Analyse

Bochumer Vergewaltigung: Polizei räumt Pannen ein

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) will verschärfte Regeln

Foto: Federico Gambarini

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) will verschärfte Regeln

Düsseldorf.   Die Polizei räumt weitere Versäumnisse im Fall der brutalen Vergewaltigung in Bochum ein. NRW-Innenminister Herbert Reul zieht Konsequenzen.

Im Fall der brutalen Bochumer Vergewaltigung durch einen aktenkundigen Sexualstraftäter hat die Polizei weitere Versäumnisse eingeräumt. Das erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gegenüber der WAZ mit Verweis auf eine 26-seitige, selbstkritische Fehleranalyse der Bochumer Behörde.

Demnach wurde der 30-jährige Tatverdächtige, der einschlägig vorbestraft ist und am Landespräventionsprogramm „KURS“ („Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“) teilnahm, nicht vorschriftsgemäß betreut.

Gespräche auf dem Präsidium

Bei regelmäßigen Gefährderansprachen habe man sich nicht an die Dienstanweisung gehalten, vor Ort einen Überblick über das soziale Umfeld und die aktuelle Lebenssituation des vorbestraften Triebtäters zu gewinnen. Stattdessen seien die Gespräche meist auf dem Präsidium oder nur am Telefon erfolgt. Zudem hätte auch die Lebensgefährtin des KURS-Teilnehmers kontaktiert werden müssen, so der Innenminister.

Am 18. Februar hatte der Mann nach bisherigen Ermittlungen in den frühen Morgenstunden am Bochumer Blumenfriedhof eine 33-jährige Frau auf dem Heimweg von einer Disco-Nacht kennengelernt, dann bewusstlos geschlagen und vergewaltigt.

Tatverdächtiger wurde festgenommen

Mit Hilfe eines Taxifahrers und eines Wirts aus der Amüsiermeile „Bermuda-Dreieck“ wurde der Tatverdächtige vier Tage später festgenommen. Die Bochumer Polizei verschwieg das Verbrechen zunächst der Öffentlichkeit. Die Geheimhaltung wurde mit dem Schutz des schwer mitgenommenen Opfers begründet. Dies hatte die Polizei bereits als Fehler eingestanden.

Reul hat als Lehre aus dem Bochumer Fall nach WAZ-Informationen angeordnet, sowohl die Transparenzregeln als auch die Vorgaben für die Fallbearbeitung in dem Präventionsprogramm zu verschärfen. „Die schreckliche Tat von Bochum hat uns vor Augen geführt, dass es bei dem KURS-Konzept Verbesserungsbedarf gibt“, sagte der Minister.

1056 Straftäter im KURS-Programm

Seit 2010 stehen rückfallgefährdete Sexualstraftäter, die ihre Gefängnisstrafe oder Sicherungsverwahrung abgesessen haben, unter Aufsicht von Polizei und Justiz. Zurzeit gibt es 1056 Straftäter im KURS-Programm. Der mutmaßliche Bochumer Täter gehörte zur Kategorie B „mit hohem Gefahrenpotenzial“. Nach der Entlassung 2014 sei seine Sozialprognose gut gewesen: Er habe Arbeit gefunden, an Therapien teilgenommen und Hochzeitspläne gehabt.

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