Hochzeits-Exzesse

32 Einsätze bei Hochzeitsfeiern in NRW an einem Wochenende

Hochzeitsfoto auf der Autobahn: Mehrere Fahrer  teurer Sportwagen hatten zuletzt die A3 bei Düsseldorf blockiert - vermutlich um auf der Fahrbahn einen Schnappschuss zu machen.

Hochzeitsfoto auf der Autobahn: Mehrere Fahrer teurer Sportwagen hatten zuletzt die A3 bei Düsseldorf blockiert - vermutlich um auf der Fahrbahn einen Schnappschuss zu machen.

Düsseldorf   Hochzeitsfotos auf der Autobahn, Konvoi über rote Ampeln und Tänze auf dem Seitenstreifen: NRW will gegen Auswüchse bei Feiern schärfer vorgehen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) macht mobil gegen spektakuläre Hochzeitsfotos auf Autobahnen und Auto-Konvois durch Innenstädte, die vor allem bei Familien mit Migrationshintergrund immer beliebter zu werden scheinen. „Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle. Jeder hat sich an die geltenden Regeln zu halten, sonst setzt die Polizei der Feier sehr schnell ein ernüchterndes Ende“, warnte Reul am Mittwoch.

Wenn Hochzeitsgesellschaften sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr brächten, seien „die Toleranzgrenzen unserer Gesellschaft klar überschritten“, so Reul.

32 Polizeieinsätze bei Hochzeiten am Wochenende

Allein am vergangenen Wochenende mussten die Behörden laut Innenministerium landesweit zu 32 Feierlichkeiten ausrücken. Dabei seien auch Schreckschusspistolen sichergestellt und Fahrzeuge stillgelegt worden. „Es kann nicht angehen, dass auf Autobahnen der Verkehr angehalten wird, um Fotos zu machen und Feuerwerkskörper zu zünden. Dem schieben wir einen Riegel vor“, erklärte Reul.

Für einen Videodreh auf der Autobahn zündeten Feiernde sogar Rauchtöpfe an der A42 in Höhe des Essener Stadions. 15 Autos sollen am Wochenende an dieser Aktion beteiligt gewesen sein, berichtete Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums. Zwei weitere Korsos in Essen fielen vor allem durch wildes Gehupe auf, bei einem wurde auch mit einer Schreckschusspistole in die Luft geschossen.

Bengalos, Hupen – und Fahren über Rot

In Dortmund bretterte eine Gesellschaft mit zehn Fahrzeugen teilweise über Rot. In Bottrop verhielten sich die Fahrer von 35 Fahrzeugen geschlossen verkehrsbehindernd. Auch Bengalos sollen sie gezündet haben.

Das andauernde Hupen war noch das geringste Vergehen, das die Polizei bei einer Hochzeitsgesellschaft in Duisburg-Hochfeld aufnahm. Die sechs Fahrzeuge waren zum Teil nicht versichert und mit falschen Kennzeichen unterwegs. Die Fahrer fuhren über Rot, zum Teil ohne Führerschein – und versichert waren sie auch nicht.

Und sie tanzten auf dem Seitenstreifen

Auf der A1 und auf der A57 bei Köln bremsten die Fahrer gleich zweier Konvois den Verkehr auf allen drei Fahrstreifen aus, um Fotos zu ermöglichen. Im zweiten Fall tanzten die Feiernden auch noch auf dem Seitenstreifen. Hier zog die Polizei gleich vier Führerscheine ein und stellte eines von 15 Fahrzeugen sicher.

In Düren und Dinslaken drehten die Hochzeitsgäste mit ihren Reifen durch. „Sie drifteten gefährlich auf der Straße“, so Ministeriumssprecher Beus.

In Hagen und Menden knallte es

Einen Kreisverkehr blockierten Hochzeitsgäste in Mülheim mit ihren Autos. Strafanzeigen hagelte es hier nicht nur wegen „übermäßiger Straßennutzung“, sondern auch wegen Beleidigung und Nötigung der Polizisten. In Hagen knallte es bei einem Konvoi, ob Pyrotechnik oder Schreckschusswaffen im Spiel waren, ist unklar – ebenso in einem Fall in Menden.

In Marl waren es wohl Böller, die aus Autos geworfen wurden.Klar ist jedoch laut Innenministerium, dass in Oer-Erkenschwick aus einer fahrenden Gesellschaft von hundert Personen heraus geschossen wurde. Die Pferde auf einer nahen Koppel wurden wild.

Zwischenfälle beschäftigten auch den Innenausschuss

Immer wieder hatten zuletzt Feiernde mit Migrationshintergrund auf Autobahnen und in Innenstädten Fahrzeugkonvois gebildet und Schüsse in die Luft abgegeben. Der Fall eines spektakulären Hochzeitsfotos mitten auf der A3 bei Ratingen, bei dem mehrere Autos den fließenden Verkehr ausbremsten, hatte sogar den Innenausschuss des Landtags beschäftigt. „Die Polizei in Nordrhein-Westfalen geht gegen Exzesse vor und versteht da keinen Spaß“, warnte Reul.

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