Migration

Asylanträge: Viele Türken bekommen Schutz in Deutschland

Die Zahl der asylsuchenden Türken ist deutlich gestiegen.

Die Zahl der asylsuchenden Türken ist deutlich gestiegen.

Essen.   Seit dem Putschversuch 2016 suchen immer mehr Türken Schutz in Deutschland. Die Anerkennungsquote ist gestiegen - etwa jeder Zweite erhielt Asyl.

Immer mehr Türken suchen in Deutschland Schutz vor politischer Verfolgung. Zugleich ist auch die Anerkennungsquote für türkische Asylsuchende erheblich gestiegen. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl führt die Entwicklung auf die schlechter werdende Menschenrechtslage in der Türkei zurück.

Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr nach Angaben des Landesflüchtlingsministeriums 3292 Asylsuchende aus der Türkei aufgenommen, das waren 57,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nur aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach NRW.

Bundesweit bearbeitete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zwischen Januar und November 2018 insgesamt 10.075 Asylanträge türkischer Staatsbürger. 40,3 Prozent dieser Anträge wurden positiv beschieden. Damit hatten Türken eine höhere Schutzquote als Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Irak oder dem Iran. Im November erhielt sogar jeder zweite Türke Asyl oder Flüchtlingsschutz.

Über 200.000 Menschen verhaftet

„Die hohe Anerkennungsquote für türkische Asylsuchende ist die logische Folge der permanenten Menschenrechtsverletzungen des Erdogan-Regimes. Die Türkei ist ein Land, das sich in rasanter Geschwindigkeit von einem Rechtsstaat entfernt“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt der NRZ.

Nach dem Putschversuch im Sommer 2016 geht die türkische Regierung hart gegen angebliche Staatsfeinde und Regierungskritiker vor. Über 200.000 Menschen wurden seitdem verhaftet, mehr als 140.000 aus dem Staatsdienst entlassen.

Putschversuch in der Türkei: Darum kommt das Land nicht zur Ruhe

Am 15. Juli 2016 begannen Teile des türkischen Militärs einen Putsch. Dieser wurde einen Tag später niedergeschlagen. Seitdem ist das Land in Aufruhr - das sind die Gründe.
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Angesichts des „Verfolgungsdrucks des Erdogan-Regimes“ sei die absolute Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei vergleichsweise niedrig, so Burkhardt weiter. Dies sei auch eine Folge des EU-Türkeiabkommens, das zu einer doppelten Überwachung der türkischen Grenze führe, auf der einen Seite durch die Türkei, auf der anderen Seite durch bulgarische oder griechische Grenzschützer.

Die Bochumer Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen forderte angesichts der Entwicklung Konsequenzen. „Die Bundesregierung handelt schlicht skrupellos, wenn sie das Erdogan-Regime mit Wirtschaftshilfen und Waffenlieferungen unterstützt, während gleichzeitig jeder Zweite, der vor Erdogan flieht, Schutz in Deutschland erhält“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei. Es müsse „Schluss sein mit der Hilfe der Bundesregierung für einen Fluchtverursacher.“

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