Corona

Corona: So wenig Staus wie seit 50 Jahren nicht mehr in NRW

So leer wie zurzeit sind die Autobahnen in NRW werktags lange nicht mehr gewesen. Im Bild die A2 mit dem Autobahndreieck Dortmund-Nordwest.

So leer wie zurzeit sind die Autobahnen in NRW werktags lange nicht mehr gewesen. Im Bild die A2 mit dem Autobahndreieck Dortmund-Nordwest.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Essen.  Leer gefegte Straßen, Autobahnen im Ruhemodus: NRW erlebte eine fast staufreie Woche. Es dürften weitere folgen.

Die Corona-Krise beschert NRW leer gefegte Straßen und so wenig Staus wie seit 50 Jahren nicht mehr. „So einen dramatischen Einbruch des Pkw-Verkehrs gab es in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen höchstens während der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre“, erklärte Roman Suthold vom ADAC Nordrhein am Donnerstag. Ältere Zeitgenossen werden sich noch erinnern: In der so genannten Ölpreiskrise von 1973 verordnete die Bundesregierung den Bürgern über Wochen weitreichende Geschwindigkeitsbeschränkungen sowie ein allgemeines Sonntags-Fahrverbot.

Gesamt-Staulänge sank um fast 80 Prozent

Im März 2020 herrscht auf den NRW-Autobahnen wieder Ausnahmenzustand. Laut ADAC-Verkehrsdatenbank gab es in der vergangenen Woche insgesamt lediglich 1037 Staumeldungen. Das sind fast 72 Prozent weniger als in der Vorwoche, wo insgesamt 3662 Staus gemeldet wurden. Die Gesamt-Staulänge sank im Wochenvergleich von 5587 auf 1173 Kilometer, ein Minus von knapp 80 Prozent. Autofahrer steckten zudem rein rechnerisch nur noch 411 Stunden in Staus oder stockendem Verkehr fest. In der Vorwoche waren es noch 1934 Stunden. ADAC-Experte Roman Suthold geht davon aus, dass sich der Effekt durch die seit dem 23. März geltenden Kontaktregeln in NRW noch verstärkt.

Staus gibt es weiterhin

„Staus kann es aber weiterhin in Grenzregionen, Baustellenbereichen und an wichtigen Knotenpunkten geben. Insbesondere der Lkw-Verkehr ist weiter unterwegs, um die notwendige Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen“, saget Suthold. Der Verkehrsexperte blickt zudem auf die Zeit nach der Corona-Krise. „Die aktuelle Situation zeigt, wie groß das Potential für eine Reduzierung des Pendlerverkehrs und damit der Staus ist, wenn Arbeitgeber - wo möglich - stärker auf flexiblere Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten und Home-Office setzen.“ Theoretisch könne der Pendlerverkehr um 20 Prozent gesenkt werden, wenn jeder Arbeitnehmer – sofern es sein Job zulasse – einen Tag pro Woche zu Hause arbeite.

Unter normalen Umständen gilt NRW in Deutschland als Stauland Nummer eins. Die tägliche Verkehrsbelastung liegt an Rhein und Ruhr 22 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Werktage mit jeweils über 1000 Staumeldungen sind keine Seltenheit.

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