Monterey Park

Massaker bei Los Angeles: Zahl der Todesopfer steigt auf elf

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Entsetzen und Ratlosigkeit nach Gewalttat in US-Supermarkt

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Berlin / Los Angeles  In Kalifornien hat ein Mann zehn Menschen erschossen. Die Bluttat ereignete sich in einem Tanzstudio in der Nähe von Los Angeles.

Zwei Tage nach den tödlichen Schüssen in einem Tanzlokal im US-Bundesstaat Kalifornien ist ein weiteres Opfer seinen Verletzungen erlegen. Das hat das Krankenhaus "LAC+USC Medical Center" am Montag (23. Januar) mitgeteilt. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf elf an. Der Zustand von einer weiteren Person – die in dem Krankenhaus behandelt wird – ist zuletzt als "ernst" beschrieben worden. Zwei der Opfer seien aber auf dem Weg der Besserung, heißt es.

Nach Massaker in US-Tanzlokal: Weiteres Opfer ist schweren Verletzungen erlegen

Die schreckliche Tat hat sich am Samstagabend am Rande einer Feier zum chinesischen Neujahrsfest in Monterey Park ereignet – einer östlichen Vorstadt der Pazifikmetropole Los Angeles, wo viele Menschen asiatischer Herkunft leben. Ein Schütze hat das Feuer auf Feiernde eröffnet, zehn Menschen sind noch vor Ort gestorben. Zehn weitere wurden mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht – vier davon ins LAC+USC Medical Center, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA).

Gewissheit gibt es auch mit Blick auf den mutmaßlichen Täter. Nach Informationen der örtlichen Polizei ist der 72-jährige Verdächtige am Sonntagnachmittag leblos in seinem Lieferwagen gefunden worden. Polizeiangaben zufolge soll der Mann sich das Leben genommen haben, als eine Sondereinheit der Polizei seinen Wagen umstellt hat.

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Massaker in Tanzlokal: Schreckliches Bild nach nach Bluttat in Kalifornien

Als die ersten Streifen- und Krankenwagen am Tatort eintreffen, bietet sich den Helfern ein schreckliches Bild. Auf dem Parkplatz vor einem Tanzclub liegen blutüberströmte Leichen. Menschen rennen „schreiend aus dem Lokal“ und quetschen sich durch die Eingangstür auf die Straße, wie ein Polizeisprecher später berichtet. Auf dem Tanzparkett finden die Einsatzkräfte weitere Tote.

Wieder erschüttern tödliche Schüsse die USA

Das Massaker ereignete sich in einem Tanzlokal in der Nähe von Los Angeles und hat in der Nacht zum Sonntag mindestens zehn Todesopfer und zehn zum Teil Schwerverletzte gefordert. Der mutmaßliche Schütze – laut Polizei ein asiatisch-stämmiger Einzeltäter – ist inzwischen leblos in seinem Lieferwagen gefunden worden.

Der 72-Jährigen habe sich mit einer Waffe das Leben genommen, als eine Sondereinheit der Polizei seinen Wagen umstellte. Weitere Verdächtige gebe es nicht.

Über das Tatmotiv herrschte noch Unklarheit. Augenzeugen zufolge könnte ein aus dem Ruder gelaufener Ehestreit der Auslöser gewesen sein. Es gibt von offizieller Seite aber keine Bestätigung für diesen Verdacht.

Täter tauchte in weiterem Lokal auf

Die Polizei bestätigte am Sonntag, dass der Täter etwa 20 Minuten nach der Bluttat in einem weiteren Lokal in der benachbarten Stadt Alhambra aufgetaucht sei. Zwei Besuchern sei es gelungen, ihm seine Waffe abzunehmen. „Sie haben Leben gerettet. Es hätte noch viel schlimmer kommen können“, sagte Sheriff Luna.

Es war den zuständigen Behörden nach zunächst offen, ob das Blutbad in Zusammenhang mit dem chinesischen Neujahr stand, das dieses Jahr auf den 22. Januar fiel. In der Regel wird das Mondneujahr in Monterey Park mit Feuerwerkskörpern und Trommeln eingeläutet. Nun aber trat an die Stelle der Partys, Konzerte und aufwendigen Feierlichkeiten eine verheerende Tragödie. Kurz vor 22.30 Uhr am Samstagabend (Ortszeit) gingen bei der Notrufzentrale die ersten panischen Anrufe ein.

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Für viele Opfer kam die Hilfe zu spät

Ein Amokläufer sei in das „Star“-Tanzstudio eingedrungen, habe das Feuer eröffnet und wahllos um sich geschossen, kreischte einer der Gäste, der „Emergency 911“ kontaktiert hatte. Wenige Minuten später erreichen Dutzende Streifenwagen und Ambulanzen den Tatort. Doch für viele Opfer kommt die Hilfe zu spät.

US-Präsident Joe Biden wurde am Sonntagmorgen auf den aktuellsten Stand gebracht. Biden wies das FBI an, für die Ermittlungen und die Großfahndung sämtliche zur Verfügung stehenden Ressourcen bereitzustellen. Elizabeth Sherwood-Randall, eine leitende Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsberaters, werde den Präsidenten auf dem Laufenden halten, erklärte eine Regierungssprecherin.

„Ich bin schockiert, das ist absolut verheerend“

Die Beweggründe hinter dem Massaker liegen noch im Dunkeln. Zwei Drittel der 60.000 Einwohner von Monterey Park sind asiatisch-stämmig. Der stellvertretende Sheriff Tracy Koerner sagte, dass „wir derzeit sämtliche Aspekte dieser grauenvollen Tat unter die Lupe nehmen“.

Gleichwohl äußerte er prompt die Vermutung, dass es sich bei der Schießerei um ein Hassverbrechen gehandelt haben könnte. Schließlich hat sich in Kalifornien die Zahl der Hassverbrechen, die gegen Personen asiatischer Abstammung gerichtet waren, in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Selbst am Heiligabend kam es zu Zwischenfällen.

2022 hatte der US-Bundesstaat 110 Millionen Dollar für eine Kampagne ausgegeben, um den gewalttätigen Übergriffen entgegenzuwirken. Die ganze Region steht unter Schock. „Wir beten für unsere Kollegen und Freunde in der wunderbaren Stadt Monterey Park und wir werden alles tun, um die Opfer zu unterstützen“, sagte Andrew Chou, der Bürgermeister der Nachbbarstadt Diamond Bar. „Ich bin schockiert, das ist absolut verheerend“, schrieb Sasha Renée Pérez, die Bürgermeisterin des nahe gelegenen Alhambra.

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Seit Anfang des Jahres bereits 33 Angriffe mit Schusswaffen

Unterdessen weisen die Polizei sowie Mitglieder des Stadtrats von Monterey Park darauf hin, dass die Zahl der Opfer deutlich höher hätte ausfallen können. Schließlich waren am nächsten Tag im Stadtzen­trum, knappe 100 Meter vom Tatort entfernt, Festivitäten geplant, an denen mehr als 100.000 Menschen teilgenommen hätten.

Die USA haben seit Langem mit einem gigantischen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Die Nichtregierungsorganisation Gun Violence Archive registrierte seit Anfang des Jahres bereits 33 Schusswaffenangriffe mit vier oder mehr Opfern.

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