Schulempfehlung

Eltern fordern: Im Zweifel erst Eignungstest fürs Gymnasium

Bei guten Noten steigen die Chancen für Viertklässler, eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten. Viele Eltern wünschen sich für ihr Kind den höchsten Schulabschluss – das Abitur.

Bei guten Noten steigen die Chancen für Viertklässler, eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten. Viele Eltern wünschen sich für ihr Kind den höchsten Schulabschluss – das Abitur.

Foto: Arne Dedert/dpa

Essen.   Bevor ein Kind aufs Gymnasium wechselt, soll es nach Willen der Landeselternschaft im Zweifelsfall einen Eignungstests absolvieren.

Zur Vergabe der Halbjahreszeugnisse ist erneut ein Streit um die Schulempfehlung für die weiterführende Schule entbrannt. Die Landeselternschaft der Gymnasien kritisiert die unverbindliche Grundschulempfehlung, bei der allein der Elternwille ausschlaggebend ist.

„Wir fordern schon seit langem, dass die Eignung der Schüler für die gewünschte Schulform wieder als das entscheidende Kriterium für die Aufnahmeentscheidung eingeführt wird“, sagte Jutta Löchner, Vorsitzende der Elternschaft, unserer Redaktion. Wenn der Elternwille und die Empfehlung der Grundschullehrer nicht übereinstimmen, sollten die Schüler einen standardisierten Eignungstest absolvieren. Anschließend müssten die Gymnasien die Möglichkeit erhalten, Schüler ohne die entsprechende Empfehlung abzulehnen.

Frust und Überforderung vermeiden

Mit dem Halbjahreszeugnis erhalten Grundschüler in der vierten Klassen eine Empfehlung für eine weiterführende Schulform. Diese ist bislang nicht verbindlich, Eltern können sich darüber hinwegsetzen.

Unterstützung erhält die Elternschaft vom Philologenverband NRW. „Die aufnehmende Schule muss das Recht haben, anhand der Leistung Schüler abzulehnen“, sagte Peter Silbernagel, Vorsitzender des Verbands. Wenn 40 bis 60 Prozent der Kinder auf ein Gymnasium wechselten, sei klar, dass einige den Anforderungen nicht gewachsen seien. Bisher müssten Gymnasien auch Schüler aufnehmen, die keine entsprechende Empfehlung haben. Dies führe später oft zu Frust und Überforderung.

GEW: Tests werden Kindern nicht gerecht

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, weist eine verbindliche Grundschulempfehlung entschieden zurück. Gymnasien sollten Schüler nicht zurückweisen dürfen. „Alle Kinder sollten die gleiche Chance haben, aufgenommen zu werden“, sagte sie.

Ein Eignungstest am Ende der Grundschulzeit sei „Unsinn“. Ein solcher Test könne nur eine Momentaufnahme sein. „Man kann im Alter von neun Jahren definitiv nicht feststellen, ob ein Kind für das Gymnasium geeignet ist“, so Schäfer. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) lehnt eine verbindliche Empfehlung ab und plädiert für „eine ganzheitliche Sicht auf das Kind“. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) appellierte an die Eltern, „die Empfehlung der Grundschule anzunehmen und zu beachten“.

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