Fördergelder

Land unterstützt Initiative für neue Europa-Unis in NRW

Interesse geweckt: Jörg Reese (links) von der Fontys Hogeschool Techniek in Venlo bei einer Bildungsmesse in Bochum. Die Fontys-Hochschule hatte die  Idee vorangetrieben, dass deutsche und niederländische Unis an der Grenze stärker miteinander kooperieren.

Interesse geweckt: Jörg Reese (links) von der Fontys Hogeschool Techniek in Venlo bei einer Bildungsmesse in Bochum. Die Fontys-Hochschule hatte die Idee vorangetrieben, dass deutsche und niederländische Unis an der Grenze stärker miteinander kooperieren.

Foto: Ron Franke

Essen.   Bis 2024 sollen 20 Europa-Hochschulen entstehen. Dafür fließen 30 Millionen Euro. CDU und FDP schwebt ein Bau an der niederländischen Grenze vor.

Beide stammen vom Niederrhein und beide eint eine Vision: Die Gründung der ersten europäischen Universität auf der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden.

„Am besten dort, wo einst das Zollhäuschen stand“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Optendrenk. Und Dietmar Brockes, Mitglied der FDP-Fraktion im Landtag, steht er in dieser Sache fest an der Seite seines CDU-Kollegen. „Am besten mit einem Ausgang nach Deutschland und einem in die Niederlande“, ergänzt er die Vorstellung von einer Europa-Universität auf der Grenze zwischen Venlo und dem niederrheinischen Nettetal.

Die Initiative ging von den Niederlanden aus, räumt Brockes ein. Die Fontys-Hochschule in Venlo betreibt bereits eine Zweigstelle in Kempen und sucht weitere Forschungspartner jenseits der Grenze, vor allem auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung, erklärt Brockes. „Diese Frage haben wir aufgegriffen und uns an die Rede des französischen Staatspräsidenten Macron im September 2017 erinnert.“ Macron hatte in der Pariser Sorbonne die Idee der Europa-Universitäten aufgebracht – als Orte, wo Europas Talente bei Forschung, Wissenschaft und Austausch die gemeinsamen europäischen Werte leben und stärken.

EU will keine neuen Unis, sondern Kooperationen

Doch so einfach wie es sich das Duo Brockes und Optendrenk zunächst vorstellte, wird es wohl nicht gehen. Denn obwohl die Europäische Kommission Macrons Vorschlag überraschend schnell in ein Fördermodell mit dem Titel „Erasmus +“ goss, besagen die Regelungen, dass keineswegs die Länderregierungen eine solche Uni gründen sollen.

Vielmehr ist an ein zu knüpfendes Netzwerk zwischen mindestens drei bestehenden Universitäten in drei verschiedenen europäischen Ländern gedacht. Die Anträge müssen daher von den beteiligten Hochschulen selbst kommen. Was dabei entstehen soll, ist kein neues Gebäude mitten auf der Grenze, sondern eher eine „virtuelle Universität“, die von Austausch und Kooperation belebt wird, erklärt Beate Körner, Referatsleiterin für das Programm beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn.

Danach will die Europäische Kommission 20 Europa-Hochschulen bis zum Jahr 2024 fördern. Sechs davon sollen in einem Pilotprojekt schon 2019 angeschoben werden. Dafür stehen insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung. Noch einmal 30 Millionen Euro stehen für das kommende Jahr bereit – und ab 2020/21 „soll noch mehr Geld fließen“, sagt Beate Körner. Da von den Ländern eine Ko-Finanzierung erwartet wird, habe sich die Bundesregierung nach Angaben des DAAD bereit erklärt, über die gesamte Laufzeit 50 Millionen Euro in den Aufbau der Hochschulen zu investieren.

Hochschulen aus NRW wollen sich engagieren

Das Interesse daran, scheint unerwartet groß zu sein. Eine Informationsveranstaltung des DAAD zu dem Projekt hätten im Oktober allein rund 100 Interessenten aus Deutschland besucht. Unter den möglichen Antragstellern seien auch zahlreiche Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen, so Körner.

An eine Förderung knüpft die EU Bedingungen. Die Hochschulverbünde müssen grenzüberschreitend beim Studentenaustausch und dem Management zusammenarbeiten. Sie sollen „innovative Studienkonzepte“ in verschiedenen Sprachen einschließlich digitaler Angebote erstellen. Sie sollen Forschungsprojekte betreiben und gemeinsame Abschlüsse entwickeln sowie einen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten. Ziel der Europa-Hochschulen ist es, den europäischen Zusammenhalt durch Zusammenarbeit zu stärken. Beate Körner: „Die Hochschulen sollen ein geeintes und starkes Europa unterstützen und eine neue Generation von jungen Europäern zusammenbringen.“

Die Abgeordneten Optendrenk und Brockes sind zwar ein wenig enttäuscht, dass auf diesem Weg wohl keine neue Hochschule zwischen Venlo und Nettetal entstehen wird. Dennoch freut sie, dass die Idee an Fahrt gewinnt. „Jetzt müssen die Experten aus den Hochschulen die Idee umsetzen.“ Bei der NRW-Landesregierung fiel der Gedanke jedenfalls auf fruchtbaren Boden: Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen kündigte an, Anträge von NRW-Hochschulen für „Erasmus +“ mit jeweils 10.000 Euro zu unterstützen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben