Umwelt

Sturm, Borkenkäfer, Dürre: Der NRW-Wald ist dramatisch krank

Der Borkenkäfer bereitet Waldbesitzern in NRW große Sorgen.

Der Borkenkäfer bereitet Waldbesitzern in NRW große Sorgen.

Düsseldorf.   In diesem Jahr haben der Frühjahrssturm Friederike, die extreme Dürre und der Borkenkäfer den Bäumen massiv zugesetzt. Die Schäden sind enorm.

Die Wälder in NRW sind nach den Sturm „Friederike“ im Frühjahr, nach monatelanger extremer Dürre und einer anhaltenden Borkenkäferplage in einem „sehr Besorgnis erregenden Zustand“. Dass die Warnung von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Mittwoch so drastisch ausfiel, liegt an den Ergebnissen des neuen Waldzustandsberichts – schlechter waren sie seit Beginn der jährlichen Untersuchungen vor mehr als 30 Jahren nie. 39 Prozent der Bäume sind demnach schwer beschädigt, 2017 waren es 25 Prozent.

Eichen und Buchen sind die großen Verlierer

Besonders schlimm trifft es Eichen und Buchen. Jede zweite Krone dieser Laubbäume weist starke Blattverluste auf. Insgesamt haben nur 22 Prozent der Bäume die vergangenen Monate ohne Schäden in den Kronen überstanden. Wahrscheinlich sind die Probleme noch viel größer als im Bericht beschrieben. Denn die Untersuchungen der Kronen endeten im Spätsommer, die Trockenheit hält aber bis heute an. Und der volle Umfang des Borkenkäferschadens ist noch nicht ermittelt. Die Behörden gehen davon aus, dass die Borkenkäfer die Wälder seit Jahrzehnten nicht mehr so heimgesucht haben wie 2018.

Der Förster und Chef der Waldinventur, Lutz Falkenried, schilderte im Landtag eindringlich, was die wärmsten, sonnigsten und niederschlagsärmsten Monate seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen im Jahr 1881 in den Wäldern angerichtet haben: „Junge Eichen, die nicht tief im Boden verwurzelt waren, sind vertrocknet. Viele Buchen haben schon Ende August ihre Blätter abgeworfen. Fichten, die flach wurzeln, hatten besonders großen Stress.“ Selbst die widerstandsfähigeren Kiefern konnten der Dürre nicht viel entgegensetzen. Und praktisch alle Bäume haben besonders viele Früchte wie Zapfen, Eckern und Eicheln hervorgebracht – eine zusätzliche Belastung für die Pflanzen. Einige Tiere fühlten sich wie im Schlaraffenland: „Eichelhäher und Mäuse haben sich darin gewälzt wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher“, sagte Falkenried. Die Bäume hätten nichts davon.

Land setzt auf widerstandsfähigere Mischwälder

Das Umweltministerium will im Dezember ein neues Waldbaukonzept vorlegen. Langfristig strebt das Land Mischwälder aus heimischen und anderen, widerstandsfähigen Arten wie Roteiche, Douglasie und Riesentanne an. Kurzfristig müsse Totholz und von Insekten befallene Rinde aus dem Wald geholt werden, um der Käferplage Herr zu werden. Sollte der Winter kalt und trocken werden, könnten die Borkenkäfer sich noch weiter vermehren. Ein warmer und feuchter Winter wäre hingegen schlecht für diese Tiere: Wärme zehrt die Energie der in der Winterstarre steckenden Käfer auf und Pilze setzen ihnen zu.

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