Nahverkehr

Politik kippt nächste Preiserhöhung im VRR - vorerst

Wie teuer ist der Nahverkehr in den einzelnen Städten? Darauf verlangt die VRR-Verbandsversammlung eine Antwort. Im Bild: Ein Bus der Ruhrbahn in Essen-Heisingen. FUNKE Foto Services

Wie teuer ist der Nahverkehr in den einzelnen Städten? Darauf verlangt die VRR-Verbandsversammlung eine Antwort. Im Bild: Ein Bus der Ruhrbahn in Essen-Heisingen. FUNKE Foto Services

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Gelsenkirchen.  Ungewöhnlicher Vorfall im Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR): CDU und Grüne bremsen in den politischen Gremien die nächste Preisrunde aus.

Im Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) ist ein heftiger Streit um die nächste Preisrunde für Bus- und Bahn-Tickets ausgebrochen. Mit schwarz-grüner Mehrheit hat die VRR-Verbandsversammlung in der vergangenen Woche überraschend Forderungen der VRR-Verwaltung und kommunaler Verkehrsbetriebe nach einem neuerlichen Dreh an der Preisschraube zum 1. Januar 2020 blockiert. Dem Vernehmen nach ging es um Preisaufschläge bis zu vier Prozent.

Entscheidung auf September verschoben

Nach dem Eklat wurden weitere VRR-Gremiensitzungen in dieser Woche zunächst abgesagt. Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe die Tarife angepasst werden sollen, wurde auf September verschoben.

CDU und Grüne haben die Mehrheit im VRR

VRR-Vorstand- Parkgebühren in den Nahverkehr-Ausbau umleiten Hinter der ungewöhnlichen Aktion steht ein gemeinsames Positionspapier von CDU und Grünen. Beide Fraktionen bilden im VRR-Kontrollgremium eine Koalition. In dem Papier, das der WAZ vorliegt, heißt es unter anderem: „Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine stetige Preisentwicklung am Markt nicht weiter so umsetzbar ist. Ob und in welcher Höhe Tarifentgelte angepasst werden, ist für uns aktuell nicht entscheidbar.“

„Kosten nicht vergleichbar“

Zugleich bemängeln beide Parteien, dass es von Seiten der im VRR organisierten Verkehrsunternehmen keine wirkliche Transparenz über die Kostenentwicklung im örtlichen ÖPNV gibt. „Warum kostet ein Straßenbahn-Kilometer in der einen Stadt mehr als in der anderen? Das ist für uns nicht ersichtlich“, sagte CDU-Fraktionschef Frank Heidenreich der WAZ. Die Verkehrsbetriebe der Region wie Bogestra, Ruhrbahn oder Dortmunder Stadtwerke sollen daher verpflichtet werden, schon zum nächsten Sitzungsblock der VRR-Gremien im September vergleichbare Zahlen ihrer Kostenstruktur vorzulegen. Experten- „Nahverkehr im Ruhrgebiet ist auf Hartz-IV-Niveau“ Erst dann sei man bereit, über eine „moderate Tarifsteigerung zur Finanzierung von neuen Herausforderungen zu reden, zum Beispiel in den Bereichen Klimaschutz und Sicherheit“, heißt es in dem Positionspapier weiter.

Heidenreich fordert zudem eine Verbesserung der Qualität im Nahverkehr. „Wir können nicht über Preishöhungen sprechen, wenn wir in manchen Bereichen das Angebot einschränken“, sagte der Duisburger. Neues Mülheimer ÖPNV-Konzept kommt erst nach der Sommerpause Als Beispiel nannte Heidenreich die jüngsten Vorstöße der Stadt Mülheim, im örtlichen ÖPNV sieben Millionen Euro einsparen zu wollen.

Seit Jahren ein Ärgernis

Die jährlichen Preissteigerungen bei den VRR-Tickets sind seit Langem umstritten. Trotz der Debatten über eine stärkere Rolle des ÖPNV zur Lösung von Verkehr- und Umweltproblemen werden Bahn- und Bus-Fahrten im Ruhrgebiet immer teurer. Die Aufschläge stiegen dabei meist deutlich schneller als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, im Jahr 2015 etwa um 3,8 Prozent. Zuletzt hatte der VRR die Ticketpreise Anfang 2019 um durchschnittlich 1,9 Prozent erhöht.

Leserkommentare (13) Kommentar schreiben