Brennpunkt Schule

Land will Brennpunktschulen mit mehr Stellen unterstützen

„Weil wir wichtig sind“, steht auf ihren Demo-Schildern:Mit einer Menschenkette in der Essener City machten Schüler, Lehrer und Eltern der Gesamtschule Bockmühle Ende September auf ihre schwierige Situation aufmerksam.

„Weil wir wichtig sind“, steht auf ihren Demo-Schildern:Mit einer Menschenkette in der Essener City machten Schüler, Lehrer und Eltern der Gesamtschule Bockmühle Ende September auf ihre schwierige Situation aufmerksam.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf/Essen.  Die Landesregierung will ab 2021/22 Schulen in Problemvierteln mit mehr Stellen ausstatten. Den Betroffenen geht das nicht weit genug.

Die Landesregierung will Schulen in sozial schwierigen Vierteln künftig mit mehr Personal stärker unterstützen. „Um mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit zu erreichen, müssen wir neue Wege gehen und über das bisherige Maß hinaus Stellen nach anderen Kriterien als bisher verteilen“, sagte Schulstaatssekretär Mathias Richter. Er kündigte die Einführung eines schulscharfen Sozialindex an, der ab dem Schuljahr 2021/22 greifen soll. Dadurch sollen zusätzliche Ressourcen „stärker Richtung Schulen mit heterogener Schülerschaft und schwierigen Verhältnissen gesteuert werden“, betonte Richter.

Damit kommt die Landesregierung einer seit Jahren erhobenen Forderung nach einer besseren Ausstattung für Schulen in sozialen Brennpunkten entgegen. Richter sagte, die Landesregierung strebe an, den Index ab dem Schuljahr 2021/22 „zumindest für die Verteilung einiger Stellen“ erstmals einzusetzen. Bisher werden Stellen nach einem „Kreissozialindex“ vergeben. Dieser misst jedoch nur die soziale Belastung von ganzen Schulamtsbezirken, also von Kreisen und Städten. „Es kommt jedoch darauf an, die Situation der Einzelschule zu betrachten“, teilt das Schulministerium mit.

Bildungswissenschaftler, Gewerkschaften, Verbände und Schulleiter fordern seit langem, dass Schulen in sozialen Brennpunkten zusätzliches Personal und bessere Ausstattung erhalten müssten. „Ungleiches muss ungleich behandelt werden“, lautet das Credo.

Schulen fordern Hilfe vom Land

Ob sich die neu gegründete Initiative „Schule hoch drei“ mit der Ankündigung des Ministeriums zufrieden geben wird, erscheint allerdings fraglich. Das Bündnis aus bislang 20 Gesamt- und Sekundarschulen in prekären Lagen fordert sofort mindestens 25 Prozent mehr Personal. Die Initiative verweist auf die Herausforderungen für ihre Schulen: hoher Anteil Hartz-IV-Empfänger, sinkende Sprachkompetenz der Schüler, mehr Schüler mit Förderbedarf, hoher Migrantenanteil, Inklusionsarbeit, Personalknappheit, zu große Klassen und teils völlig marode Schulgebäude. Das Land müsse umgehend gegensteuern – und zwar bereits ab 2020.

Zudem müsse die Einstellung von Lehrkräften vom Land zielgerichtet gesteuert werden, da sonst Stellen an unbeliebten Standorten frei blieben. Viele Lehrer zeigten wenig Interesse daran, sich für solche Arbeitsplätze zu bewerben. Die Forderung nach einer stärkeren Steuerung weist die Landesregierung indes zurück. Dann könnten Bewerber in andere Regionen oder Bundesländer abwandern.

Kritik an Wettbewerb zu Talentschulen

Für die Landesregierung sind die neu eingeführten Talentschulen ein geeignetes Modell, um die Bildungschancen benachteiligter Kinder zu verbessern. Ab dem Schuljahr 2020/21 sollen landesweit 60 in einem Wettbewerb ausgewählte Schulen mit mehr Personal und innovativen Unterrichtsmethoden dazu beitragen, soziale Nachteile zu überwinden.

Die Initiative „Schule hoch drei“ lehnt die Talentschulen vehement ab. Es gebe in NRW rund 1000 Schulen in benachteiligten Stadtteilen. Julia Gajewski, Leiterin der Gesamtschule Bockmühle in Essen und Mitglied des Bündnisses, sagt: „Die Gewinner des Wettbewerbs erhalten mehr Stellen und können damit endlich normal arbeiten. Das müsste für alle Schulen selbstverständlich sein.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben