Tötungsdelikt

Der Fall Lübcke – Was wir bisher wissen und was nicht

Walter Lübcke (CDU), Regierungspräsident von Kassel, ist erschossen worden.

Walter Lübcke (CDU), Regierungspräsident von Kassel, ist erschossen worden.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Berlin  Walter Lübcke wurde aus nächster Nähe erschossen, eine Tatwaffe wurde nicht gefunden. Manches ist in dem Fall bekannt, vieles nicht.

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Der Regierungspräsident von Kassel, Walter Lübcke, ist erschossen worden. Während der Todeszeitpunkt eindeutig festgestellt wurde, sind einige Umstände des Tötungsdeliktes noch nicht endgültig geklärt.

Was wir bisher über den Fall Walter Lübcke wissen:

Der Tatort

Um 0.30 Uhr in der Nacht zum Sonntag, dem 2. Juni 2019, soll ein Angehöriger den schwer verletzten Regierungspräsidenten Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses im 900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha entdeckt haben. Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. In der Klinik stellten die Ärzte um 2.35 Uhr den Tod fest.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, bemerkte ein Ermittler, dass am Tatort „Manipulationen“ vorgenommen worden seien. Nach Informationen des „Spiegel“ soll ein Sanitäter die Stelle verändert haben, an der Walter Lübcke gefunden wurde.

Bei dem Sanitäter soll es sich um einen Bekannten des Opfers handeln. In dem Bericht heißt es, dass der Mann möglicherweise einige Bereiche säuberte, um Angehörigen den schrecklichen Anblick zu ersparen. Die Behörden äußerten sich bislang nicht zu diesem Verdacht. Jedoch sei ein Mann zu dem Fall befragt worden. Im Lübcke hieß es deshalb: Polizei fasste wohl Sanitäter auf Nordsee-Fähre.

Eine Waffe sei nicht entdeckt worden, heißt es weiter. In einer Pressekonferenz teilten Behördenvertreter mit, einige Details des Falles aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben zu können.

Die Todesursache

Nach Angaben des leitenden Oberstaatsanwalts Horst Streiff starb Lübcke an den Folgen eines Kopfschusses. Das habe die Obduktion ergeben.

Die Tatwaffe sei ersten Erkenntnissen zufolge aus nächster Nähe abgefeuert worden. Der Schuss soll aus einer Kurzwaffe abgegeben worden sein – dazu zählen beispielsweise Pistolen oder Revolver. Ein Suizid wurde ausgeschlossen.

Das Tatmotiv

Ist noch völlig unklar. Die 20-köpfige Sonderkommission „Liemecke“ ermittelt „in alle Richtungen“, wie es heißt, geht aber von einem Verbrechen aus. Weder eine Tötung im Affekt noch ein Attentat wollten die Ermittler als mögliches Motiv ausschließen.

In ihren Fokus dürften aber auch Drohungen rücken, die Lübcke 2015 nach seinen Äußerungen in der Flüchtlingspolitik erhalten hatte. Er hatte um Unterstützung für Flüchtlinge gebeten und dabei christliche Werte wie Nächstenliebe betont.

„Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen“, sagte Lübcke damals. Der CDU-Politiker bekam Drohungen, erstattete Anzeige.

Nach Angaben des LKA gibt es derzeit allerdings keine Hinweise darauf, dass die Drohungen von damals in einem Zusammenhang mit dem tödlichen Verbrechen gegen Lübcke an diesem Wochenende stehen.

Es habe keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdungslage für ihn gegeben, sagte LKA-Chefin Thurau. Grundsätzlich galt der Regierungspräsident als beliebt. Er wäre im Herbst in den Ruhestand gegangen.

Die Familie

Wo sich die Familie von Walter Lübcke befindet, ist unklar. Dass die Familie in solchen Fällen betreut werde, man eine Gefährdung für sie analysiere und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Familie einleite, sei gängige Praxis, hatte LKA-Leiterin Thurau erklärt. Das sei auch in diesem Fall geschehen.

Lübcke hat eine Frau und zwei erwachsene Söhne hinterlassen.

Die Reaktionen

Die hessische Landesregierung äußerte sich entsetzt. Hessens Europastaatssekretär Mark Weinmeister (CDU) habe mit den Angehörigen telefoniert. „Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen Tod unseres Freundes Walter Lübcke“, erklärten der CDU-Landesvorsitzende, Ministerpräsident Volker Bouffier, und der hessische CDU–Fraktionsvorsitzende Michael Bodenberg.

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Drohungen und Attacken:

In der CDU-Erklärung heißt es, als Regierungspräsident habe Lübcke „nie das klare Wort“ gescheut. „Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte.“ In diesen schweren Stunden seien die Gedanken und Gebete vor allem bei Lübckes Frau, den beiden Söhnen und dem im vergangenen Jahr geborenen Enkelsohn, erklärten Bouffier und Boddenberg.

„Als Walter Lübcke vor knapp zwei Wochen sein zehnjähriges Dienstjubiläum feierte, verwies er noch auf seinen auf Monate hinaus übervollen Terminkalender“, teilte die CDU aus Hessen mit.

Zur Person

Walter Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete er nach Angaben seiner Partei in der Pressestelle der Kunstausstellung documenta 7. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kassel schloss er 1991 mit einer Promotion ab. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag. (dpa/ac)

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