Verkehrswende

Verkehrsverbund VRR denkt über 365-Euro-Jahresticket nach

Ein 365-Euro-Jahresticket würde Bus- und Bahnfahrten in den Ruhrgebietsstädten deutlich preiswerter machen.

Ein 365-Euro-Jahresticket würde Bus- und Bahnfahrten in den Ruhrgebietsstädten deutlich preiswerter machen.

Foto: Ralf Rottmann

Essen.  Spannende Debatte: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat ausgerechnet, wie teuer ein 365-Euro-Ticket für einzelne Städte wäre.

Ein 365-Euro-Jahresticket für den Nahverkehr innerhalb des Stadtgebietes würde nach Berechnungen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) in den Kommunen der Rhein-Ruhr-Region einen Förderbedarf von insgesamt mehr als 240 Millionen Euro jährlich auslösen. Gleichzeitig wäre der auf den Monat umgerechnete Preis für ein solches Ticket von 30,42 Euro für ÖPNV-Nutzer unschlagbar günstig. Gegenüber bisherigen Regelzeitkarten wie Ticket 1000, Young Ticket oder Firmentickets ergäben sich demnach Einsparungen von bis zu 61 Prozent.

Vorbild Wien

Das 365-Euro-Jahresticket nach dem Modell der Stadt Wien wird auch im Bund als mögliche Maßnahme diskutiert, den ÖPNV attraktiver zu machen und die Verkehrswende zu beschleunigen. Vor der Sitzung des Klimakabinetts am morgigen Freitag hatte zuletzt die SPD-Bundestagsfraktion eine schrittweise Einführung gefordert.

Für einen Euro am Tag sämtliche Busse und Bahnen in einer Stadt nutzen können – die Idee elektrisiert eben derzeit viele. Sie kostet aber auch. Auf die VRR-Mitgliedskommunen kämen hohe Summen zu. Essen müsste gut 27 Millionen Euro schultern, in Dortmund wären es 26 Millionen. Bochum würde mit elf Millionen belastet, Mülheim mit an die fünf Millionen – wohlgemerkt pro Jahr.

Zusätzliche Investitionen notwendig

Die auf Antrag der CDU-Fraktion in der VRR-Verbandsversammlung erstellte Berechnung berücksichtigt dabei lediglich die Einnahmenausfälle, die das nach Wiener Vorbild konzipierte Schnäppchen-Ticket auslösen würde. Zugrunde gelegt wurden zudem nur die Preisstufen A1 bis A3, also der innerörtliche Verkehr. Die VRR-CDU weist denn auch daraufhin, dass ein 365-Euro-Ticket nahezu automatisch zusätzliche Investitionen nach sich ziehen würde. „Wenn erreicht werden soll, dass mehr Menschen den Nahverkehr nutzen, dann ist zwingend ein weiterer Ausbau notwendig. Das wird ein Mehrfaches zusätzlich kosten. Das werden viele Städte nur mit einer Förderung durch den Bund tragen können“, so Fraktionschef Frank Heidenreich.

Für Bus- und Bahnfahrer würde das Jahresticket umgerechnet 30,42 Euro monatlich kosten. Das ist ein fast unschlagbarer Preis und sogar noch günstiger als die derzeit mit Bundesmitteln rabattierten Monatskarten für Neukunden der Ruhrbahn in Essen. Zum Vergleich: Ein normales Ticket 1000 für Essen (Preisstufe A3) kostet im Abo 68,65 Euro, im Jahr also knapp 824 Euro. Eine Einzelfahrt im Essener Stadtgebiet schlägt mit 2,90 Euro zu Buche.

Welche Regelungen für ein 365-Euro-Jahresticket bei stadtübergreifende Fahrten greifen würde, hat der VRR nicht berechnet.

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