Schulreform

Abkehr vom „Turbo-Abitur“ – Das neue G9 ist nicht das alte

Schluss mit den langen Tagen an der Schule: Mit der G9-Reform, verspricht Schulministerin Yvonne Gebauer, sollen Gymnasien in der Sekundarstufe 1 wieder ohne Nachmittagsunterricht auskommen.

Foto: Andreas Arnold

Schluss mit den langen Tagen an der Schule: Mit der G9-Reform, verspricht Schulministerin Yvonne Gebauer, sollen Gymnasien in der Sekundarstufe 1 wieder ohne Nachmittagsunterricht auskommen. Foto: Andreas Arnold

Düsseldorf.   Ministerin Gebauer stellt Details zur Schulreform vor: mehr Wirtschaft, Politik und Informatik. Zehntklässler müssen künftig eine Prüfung machen.

Die meisten Gymnasien in NRW werden ab 2019/20 kein „Turbo-Abitur“ mehr anbieten. Aber die Leitentscheidung der Landesregierung, flächendeckend zu „G9“ zurückzukehren, bedeutet nicht, dass das alte neunjährige Gymnasium genauso wieder eingeführt wird, wie es einst war. „Ein Zurückdrehen der Uhr wäre falsch“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei der Vorstellung weiterer Details zur Zukunft der Gymnasien im Land. Das neue G9 werde „auf der Höhe der Zeit“ sein.

Neue Lehrpläne, neue Inhalte

Das Fach „Politik/Wirtschaft“ wird wichtiger. Es bekommt mehr Unterrichts-Zeit in der Sekundarstufe 1 und aktuellere Inhalte wie Infos über private Überschuldung, Handy-Tarife, Tarifverträge und die Soziale Marktwirtschaft. Fernziel ist ein eigenes Schulfach Wirtschaft. Auch die „Digitalisierung“ der Schulen nimmt Fahrt auf.

So sollen alle Schüler Grundkenntnisse im Programmieren erwerben. Der gültige Lehrplan für das Fach Informatik im Wahlpflicht-Bereich stammt noch aus dem Jahr 1993, „aus einer Zeit von CD-ROM und Disketten“, wie Ministerin Gebauer sagte. „Verbesserter“ Unterricht in Mathe und Naturwissenschaften steht ebenfalls auf der Agenda. Bis zum Sommer 2019 sollen insgesamt 25 neue Lehrpläne für die Sekundarstufe 1 in Kraft treten.

Prüfung in Klasse 10

Gymnasiasten müssen ab dem Jahr 2024 zum Ende der zehnten Klasse eine „Zentrale Prüfung“ bestehen, um die Mittlere Reife zu bekommen und in die Oberstufe wechseln zu können. In den anderen Schulformen der Sekundarstufe 1, zum Beispiel in Gesamt- und Realschulen, gibt es diese Prüfung – Klausuren in Mathe, Deutsch und Englisch – schon. Schüler an G8-Gymnasien erhalten den mittleren Schulabschluss wie bisher mit der Versetzung in die 11. Klasse.

Die Stundentafel

Sechs Schulstunden an fünf Wochentagen sieht die Stundentafel für das neue G9 in der Sekundarstufe 1 vor. Die Fachleute sprechen hier von 180 Wochenstunden für die Klassen fünf bis zehn – das sind 30 Schulstunden Unterricht in einer Woche. G8-Gymnasien haben 163 Wochenstunden für die Klassen fünf bis neun und damit gut zweieinhalb Schulstunden in der Woche mehr (32,6).

Über die 180 Stunden hinaus dürfen G9-Gymnasien bald acht zusätzliche Wochenstunden anbieten, zum Beispiel für besondere Unterrichtsangebote. Mit dieser Stundentafel können G9-Gymnasien in der Sekundarstufe 1 ohne Nachmittagsunterricht auskommen. Das sei der Wunsch vieler Eltern, sagte Gebauer. Echte Ganztags-Gymnasien kann es aber weiter geben. Sie erhalten mehr Wochenstunden und mehr Lehrerstellen als Halbtagsgymnasien. Offener Ganztag ist weiter möglich.

Kein Samstagsunterricht

Die Landesregierung macht sich nicht für Samstagsunterricht stark. Gymnasien könnten gut mit einer Fünf-Tage-Woche planen, betonte die Ministerin. Möglich sei Samstagsunterricht aber heute schon, Die Schulkonferenzen könnten sich dafür entscheiden. Kölns Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) hatte zuletzt eine Debatte über Samstagsunterricht angestoßen. Walsken glaubt, dass die Schulen damit Raumprobleme lösen können.

„Überspringen“ ist möglich

In das neunjährige Gymnasium soll eine „Überholspur“ eingebaut werden: Gute Schüler können nach der Erprobungsstufe zum Ende eines Halbjahres oder zum Ende eines Schuljahres eine Klasse überspringen. Die Gymnasien sollen dieses Überspringen möglichst fördern. Sogar ganze Schülergruppen könnten den Sprung in eine höhere Klasse schaffen.

Zweite Fremdsprache

Nun steht es fest: Der Start des Unterrichts in der zweiten Fremdsprache wird wieder auf die 7. Klasse verschoben. Das gilt auch in den anderen Schulen der Sekundarstufe 1, zum Beispiel in Gesamtschulen. Im Wahlpflichtunterricht (Klassen neun und zehn) sowie ab der Jahrgangsstufe 11 können Schüler an G9-Gymnasien künftig eine dritte Fremdsprache lernen.

Abitur

Am Ende des Gymnasiums steht auch künftig das Zentralabitur. NRW ist am zentralen Aufgabenpool der Länder beteiligt.

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