Digitaloffensive

Mit IPhone auf Streife: Wie die NRW-Polizei künftig arbeitet

Nicht nur für Selfies zu gebrauchen: Die NRW-Polizei, hier mit Kommissarin Julia Kamp, erhält von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) 20.000 Dienst-IPhones. Damit soll vor allem die mobile Vorgangsbearbeitung im Streifendienst revolutioniert werden.

Nicht nur für Selfies zu gebrauchen: Die NRW-Polizei, hier mit Kommissarin Julia Kamp, erhält von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) 20.000 Dienst-IPhones. Damit soll vor allem die mobile Vorgangsbearbeitung im Streifendienst revolutioniert werden.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Düsseldorf.  Ausweise und Auto-Kennzeichen per Handy scannen: Die NRW-Polizei verabschiedet sich allmählich von Notizbuch und Funkabfrage.

Die NRW-Polizei kommt im Jahr 2019 endlich im Digitalzeitalter an. Jeder operativ tätige Beamte soll bis zum nächsten Frühjahr Zugang zu einem Dienst-Smartphone erhalten. Das Innenministerium hat dafür 20.000 IPhone 8 angeschafft und mit speziell entwickelten Apps bespielen lassen. „Ich habe keine Lust, dass die Polizei weiter in der Steinzeit hantiert“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag bei der Vorstellung des Projekts „Mobile Kommunikation“ (mobi.kom) in Düsseldorf. Das Land will bis 2022 rund 50 Millionen Euro in die Digitalisierung investieren.

Obwohl inzwischen jedes Schulkind mit allerlei Apps den Alltag bestreitet, arbeitete die Polizei bislang vorrangig noch mit Notizbuch, Papier-Formularen und Abfragen per Funkgerät. Das soll sich nun ändern. Mit den neuen Smartphones können Personalausweise, Führerscheine und Auto-Kennzeichen gescannt werden. Binnen Sekunden erhalten die Streifenbeamte alle relevanten Hinweise zu persönlichen Daten, Fahndungsaufrufen oder Vorstrafen. Zudem können die Polizisten untereinander Hinweise und Fotos in einem sicheren Messenger-Kanal teilen.

Einen „Meilenstein in der Nutzung von Technik“ nannte es der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler. Vor allem im Streifendienst können die Beamten nun schneller erfahren, mit wem sie es bei Passanten oder Autofahrern zu tun haben. Die bislang per Funk angefragte Leitstelle, die jede Information von Hand in die Datenbank eintippen musste, wird so deutlich entlastet.

Die mobile Polizeiarbeit im Streifendienst soll mit 50 Millionen Euro gefördert werden

Es ist erst der Einstieg in die „mobile Vorgangsbearbeitung“, wie es im Polizei-Deutsch heißt. Künftig sollen Verkehrsunfälle oder kleinere Straftaten wie Ladendiebstähle oder leichte Körperverletzungen per Handy aufgenommen werden. Der Dienst auf der Wache nach der Streifenfahrt mit dem mühsamen Eintippen von Notizen würde deutlich reduziert. Eine Scan-Funktion für die mobile Abnahme von Fingerabdrücken ist ebenfalls in Arbeit. „Wir bringen die Technik zum Einsatzort und nicht mehr umgekehrt“, sagte Innenminister Reul.

NRW wähnt sich nun auf dem Weg zur am besten ausgestatteten Polizei in Deutschland. Warum allerdings „Kommissar Smartphone“, der in den Niederlande schon lange im Einsatz ist, so lange auf sich warten ließ, bleibt unklar. Die verschlüsselte Übertragung der sensiblen Daten in einem eigenen Polizei-Netz innerhalb des normalen Mobilnetzes sei nicht trivial, erklärten die Fachleute des Innenministeriums. Auch Löschroutinen auf speziell gesicherten Servern mussten aus Datenschutzgründen erst entwickelt werden. Reul machte aber auch den lange fehlenden politischen Willen für die technische Rückständigkeit verantwortlich. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe sich „im Tiefschlaf“ befunden, so der Minister.

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