Coronavirus

Kreis Heinsberg wird zum Corona-Versuchslabor

Forscht im Kreis Heinsberg: Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.

Forscht im Kreis Heinsberg: Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Düsseldorf  Der Kreis Heinsberg ist besonders stark von der Corona-Epidemie betroffen. Liegt hier auch der Schlüssel für den Ausweg aus der Krise?

Keine andere Region in Deutschland wird vom Coronavirus so heftig heimgesucht wie der Kreis Heinsberg. Mehr als 1100 bestätigte Fälle werden hier offiziell gezählt. Dieser Corona-Hotspot wird nun zu einem riesigen Versuchslabor für Virologen.

Sie hoffen, hier den Schlüssel für eine Eindämmung der Pandemie zu finden. „Dieser Kreis bietet uns die Chance, wichtige Informationen zu sammeln“, sagte der renommierte Bonner Virologe Prof Hendrik Streeck.

Ab Montag wird er Professor mit 20 medizinischen studentischen Hilfskräften die Infektionsketten vor Ort in Heinsberg erforschen. An der vierwöchigen Studie sind weitere namhafte Forscher beteiligt: der Hygieneexperte Prof. Martin Exner und der Leibnizpreisträger Prof. Gunther Hartmann.

Abstriche an Türklinken und Smartphones

Das Team streicht unter anderem Türklinken und Smartphones ab, untersucht die Luft vielerorts im Kreis, analysiert das Blut von Bewohnern und begutachtet Haustiere. Am Ende, so die Hoffnung, könnte eine tiefere Erkenntnis über das Virus herauskommen, die den Kampf gegen die Pandemie erleichtern soll. Bisher aber stehen vor allem Fragen im Raum.

„Wie verbreitet sich dieses Virus genau? Über die Luft, Oberflächen, Bedarfsgegenstände, Lebensmittel, Wasser? Wie hoch ist die Dunkelziffer, also die Zahl der nicht erkannten Infektionen? Lässt sich die Situation im Kreis Heinsberg auf Deutschland übertragen?“ Diese Fragen treiben Streeck und seine Kollegen um.

Das Virus hinterlässt Spuren im Blut

Die Forscher wollen das Blut von 1000 Menschen untersuchen, um sich der Dunkelziffer der Infizierten zu nähern. Das Virus hinterlasse einen sichtbaren „Fußabdruck“ im Blut, erklärt Streeck. Er geht jedenfalls von „viel mehr Infizierten“ aus als offiziell bekannt sind und ist sich sicher, dass uns „Jahre mit diesem Virus“ bevorstehen.

Die Deutsche Post hat im Kreis Heinsberg ein Pilotprojekt zur Versorgung von Risikogruppen und Menschen, die sich in Quarantäne befinden, gestartet. Post-Paketvorstand Tobias Meyer stellte die Initiative vor. Damit sollen besonders gefährdete Menschen die Chance bekommen, Einkaufswege zu vermeiden.

Einkauf, ohne aus dem Haus zu müssen

Die Idee: Per Postwurfsendung werden Bestellformulare für Lebensmittel und andere wichtige Waren verteilt. Ein Postbote holt die Bestellung ab. An nächsten Tag wird die Ware, die von örtlichen Händlern stammt, zugestellt. Abgerechnet werde kontaktlos per Lastschriftverfahren.

Der Landrat des Kreises, Stephan Pusch (CDU), sprach am Freitag von einem „Wendepunkt“. Die Zahl der bekannten Infizierten stagniere. „Wir scheinen an der Spitze des Berges angekommen zu sein“, so Pusch.​

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