Kirche

Gewalt gegen Gläubige: Religiöse müssen geschützt werden

Ein Kreuz steht auf dem Altar in der St.-Hedwigs-Kathedrale des Erzbistums Berlin.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Ein Kreuz steht auf dem Altar in der St.-Hedwigs-Kathedrale des Erzbistums Berlin. Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin  Gewalt gegen Gläubige durch religiöse Fanatiker wird auch in Deutschland zum Thema. Dem muss dringend ein Riegel vorgeschoben werden.

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Hand aufs Herz: Hätten Sie’s gewusst? Heute ist Mariä Lichtmess. Am 2. Februar wurden früher in den Kirchen und in vielen Privathäusern Krippen und Christbäume abgebaut – die Weihnachtszeit war beendet. Heute ist Mariä Lichtmess aus dem Alltag der Menschen fast komplett verschwunden, selbst in manchen Kirchen wird das Fest, das an die „Darstellung des Herrn“ im Tempel erinnert, nicht mehr gefeiert.

Der vergessene Feiertag steht exemplarisch für das Verschwinden des christlichen Glaubens aus dem Alltag. Jeder Zweite weiß nicht mehr, was an Pfingsten gefeiert wird. In einer Stadt wie Berlin sind noch gerade einmal 25 Prozent der Menschen Kirchenmitglied. Weihnachtszeit ist vor allem Shoppingzeit. Kirche – war da was?

Jeder Fall von religiös motivierter Gewalt ist ein Fall zu viel

Angesichts dieser sich seit Jahrzehnten abzeichnenden Entwicklung klingt es beinahe seltsam, wenn von einer steigenden Zahl von Fällen religiös motivierter Gewalt gegen Christen in Deutschland zu berichten ist. Rund hundert Straftaten im vergangenen Jahr, darunter ein Mord und mehrere Körperverletzungen, listet die Statistik des Bundeskriminalamts auf. Folgt der Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben nun die Ausgrenzung von Gläubigen?

Auch wenn jeder einzelne Fall von religiös motivierter Gewalt ein Fall zu viel ist – die Zahlen aus Deutschland sind verschwindend gering verglichen mit den Zahlen in anderen Ländern. Die Hilfsorganisation Open Doors listete kürzlich rund 50 Staaten auf, in denen insgesamt etwa 200 Millionen Christen weltweit in hohem Maße verfolgt werden. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Katholische Bischofskonferenz (DBK) warnten im vorigen Dezember in einem gemeinsamen „Ökumenischen Bericht“ zur Religionsfreiheit vor „christenfreien Zonen“ selbst in so urchristlichen Ländern wie Israel und Palästina.

Konvertiten müssen in Deutschland ein höheres Risiko eingehen

In dem Papier heißt es zudem mahnend, dass gerade auch Konvertiten dem Risiko ausgesetzt sind, Opfer religiös motivierter Gewalt zu werden. Vielerorts werde deshalb gerade der Glaubenswechsel zur „Nagelprobe der Religionsfreiheit“. Und dieses Problem, so scheint es, rückt auch in Deutschland immer mehr in den Fokus.

Hunderte zugewanderte muslimische Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren zum christlichen Glauben übergetreten – sei es aus Überzeugung, sei es, weil sie sich so bessere Chancen auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ausrechnen. Weil aber in manchen islamisch geprägten Ländern jeglicher Glaubenswechsel streng verboten ist, ziehen sich die Konvertiten schnell den Zorn muslimischer Fundamentalisten zu. Das kann lebensgefährlich werden.

Problem muss beim Namen genannt werden

Katholische wie evangelische Amtskirche in Deutschland haben dieses heikle Thema lange gleichsam mit spitzen Fingern angefasst. Anfeindungen und Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge in Sammelunterkünften werteten sie als Einzelfälle, nicht als ein systematisches Problem. Die neuen von der Organisation Open Doors vorgelegten Zahlen sprechen da eine andere Sprache. Sie sind als Warnung zu nehmen.

Sollte ausgerechnet unsere immer säkularer ausgerichtete Gesellschaft zum Schauplatz zunehmender Gewalt durch religiöse Fanatiker werden, wäre das fatal. Gewalt, aber auch Drangsalierung oder Ausgrenzung aus religiösen Motiven muss ein Riegel vorgeschoben werden. Dazu muss das Problem zunächst einmal beim Namen genannt werden. Und dabei ist es im Übrigen völlig egal, ob sich die Gewalt gegen Christen, Juden, Muslime oder eine andere Glaubensgruppe richtet.

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