Organisierte Kriminalität

Kampf gegen Clans, Mafia und Rocker: LKA setzt auf V-Leute

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Symbolbild. Auch Rocker-Gruppierungen zählt das LKA in NRW zur Organisierten Kriminalität. Sie sind auf vielen kriminellen Feldern tätig.

Symbolbild. Auch Rocker-Gruppierungen zählt das LKA in NRW zur Organisierten Kriminalität. Sie sind auf vielen kriminellen Feldern tätig.

Foto: dpa Picture-Alliance / Marius Becker

Düsseldorf.  Das Landeskriminalamt NRW setzt im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität häufig auf verdeckte Ermittler. „Lagebild 2020“ gibt Einblicke.

Die Polizei setzt im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität (OK) in NRW häufig auf V-Leute oder verdeckte Ermittler. Wie aus dem neuen „Lagebild Organisierte Kriminalität“ des Landeskriminalamts (LKA) hervorgeht, wurde 2020 bei insgesamt 80 Verfahren 28 Mal mit V-Leuten und neun Mal mit verdeckten Ermittlern operiert. Zudem nahm man sechs Menschen ins Zeugenschutzprogramm auf.

„Im Zuge der OK-Bekämpfung sind die Ermittlungsbehörden oftmals auf Informationen und Hinweise aus dem persönlichen Umfeld der kriminell Agierenden angewiesen“, berichtet das, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

LKA: Telefonüberwachung verliert im Kampf gegen Organisierte Kriminalität an Bedeutung

In 55 Verfahren zapfte man demnach auch Hunderte Telefone an. Allerdings weniger als früher. Die klassische Telefonüberwachung verliert laut LKA „aufgrund mangelnder Aussicht auf Erlangung ermittlungsrelevanter Informationen immer mehr an Bedeutung.“ Die Täter nutzen demnach inzwischen verstärkt verschlüsselte Messengerdienste.

Bei der Organisierten Kriminalität nehmen die Ermittler kriminelle Gruppierungen ins Visier, die zum Beispiel mit Drogen handeln. Aber auch Wirtschaftskriminalität gehört wie im Fall der Cum-Ex-Ermittlungen dazu. Durch dieses Verfahren verdoppelten sich die bekannt gewordenen „Taterträge“ innerhalb der Organisierten Kriminalität auf knapp 544 Millionen Euro.

Clan-Kriminalität: LKA NRW zählt 36 Haftbefehle

Clans: Clankriminalität spielt im Rahmen der Bekämpfung OK eine wesentliche Rolle“, heißt es im Lagebild: „Von den 80 im Jahr 2020 erfassten Ermittlungsverfahren der OK waren 16 Verfahren von türkisch-arabischstämmigen Clanfamilien dominiert. Ihre kriminellen Hauptaktivitäten liegen im Bereich des internationalen Rauschgifthandels und -schmuggels; sie agieren aber auch in anderen Deliktsfeldern wie Betrug, Steuerhinterziehung oder Geldwäsche.“

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Vergangenes Jahr wurden laut LKA bei den besagten 16 Verfahren 38 Verdächtige vorläufig festgenommen, gegen 36 Verdächtige wurden Haftbefehle erwirkt. „Dabei erzielten die kriminellen Mitglieder der Clans durch ihre illegalen Aktivitäten finanzielle Erträge in Höhe von 9,5 Millionen Euro.“

Mafia-Organisationen nutzen NRW als „Rückzugs- und Investitionsgebiet“

Mafia: „Aufgrund langjähriger polizeilicher Erkenntnisse und tiefergehender Recherchen“ wissen die Ermittler laut LKA, dass die italienische Mafia NRW „als Rückzugs- und Investitionsgebiet“ nutzt. „Eine Vielzahl von Personen und Adressen in NRW fungieren als Anlaufstellen und sind Bestandteil eines Netzwerks im Umfeld bekannter Mafiaorganisationen, insbesondere der „’Ndrangheta“ und der „Cosa Nostra“.

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“2020 gab es allerdings nur eine Festnahme. Vielen Beteiligten sei nichts Konkretes nachzuweisen. Es seien aber auch führende Mafiosi aufgetaucht, die im Ausland als Schlüsselfiguren im Kokaingeschäft unterwegs waren.

Rocker-Vereinigungen: LKA spricht von scheinbaren Selbstauflösungen

Rocker: „Die Corona-Pandemie wirkte sich im Berichtsjahr auch auf die Aktivitäten innerhalb der Rockerszene aus“, konstatieren die Ermittler. Obwohl die Rockerclubs wegen der Corona-Maßnahmen „zahlreiche insbesondere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen“ absagen mussten, sei Szene-intern weiter viel los. Neugründungen, Verbote, (scheinbare) Selbstauflösungen.

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In Sachen Kriminalität sind die Rocker breit aufgestellt: So wurde 2020 laut Lagebild gegen führende Mitglieder von und „Bandidos“ wegen massiver Gewaltdelikte, Drogenhandels, Verstößen gegen das Waffengesetz sowie wegen Kfz-Hehlerei, Fälschung von Personaldokumenten und Betrugshandlungen zum Nachteil älterer Menschen ermittelt. (dpa)

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