Interview

Björn Höcke bricht ZDF-Interview ab – Sender reagiert

Björn Höcke äußert sich zum Parteiausschlussverfahren

In einem kurzen Statement hat der Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD, Björn Höcke, die Entscheidung des Bundesvorstandes kritisiert, gegen ihn ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten

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Berlin.  Björn Höcke hat ein Interview mit dem ZDF abgebrochen. Der Vorfall sorgt für Wirbel. Er droht mit Konsequenzen - nun reagiert das ZDF.

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AfD-Mann Björn Höcke hat ein Interview mit dem ZDF abgebrochen und den Journalisten des Senders „massive Konsequenzen“ angedroht. In dem Gespräch mit dem thüringischen AfD-Vorsitzenden ging es um die Sprache des Politikers und um seine bundespolitische Bedeutung in der AfD. Politiker anderer Parteien äußerten sich schockiert über die Aussagen Höckes.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat das vorzeitig beendete Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke verteidigt. „Wir wollten keinen Eklat. Wir wollten einen Beitrag, der sich mit der Sprache der AfD, der Sprache von Björn Höcke auseinandersetzt“, sagte Frey am Montag im ZDF-„Mittagsmagazin“. „Wir wollten einen Beitrag zur Aufklärung leisten, keine Skandalisierung.“

Das ZDF betont, dass es laut der vorigen Absprache nicht um Thüringen, sondern um die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte. Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt, ausgestrahlt wurde es am Sonntagabend. Nur wenige Tage später fordert Hans-Georg Maaßen die Abschaffung von ARD und ZDF.

ZDF-Interview mit Björn Höcke – Das Wichtigste in Kürze

  • Das Politmagazin „Berlin direkt“ wollte ein Interview mit Björn Höcke führen
  • Im Gespräch geht es um Höckes Sprachgebrauch, bis sich der AfD-Sprecher einschaltet
  • Das ZDF reagierte auf die Vorwürfe
  • Der Sprecher monierte, Höcke sei mit Fragen konfrontiert worden, „die ihn stark emotionalisiert haben“
  • Der AfD-Sprecher verlangte, mit der Aufzeichnung neu zu beginnen
  • An dieser Frage entzündete sich eine minutenlange verbale Auseinandersetzung

Das ZDF hat das komplette Interview und den Wortlaut online gestellt.Frey hält die Veröffentlichung des vorzeitig beendeten Interviews für richtig: „Wir haben uns darüber wirklich intensiv Gedanken gemacht. Wie soll man damit umgehen?“, sagte er.

„Und ich glaube, die transparenteste Lösung, auch für unsere Zuschauer, ist einfach gewesen, dass wir die 12 Minuten, 14 Minuten nehmen, sie ungeschnitten, so wie die Szene eben abgelaufen ist in Erfurt am letzten Mittwoch, in die Mediathek stellen, so dass jeder sehen kann, was passiert ist.“

Das Magazin „Berlin direkt“ hatte Abgeordneten aus Höckes Partei Zitate vorgelesen und gefragt, ob sie aus Hitlers „Mein Kampf“ stammten oder von Björn Höcke. Darunter zum Beispiel der Satz: „Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen, dann werden die Schutthalden der Moderne beseitigt.“

Darauf antwortete der AfD-Politiker Jens Maier laut ZDF: „Wenn, eher aus „Mein Kampf“, würde ich sagen, aber nicht von Herrn Höcke.“ Auch andere Parteikollegen sind sich bei den Zitaten nicht sicher und antworten ausweichend.

Björn Höcke bricht Interview mit ZDF ab – AfD-Sprecher schaltet sich ein

Im Interview, das auf der Seite des ZDF bis zum Abbruch abrufbar ist, geht es in der Ausgabe von „Berlin direkt“ um die Sprache von Björn Höcke und darum, wie er sie einsetzt. Der Interviewer verweist auf Formulierungen wie „Keimzelle des Volkes“, „entartet“ oder „Volksverderber“. Höcke: „Das sind also insofern Zufälle, als dass sie nicht auf irgendeinen Zeitraum festzuzurren sind.“

Der ZDF-Journalist nennt noch andere Begriffe, die in der NS-Zeit verwendet wurden: Das gesamte Interview hat das ZDF aus Gründen der Transparenz auf seiner Website dokumentiert.

Schließlich will der ZDF-Journalist auf Höckes Demokratieverständis zu reden kommen. „Gerne“, sagt Höcke. Daraufhin meldete sich aus dem Off ein Sprecher der AfD: „Darf ich mal kurz unterbrechen?“

„Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben und diese Emotionen möchte … glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen. Man sollte es noch mal von vorne machen. Er weiß dann ungefähr, zu welchen Fragen er sich äußern muss. Und dann kann er in Ruhe“, so der Sprecher.

„Das ist nicht seriös“, meint Höcke. Er sei „gerne bereit, unbequeme Fragen zu beantworten, aber das geht so nicht“. Nachdem der ZDF-Journalist einen Abbruch des Interviews in Aussicht stellt, sagt Höcke: „Dann haben wir ein manifestes Problem und dann wird das entsprechende Konsequenzen haben. Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat – in der vertraulichen Zusammenarbeit zwischen Politiker und Journalist.“ Er habe das Gefühl, dass Journalisten insbesondere im Umgang mit AfD-Politikern nicht mehr neutral seien, sondern „irgendeinen politischen Auftrag“ hätten.

Höckes ZDF-Interview im Wortlaut

Es entwickelt sich eine Diskussion darum, ob das Interview weitergeführt wird oder nicht und wenn ja in welcher Form.

  • ZDF: (…) Jetzt können wir entscheiden, ob wir das Interview jetzt beenden oder wir‘s weiter an der Stelle führen.
  • Höcke: Passen Sie auf. Wir beenden das Interview, nur, dann ist klar … Wir wissen nicht, was kommt … Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.
  • ZDF: Ist das eine Drohung?
  • Höcke: Nein. Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin. Ich bin auch nur ein Mensch, verstehen Sie?
  • ZDF: Und was könnte kommen? Wenn Sie sagen, wir wissen nicht, was kommt.
  • Höcke: Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein.
  • ZDF: Gut, Herr Höcke.
  • Höcke: Dann machen wir das so. Alles klar. Dann wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg in Ihrer Karriere. Tschüss.
  • AfD-Sprecher (aus dem Off): Das Interview wird nicht verwendet. Oder?
  • ZDF: Natürlich wird das Interview verwendet.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann, sieht in Höckes Aussagen den Versuch, demokratische Institutionen verächtlich zu machen. Das Interview sei „entlarvend“.

Ähnlich äußerte sich auch SPD-Politiker Karl Lauterbach. Höcke bediene sich rhetorisch aus „Mein Kampf“ – der Programmschrift von Adolf Hitler.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, erklärte am Abend, es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinne „weichzuspülen“. „Björn Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im besonderen aufgeschlagen“, kritisierte Überall.

Björn Höcke bekommt Mahnmal vors Haus gesetzt
Björn Höcke bekommt Mahnmal vors Haus gesetzt

Der Terminvorschlag für das Interview habe aus Höckes Büro gestammt. Anlass des Interviews sei gewesen, dass „Berlin direkt“ sich Höcke porträthaft widmen wollte hinsichtlich seiner bundespolitische Bedeutung für die AfD und seiner Sprache. Die Redaktion habe sich entschieden, das Interview ungekürzt online zu stellen, um größtmögliche Transparenz herzustellen.

Björn Höcke in der AfD umstritten

Auch der AfD selbst sorgen die Aussagen von Björn Höcke immer wieder für große Diskussionen. Der Politiker sollte sogar von der Partei ausgeschlossen werden wegen seinen Äußerungen. Doch dazu kam es nicht. Dennoch zeigt sich die Partei gespalten, was die Rolle von Höcke angeht. So hatte Höcke einmal gesagt, dass Hitler nicht das absolut Böse gewesen sei.

Vor allem die Aussagen zum Holocaust-Mahnmal in Berlin hatten für Schlagzeilen und große Diskussionen In Deutschland gesorgt. Das „Zentrum für politische Schönheit“ sorgte anschließend für Aufsehen, weil es ein Mahnmal vor Höckes Haus errichtet hatte.

ZDF-Interview mit Björn Höcke in voller Länger

Das gesamt Interview des ZDF mit Björn Höcke finden Sie hier. (bekö/les/dpa)

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