Gewalttäter

NRW-Minister setzt auf Führerschein-Entzug für Fußballrowdys

Die Polizei greift gegen Fußball-Rowdys bisweilen hart durch. Politiker diskutieren derweil neue Formen der Strafen.

Foto: imago

Die Polizei greift gegen Fußball-Rowdys bisweilen hart durch. Politiker diskutieren derweil neue Formen der Strafen. Foto: imago

Ruhrgebiet.   Die Politik will verstärkt den Entzug des Führerscheins als Mittel gegen Fußball-Rowdys einsetzen. Proteste dagegen gibt es von Fanprojekten.

Fußballrowdys müssen damit rechnen, demnächst zum Idiotentest geschickt oder mit Fahrverbot bestraft zu werden. „Es tut im Alltag weh, das Auto nicht benutzen zu können. Deshalb werden wir bei der Innenministerkonferenz über diese Sanktionsmöglichkeit nachdenken“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) der WAZ. Die Konferenz aller deutschen Länder-Innenminister beginnt am Donnerstag nächster Woche in Leipzig.

Zuvor hatte schon Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) gesagt, Fans, die regelmäßig auffielen, „sollten bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung vorstellig werden, statt unsere Fußballstadien zu Kampfarenen zu machen“. Diese MPU kann mit Führerscheinentzug enden. Und sein bayerischer Kollege Joachim Herrmann (CSU) hatte zum Fahrverbot geäußert: „In Bayern haben wir diese Vorgehensweise bereits der Justiz ans Herz gelegt.“

„Das macht mir als Sozialarbeiter Gänsehaut“

Vor wenigen Wochen war es der Stadt Oberhausen gelungen durchzusetzen, dass vier Ultras aus dem Umfeld des Viertligisten Rot-Weiß Oberhausen jetzt vorübergehend ohne Führerschein dastehen. Es ist der erste derartige Fall in Deutschland. Gedroht hatte die Stadt ursprünglich 15 Fußballfans mit der MPU: Ihre beim Fußball bewiesene Aggressivität lasse erwarten, dass sie auch am Steuer emotional und impulsiv reagierten. Ein Vertreter von RWO wies darauf hin, die Beschuldigungen seien weitgehend falsch. 13 der 15 seien nie rechtskräftig verurteilt worden.

Christian Helbig, der Sprecher der „Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte (BAG)“, sagte der WAZ zu den Fahrverboten: „Das macht mir als Sozialarbeiter Gänsehaut.“ Es komme zu einer „Zusatzbestrafung“ von Fußballfans, neben Stadionverbot und Gerichtsurteil. „Fans sind generell sehr sensibel für von ihnen als repressiv empfundene Maßnahmen. Das sorgt nicht für Spannungsabbau.“ In gut zwei Wochen trifft sich die „BAG West“ in Düsseldorf und bespricht das Thema. Der DFB wollte sich nicht äußern.

Erst im Sommer hat der Bundestag beschlossen, Fahrverbote als neue mögliche Art der Bestrafung für alle Delikte ins Gesetzbuch einzuführen. Bisher war das nur möglich, wenn die Tat in einer Verbindung mit dem Fahrzeug stand. Diese Voraussetzung ist entfallen. Ein Fahrverbot soll vor allem diejenigen beeindrucken, die eine Geld- oder Bewährungsstrafe eher kalt lässt.

Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (7) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik