Antisemitismus

„Judenstern“ und „Davidstern“: Das ist der Unterschied

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Eine Kippa mit gesticktem Davidstern trägt ein Mann bei einer Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt.

Eine Kippa mit gesticktem Davidstern trägt ein Mann bei einer Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt.

Foto: artin Schutt / dpa

Berlin.  Beleidigung gegen Musiker Gil Ofarim, weil er eine Halskette mit Davidstern trägt. Manche sprechen vom „Judenstern“ - das ist fatal.

Die Geschichte, die der Musiker Gil Ofarim in einem Video auf Instagram erzählt, schockiert: Der junge Künstler sei in dem Leipziger Hotel Westin antisemitisch beleidigt und ausgegrenzt worden. Zwei Mitarbeiter des Hotels hätten ihm gesagt, er solle „den Stern einpacken“ – erst dann werde er bedient. Wie so oft trägt Ofarim an diesem Abend eine Halskette mit dem Davidstern.

Der Fall sorgt für Aufsehen, das Hotel hat die zwei Mitarbeiter nach eigenen Angaben beurlaubt. Am Abend demonstrieren Hunderte Menschen in Leipzig vor dem Westin, zeigen sich solidarisch mit Ofarim, Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim. Eine Entschuldigung sei bisher nicht erfolgt, gibt Gil Ofarim nach dem Vorfall bekannt.

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Auch in den sozialen Netzwerken und in den Medien ist der Vorfall Thema. Fatalerweise schreiben und sprechen manche nicht vom Davidstern – sondern vom „Judenstern“. Das ist nicht dasselbe – im Gegenteil: Der Unterschied ist gravierend, fehlerhafte Verwendung kann bittere Folgen haben und selbst antisemitisch gedeutet werden.

Was ist der „Judenstern“?

„Judenstern“ ist ein Begriff, den die Nationalsozialisten im sogenannten „Dritten Reich“ selbst eingeführt haben, um Menschen jüdischen Glaubens zu stigmatisieren und zu verfolgen. Ab Spätsommer 1941 machten die Nazis für Jüdinnen und Juden in Deutschland per „Polizeiverordnung“ zur Pflicht, einen „Stern“ zu tragen, gelb mit schwarzer Aufschrift „Jude“.

Schon in den Jahren davor hatten die Nazi-Ideologen eine „Kennzeichnung“ von Jüdinnen und Juden vorbereitet, in den von den Deutschen besetzten Gebieten war dies bereits zuvor schon eingeführt worden, schreibt das Jüdische Museum in Berlin auf seiner Webseite, und erklärt: „Der Stern musste gut sichtbar auf der linken Brust­seite der Kleidung getragen werden. Die Gestapo zwang die jüdische Gemeinde, die Sterne zu verkaufen – 10 Pfennig kostete das Stück. Viele der erhaltenen Sterne zeigen noch Gebrauchs­spuren.“

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Die Folgen der Ausgrenzung durch den „Judenstern“: Menschen wurden im Alltag auf der Straße angegriffen, angepöbelt. Am Ende war der „Judenstern“ vor allem Symbol der antisemitischen Verfolgung und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden durch den deutschen Terror-Staat. 1941, das Jahr der Einführung des „Judensterns“, ist auch der Zeitraum, in dem die Massendeportationen in die Vernichtungslager an Fahrt aufnehmen.

Dabei griff der NS-Staat auf antisemitische Narrative der Vergangenheit zurück. Schon im Mittelalter waren Menschen jüdischen Glaubens fast überall im christlich geprägten Europa dem Zwang ausgesetzt, einen Stern oder ein anderes Symbol zu tragen, das sie stigmatisiert.

Was ist der Davidstern?

Der von den Nationalsozialisten eingeführte „Judenstern“ ist an den Davidstern angelehnt. Das Symbol steht heute weltweit für das Judentum und schmückt die Flagge des Staates Israel. Der Davidstern besteht aus einem Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichschenklige Dreiecke gebildet wird.

In der Geschichte der Religionen findet sich das Symbol bei Juden, Muslimen und Christen. Laut Berichten über historische Funde soll eine Synagoge den Davidstern zum ersten Mal bereits im Jahr 1280 gezeigt haben. Dabei kommt das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im 7. Jahrhundert vor Christus vor.

Nach Angaben des Zentralrats der Juden in Deutschland wurde der Davidstern Ende des 19. Jahrhundert von der zionistischen Bewegung als Zeichen aufgenommen. Bei der Gründung des israelischen Staates 1948 fand der Stern dann den Weg in die Staatsflagge.

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