbeiter transportieren einen Verletzten.

In Polen und der Slowakei sind mehrere Touristen bei einem Gewitter gestorben. Rettungsdienstmitarbeiter transportieren einen Verletzten.

Foto: Grzegorz Momot / dpa

Berlin.  Bei einem heftigen Gewitter im polnischen Tatra-Gebirge sind mindestens fünf Menschen gestorben. Es gab wohl eine Kettenreaktion.

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Ein heftiges Unwetter ist Donnerstag über das Tatra-Gebirge in Polen und der Slowakei gezogen – mit fatalen Folgen: Mehr als 150 Menschen seien verletzt worden, teilten Rettungskräfte mit, mindestens fünf starben, darunter zwei Kinder.

Vier Opfer wurden auf polnischer Seite gezählt. In der Slowakei gab es einen Toten. Laut Bergwacht stürzte er aufgrund der Druckwelle mehrere Hundert Meter in die Tiefe.

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung zum Unglück auf dem Gipfel und dem Verhalten der Bergtouristen ein. Geprüft wird unter anderem, ob es in der Menge zu Panikreaktionen kam. „Viele Touristen sind weiter aufgestiegen, als es schon geblitzt hat“, berichtete ein Augenzeuge im Sender TVN24.

„Ich habe Steine fliegen sehen, ich dachte, es ist eine Lawine“, sagte ein anderer. Der Ferienort Zakopane rief Trauer aus und sagte alle Kultur- und Sportveranstaltungen für drei Tage ab.

Polen: Gewitter im Tatra-Gebirge – Blitze schlugen in Metallkreuz ein

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, ein Blitz sei in eine Kette eingeschlagen, die beim Aufstieg auf den Berg Giewont helfen sollte. Die Spannung wurde offenbar so weitergeleitet, die Menschen seien nach dem Einschlag direkt umgefallen.

Laut TVN24 ist ein Blitz zudem in ein großes Metallkreuz eingeschlagen – unweit des Kreuzes in einem Wintersportzentrum hätten sich demnach viele Touristen aufgehalten. Rettungshubschrauber suchten nach den Opfern, vier waren im Einsatz und brachten die ersten Verletzten in ein nahe gelegenes Krankenhaus.

Wanderer offenbar von Gewitter überrascht

Laut des polnischen Internetportals sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Vorrangig sei die Suche nach weiteren Opfern. Zunächst war von etwa 20 Verletzten die Rede gewesen, Polens Premierminister Mateusz Morawiecki erklärte jedoch später, es seien fünf mal so viele.

Ein vergleichbares Unglück gab es Medienberichten zufolge am 15. August 1939, als sechs Menschen auf der Seealmspitze (Swinica) der Hohen Tatra durch Blitzschlag getötet wurden. Nach Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) gehört es in den bayerischen Alpen zwar zum Standard, dass an den Gipfelkreuzen ein Blitzableiter installiert ist.

„Trotzdem sollte man sich bei Gewittern auf keinen Fall auf der Bergspitze aufhalten“, warnte eine Sprecherin in München. Bei plötzlichen Wetterumschwüngen sei es besser, direkt abzusteigen und flache Hochebenen zu meiden.An vielen Bergsteigen sind auch die Fußtritte und Kletterketten aus Metall. Hier gelte es, bei einem Gewitter genau abzuwägen. „Klinkt man sich aus dem Karabiner aus, ist die Gefahr, abzustürzen, natürlich deutlich größer“, erläuterte die Sprecherin.

Auf dieser Google-Karte ist zu sehen, wo das Tatra-Gebirge in Polen liegt.

Ein Wanderer berichtet auf TVN24 es habe keine Hinweise auf ein Gewitter gegeben. „Meine Frau und ich gingen nach Giewont, wir waren auf halbem Weg, als wir Donner hörten.“ Jemand habe vermutet, es sei ein Flugzeug, „aber es stellte sich als Sturm heraus. Es donnerte aus jedem Winkel.“ Er habe vorher die Wetterberichte überprüft, nichts deutete auf einen Sturm hin.“

Im Tatra-Gebirge sind erst vor wenigen Tagen polnische Forscher in einer Höhle eingeschlossen worden. (ses)

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