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Zoo Krefeld reagiert auf Kritik an Schimpansen-Haltung nach Affenhaus-Brand

Schimpansendame "Bally" lebt seit dem Affenhausbrand im Zoo Krefeld in einem für Menschenaffen zu kleinen Raum zusammen mit dem Schimpansen Limbo. Beide sind die einzigen Überlebenden Tiere des Brandes.

Schimpansendame "Bally" lebt seit dem Affenhausbrand im Zoo Krefeld in einem für Menschenaffen zu kleinen Raum zusammen mit dem Schimpansen Limbo. Beide sind die einzigen Überlebenden Tiere des Brandes.

Foto: Zoo Krefeld

Krefeld.   Im Streit mit Tierrechtlern um die Unterbringung der überlebenden Tiere des Affenhausbrandes sieht sich der Zoo Krefeld jetzt bestärkt.

Gut zwei Wochen nach dem Start einer Online-Petition gegen den Zoo Krefeld sieht sich der Zoo jetzt durch einen Experten in seiner Position gestärkt: Eine Krefelder Tierrechtlerin wirft dem Zoo vor, er halte die beiden Schimpansen, die den Affenhausbrand in der Silvesternacht 2019/20 überlebt hatten, seitdem unter tierschutzwidrigen Bedingungen.

Die Petition auf dem Portal Change.org (externer Link) hatten bis Donnerstagmorgen fast 31.000 Menschen unterschrieben. Sie unterstützen damit die Forderung der Organisation "Great Ape Project", dass die beiden Schimpansen Bally und Limbo so schnell wie möglich an eine Affenschutz-Einrichtung in Großbritannien überführt werden sollen; in der dortigen "Wales Ape & Monkey Sanctuary" würden sie besser untergebracht sein als im Krefelder Zoo.

 

Zoo-Krefeld: Experte rät von Umzug der Schimpansen nach Wales ab

Der Zoo Krefeld lehnt das seit Monaten ab und sieht sich nun durch den internationalen Affen-Experten Patrick van Veen unterstützt, Präsident des Jane Goodall Instituts Global (JGI), gegründet von und benannt nach der berühmten Verhaltensforscherin, die als Pionierin der Erforschung von Schimpansen gilt. Laut Zoo wiederlege van Veen die Tierqualvorwürfe. Und er rate "dringend von einem Umzug der Schimpansen nach Wales ab".

„Die Tiere sind in sehr guter psychischer und physischer Verfassung. Nichts in ihrem Verhalten deutet mehr auf das Trauma der Brandnacht hin“, heißt es laut dem Zoo Krefeld in einem Gutachten des Affen-Experten. "Bally und Limbo werden von qualifiziertem Fachpersonal ihren Bedürfnissen nach entsprechend versorgt und vor allem beschäftigt", zitiert der Zoo Krefeld van Veen.

Schutzorganisation will Haltung von Menschenaffen in Zoos beenden

Dass die Tiere seit dem auf sehr engem Raum untergebracht sind, würde seinem Urteil nach aufgewogen "durch die positiven Reize", die die beiden Affen hätten. Kritikwürdig sei einzig "der fehlende Zugang zu einer Außenanlage", teilte der Zoo mit Bezug auf den Affen-Experten mit. "Sollte ein Umzug von Bally und Limbo nicht innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate erfolgen, muss der Zugang zu einer Außenanlage gewährleistet werden", kündigt der Zoo Krefeld an.

Die Krefelder Tierrechtlerin Adrienne Kneis, nach eigenen Angaben in Deutschland „Botschafterin“ der Organisation „Great Ape Project“, bezweifelt indes die fachliche Qualifikation von van Veen. Begründung: Der studierte Biologe arbeitet seit vielen Jahren als Managementtrainer, die Bezug nehmen auf seine Erfahrungen zum Verhalten von Menschenaffen. Zudem zähle van Veen zur Zoo-Lobby, während sich das „Great Ape Project“ dafür einsetzt, die Haltung von Menschenaffen in Zoos weltweit zu beenden.

Kein Fachpersonal? Falscher pflegerischer Ansatz in Wales?

Der Zoo Krefeld stützt sich bei seiner Entgegnung auf die Online-Petition auch auf Tim de Jong, Vize-Koordinator des Europäischen Erhaltungszucht-Programms (EEP) für Westafrikanische Schimpansen im Burgers Zoo Arnheim. Anders als die Tierrechtlerin Kneis lässt er am „Wales Ape and Monkey Sanctuary“ (WAMS) kein ‚gutes Haar‘: Er könne „nicht viel Positives“ darüber sagen, zitiert der Zoo; der pflegerische Ansatz in Wales etwa sei „sehr anthropomorph“ und damit nicht Affen-gerecht, meint de Jong.

Ähnlich urteilt laut dem Zoo Krefeld auch Alison Cronin, Leiterin des britischen Affenschutzzentrums „Monkey World“ in der Grafschaft Dorset: „Das WAMS beschäftigt kein ausgebildetes Fachpersonal. Im WAMS werden die Tiere von Freiwilligen betreut, die sich oftmals nach ihrem Praktikum an Monkey World gewendet haben, mit der Bitte die Missstände im WAMS aufzudecken und zu beenden.“

Initiatorin von Online-Petition wirft Kritikern üble Nachrede vor

Tierrechtlerin Adrienne Kneis wertet das als „frei erfunden“, „falsch“ und „üble Nachrede“. Das WAMS sei „das einzige Primatenrefugium in Europa, das Schimpansen in Not ein auf Lebenszeit garantiertes neues Zuhause gibt“, behauptet Kneis. Der Zoo Krefeld sieht das WAMS indes als „nicht geeignet“ für eine Vermittlung der Schimpansendame Bally und des Schimpansenmannes Limbo: „Bally und Limbo sind aufgrund ihrer guten psychischen und physischen Verfassung keine Tiere für Auffangzentren oder Gnadenhöfe“, sagt der Zoo.

Der Zoo Krefeld betont, für ihn stehe das Tierwohl „an erster Stelle“. Der Zoo vereine „ein emotionales und ein wissenschaftliches Verständnis für Bally und Limbo.“ Man sei nach wie vor bemüht, für die beiden einen neuen Zoo zu finden, was jedoch nach Aussage einer Sprecherin „sehr schwierig“ sei, zumal die Affen nur zusammen abgegeben würden und beide schon alt sind – Bally ist 47, Limbo 27 Jahre.

Tierrechtlerin Kneis kündigt unterdessen weiteren Druck auf die Zoo-Leitung an: Sobald es die Corona-Auflagen ermöglichten, plane man ein neue Mahnwache vor dem Zoo. Die Online-Petition hatte im Laufe des Donnerstagmittags weitere 500 Unterstützer.

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