Energiekrise

Gas: Habeck kritisiert "Mondpreise" anderer Lieferstaaten

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Milliarden-Entlastungen: Bund und Länder uneins über Kosten

Milliarden-Entlastungen: Bund und Länder uneins über Kosten

Wie werden die Kosten bei den geplanten Entlastungspakaten wegen der hohen Energiepreise verteilt? Darüber herrscht Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern, wie nach einem Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz mit den Länder-Regierungschefs deutlich wurde.

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Berlin  Der Wirtschaftsminister richtet kritische Worte an Lieferstaaten von Erdgas. Kabinettskollege Lindner hat Pläne für die Atomkraftwerke.

In der Debatte über steigende Energiepreise hat sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kritisch über einige Lieferstaaten von Erdgas geäußert. "Einige Länder, auch befreundete, erzielen teils Mondpreise. Das bringt natürlich Probleme mit sich, über die wir sprechen müssen", sagte Habeck der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Er setze darauf, dass die EU-Kommission darüber auch mit den befreundeten Staaten spreche.

Der Grünen-Politiker nannte in diesem Zusammenhang die Vereinigten Staaten. "Die USA haben sich an uns gewandt, als die Ölpreise hochgeschossen sind, daraufhin wurden auch in Europa die nationalen Ölreserven angezapft. Ich denke, eine solche Solidarität wäre auch zur Dämpfung der Gaspreise gut", sagte Habeck mit Blick auf die Regierung in Washington. Lesen Sie auch:

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Die EU sollte nach Ansicht des Ministers "ihre Marktmacht bündeln und ein kluges und synchronisiertes Einkaufsverhalten der EU-Staaten orchestrieren, damit sich einzelne EU-Länder nicht gegenseitig überbieten und die Weltmarktpreise hochtreiben". Die europäische Marktmacht sei "gewaltig" und müsse nur genutzt werden.

Habecks Kabinettskollege, Finanzminister Christian Lindner, wirbt unterdessen weiter dafür, alle drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke bis ins Jahr 2024 laufen zu lassen. Zusätzlich müsse geprüft werden, wie viele der bereits abgeschalteten AKW sicher wieder in Betrieb genommen werden könnten, sagte der FDP-Chef der Deutschen Presse-Agentur.

"Bevor wir öffentliche Gelder einsetzen, müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Belastungen für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tragbar zu machen", forderte er. Dazu gehöre, auch alle verfügbaren Energiequellen zurückzugreifen.

"Genau deshalb können wir in Deutschland auf die noch laufenden Atomkraftwerke vorerst bis 2024 nicht verzichten", sagte Lindner und ergänzte: "Für mich ist es nicht ausreichend, wenn nur zwei Kraftwerke bis Frühjahr 2023 am Netz bleiben." Das sähen auch viele europäische Partner so. "Wer von Solidarität in Europa spricht, sollte das nicht nur auf Geld beziehen, sondern auch auf die Energieerzeugung", sagte Lindner. Auch interessant: Blackout – drohen im Winter kleine Stromausfälle?

Derzeit sind noch die Atomkraftwerke Isar 2 in Bayern, Neckarwestheim in Baden-Württemberg und Emsland in Niedersachsen am Netz. Eigentlich sollte der Betrieb Ende des Jahres enden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht aber davon aus, das die AKW Isar 2 und Neckarwestheim im ersten Quartal 2023 als Reserve weiter am Netz sein werden. (fmg/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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