Vorbild Studentenheim

Hohe Mieten: Handwerk fordert Azubi-Wohnheime

Handwerk hat noch immer goldenen Boden, doch Lehrlinge sind offenbar während der Ausbildung schlechter dran als Studenten. Das will der Westdeutsche Handwerkskammertag ändern.

Handwerk hat noch immer goldenen Boden, doch Lehrlinge sind offenbar während der Ausbildung schlechter dran als Studenten. Das will der Westdeutsche Handwerkskammertag ändern.

Foto: Felix Kästle / dpa

Düsseldorf.  Der Westdeutsche Handwerkskammertag kritisiert, dass sich die Politik allein auf günstiges Wohnen für Studenten fokussiert. Was sich ändern soll.

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Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat erstmals eigene Wohnunterkünfte für Auszubildende gefordert. Damit soll eine Ungleichbehandlung der Lehrlinge in NRW im Vergleich zu Studierenden beendet werden. Der akademische Nachwuchs bekommt seit Jahrzehnten günstige Zimmer in staatlich subventionierten Studentenwohnheimen angeboten.

„Da Auszubildende genauso wie Studierende keine Wohnmöglichkeiten insbesondere in den Ballungsräumen finden, müssen bezahlbare Wohnheimplätze geschaffen werden. Während Wohnen in den Städten immer teurer wird, bleiben Ausbildungsplätze zunehmend unbesetzt“, erklärte der neue Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags, Matthias Heidmeier.

Die rund 190.000 Handwerksbetriebe in NRW beschäftigen derzeit knapp 80.000 Auszubildende. In den vergangenen Jahren ist es immer schwieriger geworden, offene Lehrstellen mit geeigneten Jugendlichen zu besetzen. Viele Meister sind deshalb dazu übergegangen, Nachwuchs weit über die eigenen Stadtgrenzen hinaus zu suchen. „Es ist keine Seltenheit mehr, dass Lehrlinge Dutzende von Kilometern pendeln, um zu ihrem Ausbildungsplatz zu kommen“, heißt es in einem Positionspapier, das die Spitzenvertreter des Westdeutschen Handwerks jetzt einstimmig beschlossen haben.

Azubis sind immer häufiger Berufspendler

Seit Jahren gelingt es nur wenigen Unternehmen etwa im Münsterland, wo vielerorts Vollbeschäftigung herrscht, Jugendliche aus dem nahen Ruhrgebiet für eine Ausbildung zu gewinnen. Der Trend geht ohnehin eindeutig zu Abitur und Studium, zudem hat sich die Politik in den vergangenen Jahren darauf konzentriert, Studienangebote auszubauen, Bafög-Leistungen zu erhöhen und neue Fachhochschulen zu gründen. Mit der Einführung des „Azubi-Tickets“ hat die schwarz-gelbe Landesregierung zwar zuletzt ein gegenläufiges Signal gesetzt, doch im Gegensatz zum Semester-Ticket für Studenten (rund 30 Euro) ist es immer noch unattraktiv teuer. Der NRW-weite Fahrschein kostet junge Handwerker 82 Euro.

Besondere Sorge bereitet dem Handwerk die fehlende „Waffengleichheit“ auf dem Wohnungsmarkt. Als Student kann man in NRW kostengünstig über 50.000 Wohnungen in Hochschul-Nähe bekommen. Die zuständigen Studentenwerke können eine durchschnittliche Warmmiete von unter 250 Euro monatlich anbieten. Das Land schießt jährlich rund 95 Millionen Euro zu.

Nur Düsseldorf bietet ein Heim mit Lehrlingswohnungen

Für Lehrlinge in der betrieblichen Ausbildung gibt es hingegen kaum vergleichbare Angebote, obwohl das Wohnen in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte zunehmend unbezahlbar wird. Gerade in den NRW-Großstädten mit ihren explodierenden Mieten. Unterkünfte in Ausbildungsinternaten oder den traditionellen „Kolpinghäusern“ sind rar. Die Stadt Düsseldorf bietet zwar seit 2018 ein Heim mit 14 Lehrlingswohnungen an, doch fehlt es an einer flächendeckenden Landesförderung.

Das soll sich nun ändern. Die Spitzenvertreter des Handwerks nehmen die Landesregierung in die Pflicht: „Wenn zu Recht immer wieder die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung politisch betont wird, dann müssen auch die Rahmenbedingungen für beide Qualifizierungswege gleichwertig sein.“Der Westdeutsche Handwerkskammertag fordert konkret ein „Bündnis für Lehrlingswohnen“. Land, Bund und Kommunen sollen sich gezielt darauf verständigen, Wohnunterkünfte für Auszubildende zu schaffen. „Auszubildendenwohnheime sind überfällig“, findet Hauptgeschäftsführer Heidmeier.

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