Binnenschifffahrt

NRW fordert konkrete Bundeshilfe für marode Kanäle

Wichtige Wasserwege: Die maroden Kanäle in NRW hatten lange keine politische Lobby. Das soll sich mit dem „Masterplan Binnenschifffahrt“ des Bundes nun ändern.

Wichtige Wasserwege: Die maroden Kanäle in NRW hatten lange keine politische Lobby. Das soll sich mit dem „Masterplan Binnenschifffahrt“ des Bundes nun ändern.

Foto: Archiv

Düsseldorf   Ein „Masterplan Binnenschifffahrt“ der Bundesregierung ist da. Wie wird daraus schnell Hilfe für die schrottreifen Schleusen im Ruhrgebiet?

NRW- Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat den am Dienstag vorgestellten „Masterplan Binnenschifffahrt“ der Bundesregierung als richtiges Zeichen begrüßt. „Die Wasserstraße hatte bisher keine ausreichende Lobby, obwohl sie die einzige Infrastruktur ist, auf der noch Kapazitäten frei wären“, erklärte Wüst.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat angekündigt, die maroden Kanäle insbesondere in NRW schneller sanieren zu lassen und mehr Investitionen für die Binnenschifffahrt bereitzustellen. Am 28. Mai soll es zu einer „Regionalkonferenz Wasserstraßen“ in NRW kommen, um die wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen im Ruhrgebiet anzuschieben, heißt es in dem Masterplan.

„In einem nächsten Schritt brauchen wir einen Aktionsplan Wasserstraßen, der die Projekte von der Sanierung der maroden Infrastruktur bis zum Rheinausbau strukturiert und beschleunigt“, forderte NRW-Minister Wüst. Die Nutzer bräuchten Klarheit, wann welche Projekte angegangen würden. Wüst warb bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, zur Beschleunigung vermehrt Planungsaufträge an freie Ingenieurbüros zu vergeben. „Auf diesem Weg haben wir in den letzten zwei Jahren die Kapazitäten im Straßenbau erhöht, bis die Einstellung zusätzlicher eigener Leute umgesetzt war“, so Wüst.

Riesiger Sanierungsstau am Wesel-Datteln-Kanal

Der Sanierungsstau bei den Wasserstraßen trifft vor allem die Wirtschaft an Rhein und Ruhr. Allein am Wesel-Datteln-Kanal aus dem Jahr 1930 im nördlichen Revier und am Niederrhein sind sechs Schleusen in mangelhaftem Zustand. Poller, an denen Schiffe festmachen sollen, sind so marode, dass eigens Mitarbeiter als „Festmacher“ rund um die Uhr Schleusenvorgänge absichern müssen. Der üble Zustand der Bauwerke am Wesel-Datteln-Kanal soll dafür gesorgt haben, dass im vergangenen Jahr die Menge der dort transportierten Waren um 24 Prozent auf nur noch 13,4 Millionen Tonnen zurückging. Sorgen bereitet auch der Rhein-Herne-Kanal. Dort soll die Schleuse Wanne-Eickel neu gebaut werden, so dass der Wesel-Datteln-Kanal noch stärker belastet würde. Die Binnenschifffahrts-Experten warnen seit Monaten: Sollte nur die Hälfte der Transportkapazität des Wesel-Datteln-Kanals ausfallen, würde der Verkehr auf Schienen und Straßen mit zusätzlich 900.000 Lkw-Fahrten oder 15.000 Güterzügen schlicht kollabieren.

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