Prozess

Giftmorde-Prozess: Baby von Opfer starb nicht an Thallium

| Lesedauer: 3 Minuten
In Köln steht seit Montag ein Krankenpfleger vor Gericht. Er soll zwei Frauen mit dem Gift Thallium ermordet haben – eine dritte überlebte knapp. Hier ein Bild aus dem Gericht mit den Anwälten Mutlu Günal (l.) und Martin Bücher (r.).

In Köln steht seit Montag ein Krankenpfleger vor Gericht. Er soll zwei Frauen mit dem Gift Thallium ermordet haben – eine dritte überlebte knapp. Hier ein Bild aus dem Gericht mit den Anwälten Mutlu Günal (l.) und Martin Bücher (r.).

Foto: Federico Gambarini / dpa

Köln.  In Köln steht seit Montag ein Krankenpfleger vor Gericht. Er soll zwei Frauen mit dem Gift Thallium ermordet haben – eine dritte überlebte knapp.

Im Komplex um die sogenannten Thallium-Morde ist das Baby einer der vergifteten Frauen laut Gutachten nicht an dem Gift gestorben. Der rechtsmedizinische Gutachter komme zu dem Schluss, dass die Todesursache plötzlicher Kindstod gewesen sein dürfte, sagte ein Sprecher des Kölner Landgerichts am Dienstag auf Anfrage. Am Tatvorwurf der Anklage ändere dies nichts. Der „Express“ hatte zuvor berichtet.

Der Angeklagte soll seine schwangere Lebensgefährtin und zwei weitere Frauen mit dem Schwermetall Thallium vergiftet haben. Die Frau konnte mit einem Gegenmittel gerettet werden, ihr Kind kam lebend auf die Welt, war dann aber gestorben.

Giftmorde mit Thallium: Schwangere Lebensgefährtin überlebt knapp

Seit Montag muss sich der 41-Jährige aus Hürth bei Köln wegen zweifachen Mordes, Mordversuchs und versuchten Schwangerschaftsabbruchs vor dem Kölner Landgericht verantworten. In den Jahren 2020 und 2021 soll er drei Frauen mit dem Schwermetall Thallium vergiftet haben, das früher als Rattengift eingesetzt worden war.

Während seine damalige Ehefrau im Mai 2020 und die Großmutter seiner späteren Lebensgefährtin im April 2021 qualvoll nach langem Siechtum an der Substanz sterben, überlebt die schwangere Lebensgefährtin im November 2021 nur knapp in einem Krankenhaus nach der Gabe eines Gegenmittels. Das gemeinsame, ungeborene Kind überlebt zunächst, stirbt aber nach der Geburt. Ob aufgrund einer Thallium-Vergiftung, das werde noch geprüft, sagte ein Gerichtssprecher.

Laut Anklage hat sich der Krankenpfleger im April 2020 an die Adresse seines Arbeitgebers 25 Gramm Thallium schicken lassen. Zunächst habe er das Gift dann „heimtückisch“ seiner Ehefrau verabreicht. Die Frau stirbt Ende Mai 2020 auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Bereits im September 2020 habe der Mann über eine Internet-Plattform eine neue Frau kennengelernt und sei wenig später mit ihr zusammengezogen. Im Februar oder März 2021 habe der Angeklagte beschlossen, die 92 Jahre alte Großmutter seiner Lebensgefährtin zu vergiften - „in gefühlloser Gesinnung“, wie der Staatsanwalt sagt. Die Seniorin stirbt im April.

Angeklagter will die Aussage in Köln verweigern

Im Herbst desselben Jahres soll er dann auch seine schwangere Lebensgefährtin vergiftet haben. Da der Angeklagte spätestens nach dem Tod seines ersten Opfers gewusst habe, welche Qualen eine Thallium-Vergiftung auslöse, sieht die Staatsanwaltschaft in den beiden Fällen neben Heimtücke auch das Mordmerkmal der besonderen Grausamkeit erfüllt. Die Lebensgefährtin überlebte.

Der Angeklagte lässt über seine Verteidiger erklären, dass er die Aussage verweigern werde. Weder zu seinem Lebenslauf noch zu den Tatvorwürfen werde er sich im Prozess äußern.

Ein Motiv für die mutmaßlichen Taten des Angeklagten nennt die Staatsanwaltschaft nicht. Mutlu Günal, einer der beiden Verteidiger des 41-Jährigen, sagt am Rande des Prozesses: „Wir sehen das hier als offenen Indizienprozess.“ Bis Ende Januar 2023 hat das Landgericht 22 Verhandlungstage terminiert. Insgesamt sollen 38 Zeugen und sechs Sachverständige vernommen werden. (dpa)

Oft gelesene Texte aus NRW finden Sie hier:

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Panorama

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER