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Greta bei „Anne Will“: Kubicki ermüdet mit alten Argumenten

Greta Thunberg im Interview: Das würde sie Angela Merkel sagen
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Berlin  Was treibt Greta Thunberg an? Bei „Anne Will“ konnte man davon am Sonntag einen Eindruck gewinnen. Auch die Kritiker waren nicht weit.

Was treibt Greta Thunberg an? Bei „Anne Will“ konnte man am Sonntagabend zumindest einen Eindruck davon bekommen. Zwar war die 16-Jährige Begründerin der „Fridays for Future“-Bewegung nicht selbst in der Diskussion anwesend, doch hatte sie der Gastgeberin vorab ein Interview gegeben.

Wer sich fragte, wie eine Schülerin aus Schweden zur Ikone des globalen Klimaschutzes werden konnte, erhielt hier die Antwort: Mit einer ruhigen, aber überzeugenden Art warb Thunberg für ihre Sache. Den Eindruck konnten wir auch selbst bekommen:

. Zuvor war sie im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung vor dem Brandenburger Tor aufgetreten.

Das waren die Gäste bei Anne Will zu Greta Thunbergs Klimakampf

• Harald Lesch (Astrophysiker, Wissenschaftsmoderator und Autor)

• Wolfgang Kubicki (FDP)

• Therese Kah ("Fridays for Future"-Aktivistin)

• Anne Will (Moderatorin)

• Reiner Haseloff (CDU)

• Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Greta Thunberg bei Anne Will: Motive sind auch persönlich

„Ich bin Realistin, ich sehe die Fakten“, erklärte Thunberg zunächst ihren Antrieb bei „Anne Will“. Die wissenschaftlichen Daten zur Klimakrise seien eindeutig, dennoch werde nicht gehandelt. Das sei der Auslöser dafür gewesen, zunächst alleine vor dem schwedischen Parlament zu streiken, sagte Thunberg. Dabei räumte sie auch den persönlichen Faktor ein: Dass ihr die Bewegung einen Sinn gebe, der vielen heute fehle. Vorwürfe, wonach sie manipuliert sei, nannte sie absurd. „Ich schreibe meine eigenen Reden.“

ARD-Talkshow: Wie radikal ist Greta Thunberg?

Ist Thunberg also doch recht moderat? Zwischendurch klang sie im Gegenteil sehr radikal. „Ich sehe Dinge sehr schwarz-weiß“, räumte sie ein. Mit sich selbst will sie keine Kompromisse eingehen, das Fliegen hat sie beispielsweise eingestellt. „Entweder man lebt nachhaltig, oder man tut es nicht. Man kann nicht ein wenig nachhaltig sein.“ Eine harte, eine kritische Aussage: Müssen also alle so sein wie sie und maximal verzichten? „Nein, natürlich nicht“, schränkte Thunberg ein. Vielmehr wolle sie die Menschen informieren, damit sie selbst auf guter Grundlage entscheiden könnten.

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Die unangenehme Atomkraft-Frage

Diese Kurve bekam Thunberg also noch mal. Wirklich kritisch aber bleibt für sie und die Bewegung die Frage der Atomkraft. „Ich bin persönlich nicht dafür“, sagte Thunberg. Allerdings ist Atomenergie CO2-technisch sauber, der Weltklimarat hält sie im kleinen Maßstab als Übergangslösung. Das unterstützt Thunberg, allerdings ohne großen Nachdruck. Kein Wunder, so recht will die Atomkraft nicht in den Ansatz der Bewegung passen.

Ermüdende Argumente der Skeptiker

Nachdem Thunberg sich derart präsentiert hatte, durften in der Runde auch ihre Skeptiker ran. „Das ist kein Streik, sondern Schulschwänzen“, sagte etwa der FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Ein ermüdendes Argument: Den Schülern geht es um nichts Geringeres als die Zukunft der Menschheit – und die Politik hebt in der Hauptsache den Finger wegen der Fehltage.

Ähnlich wie Kubicki argumentierte auch Rainer Haseloff. Eigentlich sei es doch besser, wenn die Schüler fleißig lernten – und sich dann hinterher in die Gesellschaft aktiv einbringen zu können, monierte der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. „Es geht nicht darum, was in 15 Jahren ist“, antwortete da die junge Klimaaktivistin Therese Kah. Bis die Schüler so weit seien, Einfluss zu nehmen, sei es längst zu spät.GOLDENE KAMERA 2019- Greta Thunberg erhält den Sonderpreis in der Kategorie Klimaschutz

Die richtige Analyse

Als Haseloff dann auch noch damit anfing, einen Zusammenhang zwischen guten AfD-Ergebnissen und dem Kohleausstieg herzustellen, platzte Robert Habeck zum Glück der Kragen. Zunächst habe es geheißen, die Flüchtlinge seien daran Schuld, sagte der Chef der Grünen. Jetzt werde damit gegen den Klimaschutz argumentiert. „Irgendwann ist der Punkt gekommen, wo politische Führung auch gegen Widerstände vor Ort sein muss“, sagte Habeck an Haseloff gewandt.

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Das Fazit

Von dieser Runde konnte man einiges lernen. Erstens, was Greta Thunberg betrifft. Und auch, wie schwach die Argumente gegen das grundsätzliche Anliegen der „Fridays for Future“-Bewegung sind.

Übrigens, für einen entscheidenden Menschen hält sich Thunberg nicht. Der Rummel um sie werde bald wieder vorbei sein, sagte sie. Entscheidend sei, dass sich dadurch etwas ändere. Das könne eine Person alleine nicht erreichen. „Wir müssen zusammenarbeiten, um das zu erreichen.“

Kolumne „Single Mom“:

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