„Flügel“-Streit

NRW-AfD-Chef Seifen rechnet mit Co-Vorsitzendem Röckemann ab

Sie lächeln fürs Foto, aber zwischen ihnen tun sich Gräben auf: Helmut Seifen (li.) und Thomas Röckemann sind in der NRW-AfD Gegner.

Sie lächeln fürs Foto, aber zwischen ihnen tun sich Gräben auf: Helmut Seifen (li.) und Thomas Röckemann sind in der NRW-AfD Gegner.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

Düsseldorf.   In einem Brandbrief greift AfD-Sprecher Seifen die Anhänger des extrem rechten „Flügels“ an: Sie bildeten eine gefährliche Partei in der Partei.

Die Spaltung der NRW-AfD in ein eher konservatives und ein völkisch-nationalistisches Lager vertieft sich. Helmut Seifen, einer von zwei AfD-Landesvorsitzenden, hat in einem Brandbrief an die Bezirkssprecher seiner Partei die Anhänger des so genannten „Flügels“ und den zweiten AfD-Landesvorsitzenden Thomas Röckemann hart attackiert. Dem „Flügel“ zugehörig fühlen sich Gefolgsleute des extrem rechten Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke.

Außerhalb von NRW agiere der „Flügel“ als „eigenständige Partei in der Partei“ und verstehe sich als „eigenständige Organisation“, schreibt Seifen. Diese Einschätzung dürfte insbesondere den Verfassungsschutz interessieren, der den „Flügel“ mittlerweile als „Verdachtsfall“ einstuft. Seifen wirft seinem Mit-Vorsitzenden Röckemann,dem AfD-Landtagsabgeordneten Christian Blex sowie dem Münsteraner AfD-Bezirkssprecher Steffen Christ vor, dem Thüringer Höcke „in NRW eine Plattform bauen“ zu wollen.

„Keine Melodie für ein Versöhnungslied“

Vom Flügel gingen immer wieder Beleidigungen und „spalterische Aktivitäten“ gegen Andersdenkende in der Partei aus. Ermahnungen der Bezirkssprecher, die Spaltung der Partei zu überwinden sind aus der Sicht von Seifen „keine brauchbare Melodie für ein Versöhnungslied“. Zu fundamental seien die Unterschiede.

Die Landtagsabgeordneten Röckemann und Seifen sind in den vergangenen Wochen wiederholt aneinandergeraten. Innerhalb der AfD-Fraktion im Landtag gelten die „Rechtsausleger“ Röckemann und Blex als isoliert.

Warnung vor „kleinen AfD-Nazis“

Als Björn Höcke Anfang November in Bottrop auftrat, kritisierte Seifen dafür seinen Mit-Vorsitzenden Röckemann, der sich auf die Veranstaltung in Bottrop „freute“, und warnte vor dem völkischen „Flügel“ in der AfD.

Einen Monat später machte der „Stern“ einen Whatsapp-Chat von AfD-Politikern aus NRW öffentlich, in dem Seifen Röckemann vorwirft, ihn daran zu hindern, „kleine AfD-Nazis abzumahnen und sie aus der Partei heraus zu komplimentieren“. Röckemann keilte sofort nach dem Bekanntwerden des Chats zurück, nannte die Vorwürfe gegen ihn „ehrabschneidend“ und „parteischädigend“ und forderte Seifen zum Rücktritt auf.

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