Studium

Experten kritisieren Studiengebühren für Ausländer

Das Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) lehnt die in NRW geplanten Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern ab.

Das Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) lehnt die in NRW geplanten Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern ab.

Foto: dpa

Essen/Düsseldorf.   Die NRW-Landesregierung will von Studenten aus Ländern außerhalb der EU 3000 Euro im Jahr verlangen. Experten kritisieren: Das Modell bringt Unis kaum Vorteile.

Obwohl die Experten des eher im konservativen Spektrum beheimateten Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh bislang nicht als Gegner von Studiengebühren aufgefallen sind, lehnen sie das in NRW geplante Modell strikt ab. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe sich dafür das falsche Vorbild ausgewählt: Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das seit dem Wintersemester 2017/18 von Studenten aus Nicht-EU-Ländern 1500 Euro pro Semester verlangt. Nordrhein-Westfalen will diesem Beispiel folgen und dadurch geschätzt 100 Millionen Euro pro Jahr einnehmen. Von der „Ausländer-Gebühr“ wären in NRW etwa 44.000 Studierende betroffen.

Finanzieller Ertrag der Gebühr ist überschaubar

Nach der Einführung der Gebühr sackte die Zahl ausländischer Studenten in Baden-Württemberg um knapp 22 Prozent ab. Die grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer beunruhigt das offenbar nicht. Die Zahlen liegen im erwarteten Bereich, sagte sie. Das CHE kritisiert indes „wesentliche Konstruktionsfehler“ des baden-württembergischen Modells und warnte die NRW-Landesregierung bei der gestrigen Sitzung des Wissenschafts-Ausschusses erneut vor einer Kopie.

Der finanzielle Ertrag der Gebühr sei „äußerst überschaubar“, bilanzierte Ulrich Müller vom CHE. „80 Prozent der Einnahmen verschwinden im Landeshaushalt. Die Hochschulen tragen dagegen die Verwaltungskosten.“ Zudem erhielten die Studenten für ihr Geld keine ausreichenden Gegenleistungen. Ein Bezug zwischen den Zahlungen und dem Nutzen ließe sich nicht erkennen.

Studierende werden abgeschreckt

Außerdem schrecke das Modell Studierende ab, weil mit den Gebühren keine Darlehen oder die Möglichkeit einer späteren Zahlung verbunden seien. „Sofortzahlung ist Pflicht“, kritisiert das CHE. Nach Schätzungen der Experten würden in NRW nach Abzug aller Ausnahmeregelungen nur etwa fünf Prozent aller Studierenden für diese Gebühr infrage kommen. „Studiengebühren nur von einer solch kleinen Teilgruppe der Studierenden zu erheben, bedeutet viel Aufwand für wenig Ertrag“, so Müller. Kurz: „Es fehlt ein überzeugendes Gesamtkonzept.“

Auch die Rektoren von Fachhochschulen und Universitäten äußerten sich skeptisch über Gebühren für ausländische Studierende. Eine Debatte über sozialverträgliche Gebührenmodelle, die womöglich „nachgelagert“ – also erst nach dem Hochschulabschluss – fällig werden, wollen sie indes nicht abwürgen. Gemeinsam aber erneuerten alle anwesenden Experten die Forderung an das Land, die Grundfinanzierung der Hochschulen zu verbessern.

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