Fall Lügde

Reul: „Meine Oma hätte gemerkt, dass da was nicht stimmt“

Noch ist unklar, was bei Polizei und Jugendämtern im Fall Lügde schief gelaufen ist. Doch NRW-Innenminister Reul geht trotzdem mit den Behörden hart ins Gericht.

Noch ist unklar, was bei Polizei und Jugendämtern im Fall Lügde schief gelaufen ist. Doch NRW-Innenminister Reul geht trotzdem mit den Behörden hart ins Gericht.

Düsseldorf  Der NRW-Innenminister bekräftigt seinen Vorwurf des Behördenversagens im Fall Lügde und kündigt mehr Mittel gegen Kindesmissbrauch an.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat nach dem jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde seinen Vorwurf des Behördenversagens bekräftigt. „Meine Oma hätte gemerkt, dass da was nicht stimmt“, sagte Reul am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Von der Polizei seien nach Hinweisen auf die schweren Straftaten „Regeln nicht in letzter Konsequenz abgewickelt worden“.

Ermittlungen gegen sechs Verdächtige

In Lügde wurden über mehr als zehn Jahre 31 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren in über 1000 Einzeltaten von mehreren Männern missbraucht und dabei gefilmt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen drei mutmaßliche Hauptverdächtige, die in U-Haft sitzen. Gleichzeitig laufen Ermittlungen gegen drei weitere Personen: Gegen einen weiteren Beschuldigten sei ein Verfahren wegen Verdachts der Strafvereitelung eingeleitet worden, sagte Reul. Nach dpa-Informationen steht die Person in dringendem Tatverdacht, Daten manipuliert zu haben. Sie sitzt nicht in U-Haft. Darüber hinaus liege derzeit gegen zwei weitere Personen ein Tatverdacht vor, sagte Reul. In diesen beiden Fällen geht es nach dpa-Informationen um Beihilfe, nicht um Mittäterschaft.

Reul war in die Kritik geraten, weil er früh von „Behördenversagen an allen Ecken und Kanten“ gesprochen hatte. Am Donnerstag bekräftigte der Innenminister seine Wortwahl: „Ich habe es so empfunden und empfinde es nach wie vor.“

"Wir haben Sorgen, dass noch mehr Kinder auf den Bildern sind"

Zugleich kündigte Reul einen verschärften Kampf gegen Kindesmissbrauch an: „Das ist eine Baustelle, die ist unvorstellbar. Wir müssen uns da richtig was einfallen lassen, das geht so nicht weiter.“ Die Bielefelder Polizei führe die Ermittlungen im Fall Lügde mit 51 Experten, die 15 Terabyte an sichergestellten Dateien durchforsten müssten. Das Land habe unverzüglich eine Auswertesoftware angeschafft, um die Auswertung nach dem aktuellsten technischen Standard zu ermöglichen. „Wir haben Sorgen, dass noch mehr Kinder auf den Bildern sind“, sagte Reul.

Insgesamt müsse das Land seine Anstrengungen im Kampf gegen Kindesmissbrauch verstärken. Sowohl bei Technik und Personal habe es in der Vergangenheit unzureichende Unterstützung gegeben, räumte Reul ein. Er habe in einem ersten Schritt zusätzliche Spezial-Computer für die Polizeibehörden anschaffen lassen, weitere 20 Stellen zur zentralen Auswertung von Kinderpornografie im Landeskriminalamt eingerichtet und Seminare zur Stressbewältigung der Ermittler in diesem Deliktsbereich geschaffen. „Nix tun, das konnte ich nicht mehr verantworten“, sagte Reul.

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