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Waldbrand auf Teneriffa: "Gibt Licht am Ende des Tunnels"

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Fortschritte bei Brandbekämpfung auf Teneriffa: «Schlimmste vorbei»

Fortschritte bei Brandbekämpfung auf Teneriffa: «Schlimmste vorbei»

Es sind die schwersten Brände auf Teneriffa in den vergangenen 40 Jahren. Doch die Lage scheint unter Kontrolle, das «Schlimmste vorbei».

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Madrid.  15.000 Hektar Land sind in Teneriffa von den Waldbränden betroffen. Nach einer Woche werden die Feuer langsam erfolgreich eingedämmt.

Von der Leitstelle im Ort Arafo schaut man auf die Friedhofslandschaft, die der Feuersturm oben in den Bergen hinterlassen hat: verkohlte Baumstümpfe, verbrannte Erde, Rauch steigt auf. Ein trauriges Bild: Gut die Hälfte des Naturparks Corona Forestal, die wichtigste grüne Lunge Teneriffas, wurde bereits zu Asche.

Eine Woche nach Ausbruch des Waldbrandes, der oberhalb von Arafo begann und sich von dort durch die Berglandschaft fraß, wächst auf Teneriffa die Hoffnung, dass die Flammen unter Kontrolle gebracht werden können. "Es gibt Licht am Ende des Tunnels", sagt Insel-Präsidentin Rosa Davila. An den meisten Fronten sei es gelungen, die Feuerwalzen zu stoppen und ein weiteres Ausbreiten zu verhindern.

Betroffene Region wird zu Katastrophengebiet erklärt

Doch der Schaden ist bereits enorm: Rund 15.000 Hektar, also 150 Quadratkilometer, wurden schon vom Feuer erfasst. Es ist einer der größten Buschbrände, an den sich die Bewohner der spanischen Urlaubsinsel erinnern können. Hoch oben in den Bergen lodert es noch immer. Die kreisförmige Feuerfront wurde am Dienstag auf 88 Kilometer Länge geschätzt. „Es wird vermutlich noch Tage dauern, bis wir den Brand überall wirklich kontrollieren“, sagte ein Behördensprecher.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez kündigte an, dass die betroffene Region zum Katastrophengebiet erklärt werde. Damit wird die Bereitstellung staatlicher Hilfen für die Wiederaufforstung und den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur erleichtert. Der Naturpark Corona Forestal und der ebenfalls betroffene Teide-Nationalpark gehören zu den beliebtesten touristischen Ausflugszielen der Insel.

Teneriffa: An vielen Orten regnet es Asche

Nahezu 13.000 Menschen mussten vor dem Feuer fliehen. Evakuiert wurden ganz oder teilweise elf Ortschaften, in denen etliche europäische Residenten leben. Betroffen sind: Arafo, Candelaria, El Rosario, La Orotava, Santa Úrsula, La Victoria, El Sauzal, Tacoronte, La Matanza, Güímar y Los Realejos. Auch das berühmte Parador-Hotel, das auf 2000 Meter Höhe im Nationalpark des Teide-Vulkans liegt, musste geräumt werden.

In etlichen Dörfern und Städten im Norden und Osten der Insel wird wegen der schlechten Luftqualität weiterhin empfohlen, Fenster sowie Türen zu schließen und möglichst nur mit FFP2-Maske ins Freie zu gehen. Diese Empfehlungen gelten auch für den bekannten Urlaubsort Puerto de la Cruz sowie für die Städte San Cristóbal de la Laguna und Santa Cruz de Tenerife. Vielerorts regnet es Asche und treiben Rauchschwaden durch die Straßen.

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Ausmaß des Waldbrandes: 60 Meter hohe Flammenwände

Das Feuer in den Bergen ist von vielen Orten an der Küste nicht zu übersehen. Nachts scheinen die Berge zu glühen, in denen die letzten Tage bis zu 60 Meter hohe Flammenwände loderten. Am Tag signalisiert eine riesige Rauchwolke, dass sich im Hinterland eine Feuerkatastrophe abspielt.

Teneriffa ist die bekannteste und größte Insel der Kanaren. Sie hat 930.000 Einwohner und wird jedes Jahr von nahezu sechs Millionen Touristen besucht. Auf der Insel halten sich derzeit, vor allem in den Hochburgen an der südlichen Küste, annähernd 100.000 Touristen auf. Knapp die Hälfte der Urlauber stammt aus dem deutschsprachigen Sprachraum.

Tourismus nicht von den Feuern betroffen

"In den Tourismuszonen herrscht Normalität", beruhigen die Behörden. "Die Sicherheit der Urlauber und Bewohner ist gewährleistet." Allerdings wurden die Feriengäste aufgerufen, die Brandregion zu meiden und nicht durch Schaulust die Löscharbeiten zu behindern.

Mehr als 20 Löschflugzeuge und nahezu 1000 Helfer und Soldaten sind im Einsatz. Wechselnde starke Winde, steile Schluchten, knochentrockenes Unterholz und große Hitze hatten die letzten Tage die Löscharbeiten erschwert.

Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Brandstiftung, teilte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska mit. Für eine vorsätzliche Brandstiftung spreche, dass dieses Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen sei. Und zwar in der Nähe eines beliebten Aussichtspunktes, in dessen Umgebung bereits mehrfach gezündelt worden war.

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