Energiekrise

Bundesnetzagentur warnt: Gasvorräte reichen nur zwei Monate

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Bundesnetzagentur befüchtet Totalausfall von Gaslieferungen aus Russland

Bundesnetzagentur befüchtet Totalausfall von Gaslieferungen aus Russland

Die Bundesnetzagentur fürchtet einen Totalausfall der russischen Gaslieferungen und ruft zu größeren Anstrengungen beim Energiesparen auf. OF DIFFERENT TYPES OF ENERGY IN THE EU

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Berlin.  Die Gas-Speicher sind noch nicht ausreichend gefüllt. Hunderttausende Thermen könnten plötzlich ausfallen, warnt die Bundesnetzagentur.

  • Der Krieg in der Ukraine erhöht den Druck auf Deutschland, weil immer weniger Gas aus Russland geliefert wird
  • Deutschland droht eine ernsthafte Versorgungskrise, weil die Vorräte sich dem Ende entgegen neigen könnten
  • Auch Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck äußert große Bedenken

Deutschland würde mit seinen momentanen Gasreserven nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht weit kommen. „Sollten wir kein russisches Gas mehr bekommen und einen durchschnittlich warmen Winter erleben, dann reichen die im Moment eingespeicherten Mengen – einschließlich unserer Verpflichtungen, Gas in andere europäische Länder weiterzuleiten – für vielleicht ein bis zwei Monate“, sagte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller unserer Redaktion.

Allerdings basierten solche Zahlen auf vielen Unsicherheiten, fügte er hinzu. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu etwas mehr als 60 Prozent gefüllt.

Gas: Folgen einer ungleichen Gasverteilung wären drastisch

Zuvor hatte Müller vor einen Totalausfall russischer Gaslieferungen gewarnt. Als kritisch wird derzeit vor allem die Wartung der Ostseepipeline Nord Stream 1 angesehen, die planmäßig am 11. Juli beginnt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach auf einer Veranstaltung der „Zeit“ von einem „Muster“:

  • Die Gasmenge sei immer wieder reduziert worden, zuletzt um 60 Prozent in Nord Stream 1.
  • Darauf folge logischerweise die nächste Reduktion.

„Niemand, der bei Sinn und Verstand ist“, würde es für ausgeschlossen halten, dass es zu einem Lieferstopp kommt, sagte Habeck, der erst kürzlich die zweite Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen hatte.

Welche drastischen Folgen ein Lieferstopp haben könnte, skizzierte Netzagentur-Chef Müller: „In dem Moment, in dem der Druck im Gasnetz in einer Region unter ein gewisses Mindestmaß fallen würde, würde auf einen Schlag in Hunderttausenden Gasthermen die Sicherung einspringen.“

Diese müssten händisch von geschulten Fachkräften wieder freigeschaltet werden, wenn wieder genug Gas verfügbar wäre – das würde dann aber „sehr lange dauern“. Um ein solches Szenario zu verhindern, müsse man notfalls Reduzierungen beim industriellen Verbrauch anordnen.

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Netzagentur-Chef Müller mahnt zur Einhaltung europäischer Verpflichtungen

Zuvor hatte bereits Industriepräsident Siegfried Russwurm vor einem unkon­trollierten Ausfall der Gasversorgung gewarnt. Es gebe keine Erfahrungswerte, wie das Gasnetz reagiere, wenn massiv aus dem Norden und dem Westen statt aus dem Osten eingespeist werde. Er sei sich nicht sicher, wie viel Gas dann noch im Süden ankomme.

Netzagentur-Chef Müller verwies darauf, dass daher derzeit der Fokus beim Befüllen auch auf Speichern in Bayern, etwa in Wolfersberg, liege.

Selbst im Falle größerer Engpässe müsse Deutschland seine europäischen Verpflichtungen einhalten, mahnte Müller. „In einer Gasnotlage wäre Deutschland verpflichtet, seine Nachbarn etwa in Frankreich, Österreich, Polen und Tschechien zu unterstützen. Dazu haben wir europäische Solidaritätsverpflichtungen unterschrieben“, sagte er.

„Umgekehrt gilt das aber auch: Wenn wir in Deutschland zu wenig Gas haben sollten, um unsere geschützten Kunden zu versorgen, können wir auf die Solidarität unserer Nachbarn bauen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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