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Corona: Ein „Nicht-Semester“ an Hochschulen gefordert

Coronakrise in NRW macht weitere Maßnahmen nötig - Überblick

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Hochschullehrer, Gewerkschaften und Studentenverbände fordern, das Sommersemester 2020 wegen der Corona-Krise formal nicht zu zählen. Faire Studienbedingungen für alle seien nicht garantiert. Die Vorlesungen sollten im Sommer „nur in reduzierter Form“ stattfinden und nicht als Studienzeit gewertet werden, schlagen Hochschullehrer in einem offenen Brief vor, der inzwischen von rund 1400 Professorinnen und Professoren unterzeichnet wurde.

Der Vorstoß findet inzwischen zahlreiche Unterstützer. Zuvor hatten alle deutschen Hochschulen den Start des Sommersemesters auf die Zeit nach Ostern verschoben. Ob der Semesterbetrieb anschließend regulär ablaufen kann, ist nach Ansicht vieler Rektoren fraglich. Allein in NRW sind rund 774.000 Studierende betroffen.

Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, hatte die Diskussion angestoßen. Es müsse eine Regelung gefunden werden, auf Bundesebene das Sommersemester als eine Ausnahme zu werten. Allein an der Uni Duisburg-Essen würden derzeit rund 800 Prüfungen ausfallen. Zudem dürften Bafög-Empfängern keine Nachteile entstehen, da die Förderung maximal für die Dauer der Regelstudienzeit fließt. Können Studenten ein Semester lang keine Studienleistungen erbringen, wäre die Fortzahlung gefährdet.

Forderung: Bafög-Förderung pauschal verlängern

Die Hochschulen stellen nun wo immer möglich auf digitale Lehr-und Prüfungsformate um. Die drei Initiatoren des offenen Briefes glauben aber nicht, dass die Umstellung einen vertretbaren Studienbetrieb ermöglichen könne. Die Technik sei überlastet, Online-Angebote nicht flächendeckend vorhanden, zudem seien Labore und Bibliotheken geschlossen.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) und die Bildungsgewerkschaft GEW fordern daher, die Förderdauer für Bafög-Empfänger pauschal um ein Semester zu verlängern. „Viele Studenten werden im Sommersemester die verlangten Studienleistungen nicht erbringen können“, begründete DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde gegenüber der WAZ den Vorstoß.

Notfallfonds für Studierende

Zudem müssten Bund und Länder einen Sozialfonds für Härtefälle einrichten, da zahlreiche Studierende wegen der Corona-Maßnahmen ihre Nebenjobs verlieren würden. „Viele stehen dann komplett ohne Einnahmen da, weil jobbende Studierende in der Regel kein Kurzarbeitergeld erhalten.“ Insgesamt sind mehr als zwei Drittel aller Studierenden nebenher erwerbstätig. „Es muss jetzt rasch Lösungen geben, die der besonderen Situation der Studierenden Rechnung tragen“, sagt auf der Heyde.

GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern sagte: „Wenn Lehrveranstaltungen ausfallen, Bibliotheken, Archive und Labors geschlossen sind, wegfallende Jobs und fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten den Alltag der Studierenden und Wissenschaftler verkompliziert, ist ein klares Signal angesagt: das Semester darf nicht zählen.“ So müsse nicht nur die Bafög-Förderung verlängert werden, „auch befristete Arbeitsverträge von Wissenschaftlern sind um sechs Monate zu verlängern“, so Finnern. Auch sollten die Hochschulen Lehrbeauftragte und Hilfskräfte weiterhin bezahlen. Studierende die wegen ausgefallener Jobs in Not geraten, müssten unbürokratisch finanzielle Hilfe erhalten, so Finnern.

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