Gesundheitsversorgung

Hebammen, Zahn- und Hausärzte: So trifft sie das Coronavirus

Hebammen vermissen klare Anweisungen, wie sie die Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen in Zeiten von Corona durchführen sollen.

Hebammen vermissen klare Anweisungen, wie sie die Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen in Zeiten von Corona durchführen sollen.

Foto: Matthias Hiekel / dpa

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf Hebammen, Haus- und Zahnärzten und deren Patienten? Wie sie sich umstellen - und was sie fordern.

Rhein-Ruhr. Die Zahl der Intensivbetten und benötigten Fachkräfte in den Krankenhäusern steht im Mittelpunkt bei der Frage, ob unser Gesundheitssystem die Corona-Pandemie stemmen kann. Was aber ist mit den Hebammen, Hausärzten und Zahnärzten? Wie haben sie sich umgestellt, was beklagen und fordern sie? Ein Überblick.

“Große Verunsicherung“ bei den Hebammen

In immer mehr Kliniken müssen Frauen ihre Kinder ohne Begleitperson zur Welt bringen. „Das ist sehr tragisch, aber eine Lösung dafür scheint nicht in Sicht“, sagt Barbara Blomeier, Sprecherin beim Landesverband der Hebammen NRW. „Für die Familien ist es eine große Belastung.“ Blomeier rechnet mit einem Anstieg der frühzeitigen Entlassungen in den Geburtskliniken, damit entbundene Frauen und Neugeborene mit so wenig Personen wie möglich in Kontakt treten. „Dann müssen die Hebammen allerdings umso mehr ambulante Betreuung leisten“, sagt die Verbandssprecherin. Nur: Wie die Hebammen die ambulante Nach- und Vorsorgeuntersuchungen in Zeiten von Corona durchführen sollen, sei überhaupt nicht klar.

„Es gibt bei den Hebammen eine große Verunsicherung, weil es keine klaren Anweisungen von Seiten der zuständigen kommunalen Gesundheitsämter gibt“, kritisiert Blomeier. Nur vereinzelt sei darüber aufgeklärt worden, ausschließlich medizinisch gebotene Untersuchungen durchzuführen und Hygienemaßnahmen wie einen Abstand von zwei Metern zum Patienten zu beachten. Das NRW-Gesundheitsministerium müsse hier dringend für Klarheit sorgen, fordert der Hebammenverband. Bewegt haben sich schon die Krankenkassen: Hebammen können nun a uch telefonische Beratung abrechnen lassen. „Damit wird es möglich, die Besuchszeit bei den Familien auf das Nötigste zu beschränken“, erläutert Blomeier, die sich bei den Kassen für den Schritt bedankt.

Daten über eine besondere Corona-Empfänglichkeit oder einen schweren Verlauf einer Infektion bei Frauen gibt es nach Auskunft der Gesundheitsämter bisher im Übrigen nicht. Auch zu Früh- und Neugeborenen gebe es aktuell keine verlässlichen Daten.

Zahnärzte wollen Versorgung aufrechterhalten

Vereinzelt haben Zahnarztpraxen bereits entschieden, die Behandlung nur auf die erforderliche Notfallversorgung zu beschränken. Weil das aber große finanzielle Ausfälle bedeutet, wird von vielen Praxen eine klare Anordnung von oben gefordert. Auch eine Online-Petition mit fast 50.000 Unterschriften fordert die bundesweite Schließung von Zahnarztpraxen zur Eindämmung des Coronavirus. Zahnärzte und deren Assistenzen sehen sich besonders gefährdet, weil die Ansteckung bei Corona vor allem über den Speichel im Mund erfolgt und bei der Behandlung meist rotierende Instrumente zum Einsatz kommen, wodurch Wassertröpfchen im Raum verteilt werden. Diese sogenannten Aerosole gelten als ideales Transportmedium für die Corona-Viren.

Die Zahnarztverbände- und kammern haben dennoch versichert, dass die zahnärztliche Versorgung in Deutschland weiterhin gewährleistet wird. Um die Versorgung aufrechterhalten zu können, sei man jedoch „im besonderen Maße auf die aktive Mithilfe der Patienten angewiesen“, teilte Wolfgang Eßer, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, am Freitag mit. Patienten, die Symptome einer Atemwegserkrankung zeigen, sollten sich - soweit kein akuter Notfall vorliegt - erst nach Abklingen der Erkrankung um einen Behandlungstermin bemühen. Zudem wird empfohlen, dass sich jeder Patient vor seiner Behandlung noch einmal mit seiner Praxis in Verbindung setzt, ob der geplante Termin tatsächlich wahrgenommen werden soll.

Derzeit erarbeiten die Zahnarztverbände mit dem Bundesgesundheitsministerium eine Lösung, um auch Corona-Patienten eine zahnmedizinische Versorgung zu ermöglichen. Infizierte oder unter Quarantäne gestellt Patienten mit einem akuten zahnärztlichen Notfall sollen sich bis dahin mit ihrem Hausarzt oder den Hotlines der Kassenärztlichen Vereinigungen oder Zahnärztekammern in Verbindung setzten.

Hausärzte: „Wir sollten den Praxisbetrieb umstellen“

In immer mehr Städten werden sogenannte Diagnostik- und Behandlungszentren eingerichtet, um Corona-Infekte aufzufangen – „mit dem Ziel, Hausarztpraxen zu entlasten“, wie Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, auf Anfrage betont. „Denn eine Arztpraxis mit ihren kranken Patienten stellt – trotz Vorkehrungen – schon ein gewisses Risiko dar. Das bedeutet für uns Hausärzte, dass wir unseren Praxisbetrieb, wie es viele Kollegen bereits getan haben, umstellen sollten.“ In der Praxis heißt das: Es sollten nur dringende Patientenkontakte persönlich stattfinden. Nicht dringende Termine wie Vorsorgeuntersuchungen oder Gesundheitschecks sollten verschoben werden.B

Coronavirus- Ärztevereinigung rät zum AutowartezimmerBeim Hausärzteverband Nordrhein dagegen sieht man nicht nur die Notwendigkeit, eigene Anstrengungen zu unternehmen. Der Verband hat mehrere Sofort-Maßnahmen gefordert, um die „katastrophale Entwicklungen, wie sie aus Italien bekannt sind, abzuwenden“. Der Hausärzteverband schlägt beispielsweise vor, dass 30 Prozent der Praxen nach einem Rotationssystem täglich in Reserve gehalten werden. Diese sollen dann mit einem fixen Tagessatz für den Leerlauf entschädigt werden. Praxen mit einem Corona-Fall im Team sollen 14 Tage schließen, dafür jedoch mit fixen Tagessätzen entschädigt werden.

„Wir sehen in der aktuellen Situation nicht den Zeitpunkt für Forderungen“, heißt es dagegen aus Westfalen-Lippe. Jeder werde das Beste tun, was in seiner Macht steht. Zudem gebe es in Westfalen bereits mehr Behandlungszentren als in Nordrhein.

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