Partnerschaft

Warum Frauen ab 30 so schwer „den Richtigen“ finden

Je gebildeter und je attraktiver eine Frau über 30 ist, desto schwerer wird es für sie, „den Richtigen“ zu finden.

Foto: imago stock&people / imago/Rolf Kremming

Je gebildeter und je attraktiver eine Frau über 30 ist, desto schwerer wird es für sie, „den Richtigen“ zu finden. Foto: imago stock&people / imago/Rolf Kremming

Berlin  Frauen binden sich spät, weil oft der Mann fürs Leben fehlt. Gerade Akademikerinnen tun sich schwer. Dabei wäre das leicht zu ändern.

„Willkommen im Zeitalter der Unschuldlosigkeit. Niemand frühstückt mehr bei Tiffany’s oder glaubt noch an die große Liebe seines Lebens. Stattdessen frühstücken wir um sieben Uhr früh und versuchen, unsere Affären so schnell wie möglich wieder zu vergessen.“ Mit diesen Sätzen beginnt die Kult-Serie „Sex and the City“ – die meistgesehene Single-Serie der Welt nach „Friends“. Und zehn Jahre nach Drehschluss dieser Serien mit bevorzugt weiblichem Publikum hat sich offenbar wenig geändert in Sachen Liebe, nur dass diverse Dating-Apps dazugekommen sind. Der einzige Unterschied: Nun wollen Wissenschaftler und Experten endlich wissen, warum sich Frauen ab Dreißig mit der Partnerwahl so schwer tun.

Allen voran Roman Maria Koidl, Autor und Unternehmer, der zwischen Zürich und Berlin pendelt. Als Experte für Beziehungssachen beantwortete er für sein neues Buch „Der letzte Scheißkerl“ (Ullstein, 240 Seiten) die Zuschriften von 4000 Frauen. Mit einigen sprach er persönlich, die anderen bekamen eine schriftliche Antwort.

Akademikerinnen ab 30 scheitern oft

Er hielt den Anwesenden beim Mädelsabend seiner ehemaligen Freundin das Taschentuch, als sie sich über amouröse Fehlgriffe austauschten, las die Studien des Wiener Evolutionsbiologen Karl Grammer. Dieser wies nach, dass attraktive Akademikerinnen ab 30 Jahren es neben männlichen Hartz-IV-Empfängern auf dem Beziehungsmarkt am schwierigsten haben – zum einen, weil ihre Ansprüche zu hoch sind, zum anderen, weil sie die Suche zu früh einstellen.

Auch eine Studie von der Dating-Plattform Elite-Partner kommt zu diesem Ergebnis. Demnach geben 38 Prozent der gut gebildeten Frauen ihrer Kompromisslosigkeit die Schuld, dass sie keinen Partner haben. Erst habe oft das Studium Priorität, dann die Karriere, vielleicht noch Freunde treffen und dann ist da noch der Yogakurs am Wochenende. Die „Rushhour des Lebens“ nennt Psychologin Caroline Erb diese Phase um die 30. An Bekanntschaften mangele es in dieser Zeit kaum, nur dass diese sich selten verfestigten. Am Ende sind die Frauen nicht selten frustriert und stellen die Suche erst einmal ein.

Je attraktiver, desto größer die Probleme

Und so bleiben in Zeiten, in denen bereits 16,4 Millionen Menschen, sprich jeder fünfte Deutsche, in Singlehaushalten leben, gerade diese Frauen allein. Roman Koidl findet das tragisch und unnötig, gehe es oft doch nur darum, auch schon bei frischen Bekanntschaften Beziehungsmuster zu durchschauen. Der Spannungsbogen für sein Buch sei ihm durch die vielen Gespräche mit den Frauen quasi frei Haus geliefert worden.

Auch er ging für seine Recherche von der Ausgangslage der Wissenschaft aus: Je attraktiver und je gebildeter die Frauen, desto größer sind die Probleme. Im Laufe seiner Gespräche mit Frauen begegnete er solchen wie Kim (29). Diese beklagte sich, dass die Männer, mit denen sie zusammenkommt, nach sechs Monaten wieder aus ihrem Leben verschwänden. „Etwas näher stellte sich heraus, dass sie es ist, die nicht mehr will“, schreibt Koidl – und die Jungs herablassend behandele.

Die Kunst, eine Agenda als Paar zu haben

In einer Beziehung, sagt der Autor unserer Redaktion, gehe es nicht darum, den Partner zu verändern, sondern das System zu ändern, in dem man mit ihm lebt. Wie man das tut, unterscheide sich aber von Typ zu Typ. Da gebe es zum Beispiel den Blender, von dem man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen dürfe, den Analysten, dessen Unentschlossenheit man mit fröhlichem Aktionismus begegnen sollte. Beim Traurigen sollten Frauen Ansagen machen, was seine romantischen Erwartungen angeht, beim Chef-Typ Gelassenheit und Geborgenheit vermitteln.

Am Wichtigsten, findet ­Koidl, sei es aber, als Paar eine Agenda zu haben, der Wunsch das gemeinsame Leben als Teamarbeit zu verstehen. Dazu gehört sicherlich auch für die Männer, in die Revision zu gehen. Immerhin: Koidls Buch „Der letzte Scheißkerl“ ist in der Kategorie „Ratgeber für Männer“ bei „Amazon“ schon auf Platz sechs.

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