Soziales

Frauenhäuser beklagen Platznot

Frauenhäuser in NRW sind oftmals überbelegt, klagen Verbände.

Foto: dpa Picture-Alliance / Maja Hitij

Frauenhäuser in NRW sind oftmals überbelegt, klagen Verbände. Foto: dpa Picture-Alliance / Maja Hitij

Düsseldorf.   Interessensverband hält Problem besonders im Ruhrgebiet für groß. Kritik gibt es an der NRW-Landesregierung.

Die Frauenhäuser in NRW schlagen Alarm: Viele Frauen finden in ihren Einrichtungen keinen Schutz vor Gewalt. Aus Platzmangel. „Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, reichen bei weitem nicht aus, den Bedarf zu decken“, sagte Claudia Fritsche von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Auto­nomer Frauenhäuser dieser Zeitung. Besonders in Ruhrgebietsstädten wie Essen, Duisburg oder Dortmund sei das Problem groß. „Dort ist so gut wie nie ein Platz frei“, so Fritsche. In NRW gibt es 62 Frauenhäuser mit rund 560 Plätzen.

Auch die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros appelliert an das Land, die Frauenhäuser stärker zu unterstützen, weil der Hilfebedarf immer größer werde. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Hunderte Frauen, die Schutz suchen, keine Aufnahme in Frauenhäusern finden“, heißt es in einer Stellungnahme an den Landtag. Es komme vor, dass in einer Stunde sieben Frauen um einen freien Platz konkurrierten. Die Landesregierung hat für 2018 angekündigt, die Fördermittel zu erhöhen. 500 000 Euro mehr als noch 2017 möchte das Land demnach zahlen. Die Landeshilfen betragen dann 9 970 500 Euro. Damit zeige die Regierung, dass sie die Kritik an der zu geringen Platzzahl in Frauenhäusern ernst nehme, lobt die LAG der Autonomen Frauenhäuser. Angesichts der Unterversorgung sei diese zusätzliche Finanzierung aber nicht ausreichend.

Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) reagierte zurückhaltend auf die Kritik der Frauenhäuser. „Nach den bisher konstruktiven Treffen empfinde ich diese Haltung als eher belastend für die weiteren Gespräche“, sagte sie dieser Zeitung. Die Frauenhäuser fordern von der Landesregierung, so viele Mittel zur Verfügung zu stellen, dass alle Schutz suchenden Frauen Unterstützung bekommen können.

Nach Empfehlungen des Europarats müssten Frauenhäuser einen Familienplatz pro 10 000 Einwohner bereitstellen. „Es gibt in NRW aktuell aber nur einen Platz pro 15 000 Einwohner“, erklärte Fritsche. Ein Familienplatz sieht die Aufnahme einer Frau und ihrer Kinder vor. „NRW unterschreitet das erforderliche Angebot in skandalösem Maße“, kritisieren die Autonomen Frauenhäuser.

Problematisch sei auch die Ausstattung der Häuser. Viele stammten noch aus den Gründungszeiten der Einrichtungen. Familien unterschiedlicher Kulturen und Sprachen teilen sich dort eine Küche, ein Bad. Die Digitalisierung mache zudem ei­ne bessere technische Ausstattung nötig. Aufgrund der Möglichkeiten, die moderne Medien bieten, sei die Anonymität der Frauenhäuser heute schwerer zu schützen. Daher müsse zusätzlich in Schutztüren oder Kameras investiert werden.

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