Verkehrswende

Grüne fordern mehr Tempo bei Ausbau der E-Bus-Flotte in NRW

Ein neuer Elektro-Bus für Essen? Das futuristisch aussehende Modell der Firma Irizar, das im Frühjahr in der Stadt unterwegs war (hier auf Zollverein), ging nur auf Testfahrt.

Ein neuer Elektro-Bus für Essen? Das futuristisch aussehende Modell der Firma Irizar, das im Frühjahr in der Stadt unterwegs war (hier auf Zollverein), ging nur auf Testfahrt.

Foto: André Hirtz / Funke Foto Services

Essen.  Noch gibt es nur vereinzelt Elektro-Busse in der Region. Doch der zügige Umbau der Busflotte auf Batterieantrieb ist keineswegs ein Hexenwerk.

Die NRW-Grünen fordern mehr Tempo beim Ausbau der Elektrobus-Flotte im öffentlichen Nahverkehr. „Elektrobusse können gerade für die Luftreinhaltung und die Verkehrswende in den stark belasteten Innenstädten viel Gutes bewirken“, sagte Landtagsfraktionschef Arndt Klocke der WAZ. Klocke sieht insbesondere die Bus-Hersteller in der Pflicht. „Weil die Hersteller die stark gestiegene Nachfrage an Elektrobussen nicht abdecken können, müssen viele Verkehrsbetriebe in NRW lange Lieferzeiten in Kauf nehmen“, sagte der Grünen-Politiker. Gerade die bisher bei Bussen führenden deutschen Hersteller hätten Nachholbedarf.

Im Ruhrgebiet sind lediglich vereinzelt Fahrzeuge mit reinem Batteriebetrieb unterwegs

Tatsächlich kommt die Umstellung auf E-Antrieb in den ÖPNV-Busflotten der Region trotz der Debatte um drohende Diesel-Fahrverbote derzeit nicht recht voran. Im Ruhrgebiet sind lediglich vereinzelt Fahrzeuge mit reinem Batteriebetrieb im Linienverkehr unterwegs. Mit vier E-Bussen nahm Ende Juni die erste städteübergreifende rein elektrische Buslinie im Ruhrgebiet zwischen Oberhausen-Sterkrade und Bottrop den Betrieb auf. Bei der Bogestra (Bochum/Gelsenkirchen) ist die Bestellung von 20 E-Bussen geplant, der Oberhausener STOAG liegt ein Bewilligungsbescheid von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) für 15 weitere Busse vor. Die Duisburger DVG will sieben Batterie-Busse anschaffen.

EU-weite Ausschreibungen laufen. Doch die Busse sind nicht einmal bestellt. Die Ruhrbahn (Essen/Mülheim) befindet sich sogar noch in der Testphase. In diesem März präsentierte das Unternehmen medienwirksam einen batteriebetriebenen Elektrobus der Marke Irizar. Das Modell des spanischen Nutzfahrzeugherstellers zog wegen seines futuristischen Designs die Blicke auf sich. Wann Fahrzeuge wie diese im Netz des größten kommunalen Verkehrsbetriebs im Revier je zum Einsatz kommen, steht allerdings in den Sternen. Vor 2022 sei daran aus Ermangelung an der nötigen Ladeinfrastruktur jedenfalls nicht zu denken, hieß es.

260 E-Busse für Maastricht

Nicht viel anders sieht es im Rheinland aus. Die Kölner Verkehrsbetriebe eröffneten ihr erste E-Bus-Linie zwar schon Anfang 2016. Beschlossen ist zudem die Anschaffung weiterer 50 Elektrobusse. Allerdings sind auch in der Domstadt nur wenige E-Busse tatsächlich auf den Straßen. Ganz anders dagegen das Bild in der niederländischen NRW-Nachbar-Region Limburg: Rund um das beliebte Touristenziel Maastricht fährt bereits jeder zweite Busse rein elektrisch. 95 E-Busse pendeln in der 120.000-Einwohner-Stadt und ihrem Umland. 2026 sollen es insgesamt 260 Fahrzeuge sein.

Möglich macht das die Deutsche-Bahn-Auslandstochter Arriva. Sie hatte sich 2016 vertraglich verpflichtet, den gesamten ÖPNV in der südlichsten niederländischen Provinz innerhalb von zehn Jahren komplett elektrisch anzubieten – auf der Schiene und eben auch auf der Straße. Nach Arriva-Angaben sind in Limburg derzeit E-Busse des niederländischen Bus-Herstellers VDL im Einsatz. Diese könnten schnell aufgeladen werden und mehr als 400 Kilometer am Tag zurücklegen, teilte das Unternehmen mit.

„Das Beispiel Limburg zeigt, dass Elektromobilität im Personennahverkehr funktioniert“, sagt Grünen-Fraktionschef Arndt Klocke. Er kritisierte die hohen bürokratischen Hürden, vor denen deutsche Kommunen bei den Fördermitteln zur Luftreinhaltung stünden. Klocke: „Die Bundesregierung hat die Diesel-Gipfel groß inszeniert. Die Ergebnisse bleiben nun hinter den geschürten Erwartungen zurück.“

„E-Busse sollten mit sauberem Strom betrieben werden“

Die Bedeutung von „sauberen“ Bussen für die Luft in den Städten ist weitgehend unbestritten. Laut einer Studie der Verkehrsforscher der Aachener Beratungsfirma „Ebusplan“ wäre etwa der Komplett-Umbau der Ruhrbahn-Flotte auf Strom ein enormer Gewinn für die Umwelt vor Ort. Jährlich würden in den Straßen von Essen und Mülheim mindestens 25.500 Tonnen Kohlendioxid, 9,5 Tonnen Stickoxide und 200 Kilo Feinstaub weniger in die Luft gepustet. Damit dies auch dem Klimaschutz im Allgemeinen diene, müssten E-Busse zusätzlich mit sauberem Strom betrieben werden, mahnt Arndt Klocke. Insgesamt brauche daher die ganze Energiewende ein neues Tempo.

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