Ehrungsstreit

SPD: Landesorden für Deutschlands bekanntesten Steuerfahnder

Mit dem Ankauf von Steuerdaten-CDs wurden Peter Beckhoff und sein Wuppertaler Team zum Schrecken vieler vermögenden Steuerflüchtlinge. Jetzt schlägt die SPD Beckhoff für den Landesverdienstorden vor - eine Spitze gegen einen anderen Preisträger.

Mit dem Ankauf von Steuerdaten-CDs wurden Peter Beckhoff und sein Wuppertaler Team zum Schrecken vieler vermögenden Steuerflüchtlinge. Jetzt schlägt die SPD Beckhoff für den Landesverdienstorden vor - eine Spitze gegen einen anderen Preisträger.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Düsseldorf.  Ex-Finanzminister Linssen soll trotz einer alten Steuergeschichte ausgezeichnet werden. Die Opposition macht einen pikanten Alternativvorschlag.

Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag hat Deutschlands bekanntesten Steuerfahnder Peter Beckhoff als neuen Träger des Landesverdienstordens vorgeschlagen. In einem Schreiben von SPD-Landtagsfraktionsvize Michael Hübner an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) heißt es: „Ich denke, es wäre in unser aller Sinne, einen Mann wie Peter Beckhoff mit der höchsten Auszeichnung unseres Landes zu ehren. Und damit auch ein klares Zeichen zu setzen, dass Steuerhinterziehung und -vermeidung keine Kavaliersdelikte sind.“

Beckhoff hat als langjähriger Leiter des Finanzamts für Steuerstrafsachen und der Steuerfahndung in Wuppertal bundesweite Bekanntheit erlangt. Mit dem Ankauf und der Auswertung von Steuer-CDs lehrte Beckhoffs Team viele Vermögende mit Schwarzgeld-Depots in Steuerparadiesen das Fürchten. Durch Ermittlungen und Selbstanzeigen erzielte allein NRW rund 2,3 Milliarden Euro an Steuermehreinnahmen. 2017 ging Beckhoff in Pension.

Der SPD-Vorschlag für den Landesverdienstorden wird in Düsseldorf auch als Protestnote gegen eine von Laschet an diesem Freitag angesetzte Ehrung gewertet. Der Ministerpräsident will im Schloss Nordkirchen gemeinsam mit 13 weiteren Persönlichkeiten auch den früheren NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) als Träger des Landesordens auszeichnen.

Linssen geriet im Zuge der „Panama Papers“-Recherchen in die Schlagzeilen

Der 77-Jährige geriet 2014 in die Schlagzeilen, als bei Recherchen zu den „Panama Papers“ bekannt wurde, dass er ein Bar-Vermögen seiner Familie über mehr als 800.000 Mark in ausländische Steueroasen verlagert hatte. Der Vorgang fand sich auf einer angekauften Steuer-CD. Ein Strafverfahren gegen Linssen wurde eingestellt, weil die Vorwürfe zum Großteil verjährt waren. Der CDU-Politiker bestritt Steuerhinterziehung. Nach den Enthüllungen trat er vom Amt des Bundesschatzmeisters seiner Partei zurück.

Linssen soll bei der fragwürdigen Geldanlage auf einem Papier einer Luxemburger Bank das Feld „Selbstabholung“ angekreuzt haben. Ausgerechnet Top-Steuerfahnder Beckhoff wurde damals nach der Enthüllung in der „Süddeutschen Zeitung“ mit den Worten zitiert, ein solches Kreuz sei verräterisch. Der Kunde stelle so sicher, keine Post von seiner Bank zu bekommen. Wer das wolle, habe etwas zu verheimlichen.

Laschets Landesorden für Linssen sorgt seit Tagen für Wirbel. Auch die Grünen hatten scharfe Kritik an der geplanten Auszeichnung geübt. Fraktionschefin Monika Düker sprach Linssen öffentlich die Vorbildfunktion ab, „da er nachgewiesenermaßen Privatvermögen in einer Steueroase untergebracht hat“.

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