Forschung

Wissenschaftler sammeln Erinnerungen an die Corona-Krise

Die Intensivstationen der Kliniken bereiten sich auf Corona-Patienten vor. Historiker wollen die Erinnerung der Menschen an die Krise aufbewahren.

Die Intensivstationen der Kliniken bereiten sich auf Corona-Patienten vor. Historiker wollen die Erinnerung der Menschen an die Krise aufbewahren.

Foto: Jens Büttner / dpa

Bochum.  Bochum: Historiker starten Archiv zur Dokumentation der Pandemie. Persönliche Erfahrungen, Fundstücke und Beiträge sind gefragt.

Wie haben die Menschen ganz persönlich die Coronakrise erlebt? Welche Erlebnisse, Nöte und Gedanken haben sie? Die Ruhr-Uni Bochum möchte die Erinnerungen und Erfahrungen der Menschen während der Zeit der Coronakrise sammeln und für die künftige Forschung erhalten. Dazu bauen Wissenschaftler um den Bochumer Historiker Christian Bunneberg mit Kollegen der Uni Hamburg und der Uni Gießen ein „Corona-Archiv“ auf.

In dem freien und offenen Portal https://coronarchiv.de sammeln die Geschichtswissenschaftler Bilder, Töne und Videos zur Corona-Pandemie aus Presse und sozialen Medien. Jeder kann und soll seine Fundstücke aus dem Alltag und persönliche Erlebnisse in dem Portal hochladen. Neben Beiträgen aus der Bevölkerung suchen die Wissenschaftler aber auch freiwillige Archivarinnen und Archivare, die aktiv in ihrem Umfeld nach Objekten suchen und diese aufbereiten.

Pandemie aus Sicht der Bürger

„Wir brauchen engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die mit uns das Coronarchiv aufbauen wollen und dieses Projekt zu ihrem eigenen machen.", sagte Bunnenberg. Denn man könne die Pandemie und ihre politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen bereits jetzt als historisch bezeichnen. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Epidemie so tief in die Beziehungen der Menschen, in das Berufsleben und in Wirtschaft und Politik eingegriffen. Das Coronavirus und die politischen Reaktionen darauf verändern die Lebenswelt der Bürger fundamental.

Forscher: Gesellschaft braucht vielfältige Erinnerung

Derzeit ist die Pandemie auf allen Kanälen und allen Medien omnipräsent. „So schnell diese Zeitzeugnisse kommen, so schnell können sie auch wieder verschwinden. Unsere Hoffnung ist, dass wir mit dem Projekt die vielen Stimmen in dieser Krisenzeit langfristig dokumentieren können. Eine vielfältige Gesellschaft braucht vielfältige Erinnerung", meint Benjamin Roers, Mitarbeiter der Universität Gießen. Mit dem Coronarchiv entsteht jetzt eine zentrale Anlaufstelle zur Dokumentation der Gegenwart, die nicht nur eine spätere Rückschau auf die Ereignisse des Jahres 2020 ermöglicht, sondern auch für die künftige Forschung zur Verfügung steht.

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