Corona

Fehlender Corona-Schutz: Zahnärzte schränken Behandlung ein

Erhöhte Schutzmaßnahmen: Der Emmericher Zahnarzt Arnold Wentholt behandelt mit Mundschutz und zusätzlichem Visier.

Erhöhte Schutzmaßnahmen: Der Emmericher Zahnarzt Arnold Wentholt behandelt mit Mundschutz und zusätzlichem Visier.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Essen.  Das Ansteckungsrisiko hoch, die Erlöseinbußen ebenso: Die Coronakrise trifft Zahnärzte doppelt. Was das für die Patienten bedeutet.

Lange dauern wird es nicht mehr, bis in ihrem Praxisteam die ersten Corona-Symptome auftreten, da ist sich eine Essener Zahnärztin sicher. „Ich gehe fest davon aus, dass ich mich bald infiziere“, erzählt die Medizinerin, die eine Einzelpraxis betreibt und namentlich nicht genannt werden möchte. „Ich arbeite direkt am Patienten und kann hier während der Behandlung keinen Mindestabstand einhalten“. Trotzdem findet sie es richtig, dass „wir unsere Patienten weiter behandeln. Das sind Menschen, die unsere Hilfe brauchen.“

So sehen es auch die Zahnärztevertreter. „Wir wollen die Versorgung so gut wie es geht aufrechterhalten“, betont Jost Rieckesmann, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Aktuell empfehle man den Praxen jedoch, nur noch akute Schmerz- und Notfälle zu behandeln. Patienten sollten individuell mit der Zahnarztpraxis abklären, ob eine Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich ist, so die Empfehlung. Erst recht sollte sich im Vorfeld jeder telefonisch melden, der mögliche Corona-Symptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber habe.

Petition fordert Schließung aller Praxen

Der Hauptgrund für die Vorsicht: Die überall fehlenden Schutzmasken und Hygieneartikel. Für die Praxis der Essener Ärztin etwa konnte der zuständige Verband in der vergangenen Woche ganze zwei Masken bereitstellen, 40 Spezialmasken hat sie sich zum Stückpreis von zehn Euro selbst bestellt. Auch aus der Zahnklinik im Wittener Marienhospital ist zu hören: „Bald haben wir keine Möglichkeiten mehr, uns zu schützen“ – obwohl dort ein großer Vorrat an Schutzkleidung eingekauft worden sei.

Vehement fordern deshalb inzwischen mehrere Zahnärzte, alle Praxen zu schließen oder auf einen strengen Notdienstplan umzustellen. Die Angst vor der Ansteckung ist es auch, die eine Zahnarztassistentin aus Hürth veranlasst hat, in einer Online-Petition die Schließung aller Praxen zu fordern. Fast 65.000 Unterstützer hat sie dafür bereits gefunden. „Kaum eine andere Personengruppe ist einem derart hohen Infektionsrisiko ausgesetzt“, schreibt die Assistentin und macht darauf aufmerksam, dass sich der feine Sprühnebel, der etwa beim Bohren entsteht, im ganzen Raum verteile – ein ideales Transportmedium für Viren.

Kurzarbeit angemeldet

Zu den gesundheitlichen Risiken kommen die finanziellen Sorgen. Ob Prophylaxe, Nachsorge oder Zahnreinigung: Offenbar in Scharen sagen Patienten Termine ab – aus Angst, sich auf dem Behandlungsstuhl mit Corona zu infizieren. „Sorgen machen muss sich kein Patient“, klärt Kammerpräsident Rieckesmann auf. In Zahnarztpraxen könne man sich auf höchste Hygiene-Niveaus verlassen.

Die Essener Zahnmedizinerin berichtet von einem dramatischen Rückgang der Behandlungstermine seit Beginn der vergangenen Woche. Auch bei Kollegen sei das so. Schlagartig seien die Behandlungszahlen eingebrochen, bei ihr um 70 Prozent. Der Trend habe sich in dieser Woche fortgeführt. Für fünf ihrer Angestellten habe sie bereits Kurzarbeit anmelden müssen Andere Kosten, etwa für die Praxismiete und Versicherungen, laufen derweil weiter. Ein, zwei Monate sei das so durchzuhalten, sagt die Ärztin. Für die Zeit danach wisse sie nicht, wie es weitergeht.

Rettungsschirm gefordert

Auch Wolfgang Eßer, Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), warnt, dass vielen Praxen über kurz oder lang die Luft ausgehen werde, da ihre Einnahmebasis fast vollständig weggebrochen sei. Man sei deshalb auf schnelle unbürokratische Hilfe „zwingend angewiesen“. Bei dem milliardenschweren Rettungsschirm für die Krankenhäuser wurde die Zahnärzteschaft nicht berücksichtigt. Hier müsse die Bundesregierung unbedingt nachsteuern, so Eßer.

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