Grundsicherung

Grundsicherung: Immer mehr leben von staatlicher Hilfe

Wer Hartz-IV bezieht, hat nicht viel Geld.

Foto: Franz-Peter

Wer Hartz-IV bezieht, hat nicht viel Geld. Foto: Franz-Peter

Essen.   Im Revier steigt die Zahl der Empfänger von existenzsichernden Leistungen wie Hartz-IV oder Grundsicherung im Alter auf fast 800.000.

Immer mehr Menschen in NRW sind auf staatliche Hilfe zur Sicherung des Existenzminimums angewiesen. Wie das Statistische Landesamt am Mittwoch mitteilte, erhielten Ende 2016 rund 2,2 Millionen NRW-Bürger Leistungen der sozialen Mindestsicherung. Dazu zählen Hartz-IV-Bezüge, Hilfen zum Lebensunterhalt, die so genannte Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung sowie Leistungen für Asylbewerber.

Mit 0,7 Prozent fiel der Anstieg im bevölkerungsreichsten Bundesland diesmal zwar niedriger aus als in den Vorjahren. Insgesamt koppelte sich NRW aber von der günstigen Entwicklung in anderen Teilen Deutschlands ab. Denn bundesweit sank die Zahl staatlicher Hilfen zum Lebensunterhalt um 1,6 Prozent auf 7,9 Millionen.

Hartz-IV-Bezieher stellten mit knapp sechs Millionen die größte Gruppe unter den Empfängern dieser sozialen Transferleistungen. Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung erhielten rund eine Millionen Menschen (minus 1,2 Prozent). Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekamen 728 000 Menschen – 25,3 Prozent weniger als 2015. Dieser Rückgang beruht den Angaben zufolge insbesondere auf der hohen Zahl abgeschlossener beziehungsweise entschiedener Asylverfahren.

Große Unterschiede in der Verteilung

Auch in NRW sank im vergangenen Jahr die Zahl der Empfänger von Asylbewerberleistungen – und zwar um 33.000 auf rund 191.000 (minus 14,6 Prozent). Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der Hartz-IV-Bezieher um 48 000 auf 1,65 Millionen. Der Anstieg ist nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten überwiegend dadurch zu erklären, dass anerkannte Asylbewerber nach Abschluss ihres Verfahrens oft ohne Arbeit dastehen und damit unter die Hartz-IV-Gesetzgebung fallen. Die Zahl anderer Leistungsempfänger veränderte sich in NRW im Vergleich zum Vorjahr kaum.

Große Unterschiede gibt es nach wie vor in der regionalen Verteilung. Besonders in den NRW-Großstädten und -Ballungsräumen liegen die Zahlen zum Teil deutlich über dem Durchschnitt. Im Ruhrgebiet stieg die Zahl der Leistungsbezieher um 2,4 Prozent auf knapp 800 000 – mit besonders hohen Steigerungsraten in Herne, Duisburg und Bochum (siehe Tabelle).

Deutlich günstigere Entwicklungen gab es dagegen in den Regierungsbezirken Köln und Münster (jeweils minus 0,8 Prozent), in der Städteregion Aachen (minus 2,5), in einigen Landkreisen, aber auch in den Städten Bielefeld (minus 1,1) und Hamm (minus 1,8).

Mit zwölf Prozent ist der Anteil von Empfängern existenzsichernden Leistungen an der Bevölkerung in keinem deutschen Flächenland mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt derzeit so groß wie in NRW. In Baden-Württemberg ist die Quote nur halb so hoch, in Bayern liegt sie bei fünf Prozent.

Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik