Termin-Stau

Fachkräftemangel: Kunden müssen lange auf Handwerker warten

Das Handwerk meldet Termin-Stau, Kunden müssen sich auf lange Wartezeiten einrichten.

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Das Handwerk meldet Termin-Stau, Kunden müssen sich auf lange Wartezeiten einrichten. Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.  Volle Auftragsbücher und Preisanstieg im Baugewerbe sorgen für verärgerte Kunden. Den Betrieben fehlt der Nachwuchs.

Wer sich in NRW einen Handwerker ins Haus holen möchte, muss mit langen Wartezeiten rechnen – und mit steigenden Preisen. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, für 2017 wird wieder mit einem Umsatzplus gerechnet, der Geschäftsklimaindex als Stimmungsbarometer der Betriebe im Regierungsbezirk Düsseldorf ist so hoch wie nie zuvor.

„Die Auftragsreichweite im Bauhauptgewerbe liegt bei 8,6 Wochen“, sagt Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. „Wenn morgen nichts mehr käme, hätten die Betriebe also noch so lange zu tun.“ Ein Grund für den Termin-Stau sei der Fachkräftemangel, der Nachwuchs wird knapp. Die Zahl der Auszubildenden im Handwerk sei zwar gestiegen, allerdings nur um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zahl der Betriebe im Baubereich nimmt immer weiter ab

Deutlicher steigt der Umsatz der Unternehmen: 3,5 Prozent im vergangenen Jahr, nach derzeitigen Erwartungen noch mal um 2,5 Prozent in 2017. Das sei beispielsweise auf Investitionen in die kommunale Infrastruktur zurückzuführen, sagt Ehlert. Aber auch auf höhere Preise für Privatkunden. „Grundsätzlich gelingt es, am Markt höhere Preise durchzusetzen.“ Die Steigerungen seien moderat, aber aus Sicht der Unternehmen durchaus positiv zu bewerten. Besonders im Ausbau und der technisch modernen Ausstattung von Häusern müssen Kunden mehr bezahlen.

Und die Preise könnten weiter anziehen. Denn während die Nachfrage steigt, „nimmt die Zahl der Betriebe gerade im Baubereich immer weiter ab“, sagt Karl Brenke, Konjunkturreferent beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Dieses Problem gibt es auch an Rhein und Ruhr. Etwa 9000 bis 9500 Unternehmer im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf haben das 60. Lebensjahr überschritten. „Dass die Handwerker, die am Markt sind, ihr Geschäft schließen, liegt daran, dass häufig keine Nachfolger oder Übernehmer da sind“, erklärt Achim Zirwes, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kleve.

Die derzeitige Auslastung von Betrieben im Bereich von Heizung, Sanitär, Elektroinstallation oder von Tischlereien sei „ein zweischneidiges Schwert“, sagt Zirwes. „Wie lange hält das an? Wenn man Kunden abweist, weil keine Kapazität mehr da ist, macht man sich keine Freunde.“ Ob sie beim nächsten möglichen Auftrag wieder den Handwerker anrufen, der sie zuvor abgewiesen hatte, sei fraglich. „Man will es sich mit seiner Kundschaft nicht verderben.“

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