Sepsis

Krankenhauskeime führen im Ruhrgebiet häufiger zum Tod

Unter Schwarzlicht werden die Bakterien sichtbar. Die Sterblichkeit kann durch ein konsequentes Sepsis-Management um etwa ein Drittel gesenkt werden.

Unter Schwarzlicht werden die Bakterien sichtbar. Die Sterblichkeit kann durch ein konsequentes Sepsis-Management um etwa ein Drittel gesenkt werden.

Foto: Ingo Otto

Ruhrgebiet.   Der AOK-Gesundheitsreport stellt regionale Unterschiede fest. Am schlechtesten schneidet Mülheim ab. Fast jeder zweite Patient mit Sepsis stirbt.

Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus an einer Infektion infolge einer Operation zu sterben, ist für Patienten im Ruhrgebiet überdurchschnittlich hoch. In einem Vergleich der AOK Rheinland/Hamburg von 28 Städten und Kreisen schneidet Mülheim am schlechtesten ab. Auch Oberhausen, Essen und Duisburg liegen im oberen Drittel, was die Sterblichkeit infolge einer Sepsis angeht.

Für das Jahr 2017 vergleicht die Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport die Abrechnungsdaten der Krankenhäuser – statistisch so bereinigt, dass Alter und Gesundheitszustand der Bevölkerung in einer Region keine Rolle spielen. Im Schnitt infizieren sich demnach 1,6 Prozent der Operierten mit Krankenhauskeimen. Essen und Duisburg liegen leicht darüber, Mülheim (1,4 %) und Oberhausen (1,1 %) stehen hier gut da.

Das Ruhrgebiet hat ein Problem

Doch offensichtlich gibt es in den Ruhrgebietsstädten ein Problem im Umgang mit komplexen Infektionen. Über sechs Jahre betrachtet (2012 bis 2017) starb von den betroffenen Patienten im Schnitt fast jeder dritte (30,5 %). In Mülheim jedoch endete fast jeder zweite Fall tödlich (45,1 %) – hier starben anteilig doppelt so viele Patienten wie in Krefeld oder im Rhein-Sieg-Kreis (Oberhausen 36,3 %, Essen 34,1 %, Duisburg 32,5 %). Doch auch im Oberbergischen kreis, in Bonn und Mönchengladbach liegt die Sterblichkeit hoch. Im Volksmund wird Sepsis als „Blutvergiftung“ bezeichnet.

„Wir sehen bei der Sepsis regionale Auffälligkeiten. Die müssen regional diskutiert werden“, sagt Christoph Rupprecht, der die Gesundheitspolitik bei der AOK Rheinland/Hamburg leitet. „Es geht nicht darum, einzelne Kliniken anzuprangern.“ Nicht zwangsläufig seien Unterschiede auf Qualitätsprobleme zurückzuführen. Auch darum sind die Daten nur städteweise ausgewiesen. Positive Beispiele einzelner Kliniken zeigten, so Rupprecht, dass die Sterblichkeit durch ein konsequentes Sepsis-Management um etwa ein Drittel gesenkt werden könne. „Viele Todesfälle wären vermeidbar“, erklärte AOK-Vorstand Günter Wältermann.

Große Kliniken haben die schwierigeren Fälle

Ein Drittel aller Krankenhaus-Aufenthalte könnte durch eine effektive und rechtzeitige ambulante Behandlung vermieden werden, heißt es in der Studie. Ein weiteres Ergebnis: In großen Häusern und Unikliniken treten mehr Fälle von Sepsis auf als in kleinen Krankenhäusern. Dies ist jedoch erklärbar mit einem höheren Anteil von Patienten mit schweren Krankheiten.

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