Fall Amad A: Zeugen widersprechen der Komplott-Variante

Der Untersuchungsausschuss zum Tod des zu Unrecht Inhaftierten Amad A. in JVA Kleve wird am Dienstag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

Der Untersuchungsausschuss zum Tod des zu Unrecht Inhaftierten Amad A. in JVA Kleve wird am Dienstag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

Foto: MARKUS VAN OFFERN / dpa

Düsseldorf.  Der Syrer Amad A. war unschuldig eingesperrt worden und starb im Gefängnis. Zeugen haben nun einem Gutachten widersprochen.

Im Fall des unschuldig eingesperrten und zu Tode gekommenen Syrers Amad A. haben Zeugen einer Komplott-Variante widersprochen. Eine Datenforensikerin hatte als Gutachterin die bisherigen Ermittlungsergebnisse auf den Kopf gestellt. Eine Verwechslung des unschuldig eingesperrten Syrers mit einem Afrikaner aus Mali durch fehlerhafte Informationen der Fahndungssysteme sei auszuschließen, hatte die Gutachterin attestiert..

Die entscheidenden Veränderungen, die zu einer Verwechslung hätten führen können, seien erst nachträglich erfolgt. Dies legt ein Komplott von Polizisten nahe, die den Syrer bewusst mit falschen Anschuldigungen ins Gefängnis gebracht haben könnten.

Syrer Amad A. wurde irrtümlich eingesperrt

Ein Mitarbeiter des Datenbank-Herstellers widersprach nun der IT-Expertin in diesem entscheidenden Punkt. Er sei sich sicher, dass die Personen-Datensätze des Syrers und des Afrikaners vor der Festnahme des Syrers zusammengeführt worden seien, sagte der Zeuge am Dienstag im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags. „Die Daten geben keine andere Erklärung her.“ Dies legt wiederum eine Verwechslung beider Männer nahe, obwohl die sich nicht ähnlich sahen.

Die acht Arbeitsschritte, die die Gutachterin als Veränderung einzelner Personendaten interpretiert habe, seien in Wirklichkeit eine automatisierte Aktion, die durch Zusammenführen zweier Personendateien ausgeführt werde, sagte der Zeuge. Dies lasse sich auch am Zeitprotokoll erkennen, wonach diese acht Operationen innerhalb einer Sekunde erfolgt seien. Dies sei manuell praktisch unmöglich. Zwei weitere Zeugen äußerten sich ähnlich wie der Mitarbeiter des Datenbank-Herstellers.

In der Zelle selbst Feuer gelegt

Der hellhäutige Syrer war den bisherigen Ermittlungen zufolge am 6. Juli 2018 wegen eines Haftbefehls eingesperrt worden, der für den dunkelhäutigen Amedy G. aus Mali galt. Der Syrer Amad A. hatte wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis gesessen und schließlich in seiner Zelle selbst Feuer gelegt. Dabei erlitt der 26-Jährige so schwere Verbrennungen, dass er im September 2018 in einer Klinik starb.

Die Ermittlungen gegen die Polizisten, die den 26-Jährigen festgenommen hatten, waren eingestellt worden. Sie hätten bei ihren Datenabfragen fehlerhafte Angaben erhalten. Dieser Version widersprach die Gutachterin deutlich: Am Tag seiner Festnahme gebe es nichts, dass ein „Versehen“, oder eine Verwechslung erklären könne.

Fall Amad A.: Anwalt glaubt nicht an einen Zufall

Die Eltern des 26 Jahre alt gewordenen Syrers haben gegen die Einstellung der Ermittlungen Beschwerde eingelegt. „Ein Zufall ist völlig abwegig und auch Schlamperei reicht als Erklärung für das Geschehene nicht aus“, hatte ihr Anwalt Sven Forst gesagt. Die Personendateien von Amad A. und Amedy G. seien „gezielt nachbearbeitet“ worden. Am Dienstag sollen dazu weitere Zeugen vernommen werden. (dpa)

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